Vom Dorf-Newsletter bis zum Fernsehsender: Das bewegt den Lokaljournalismus
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Erstmals lag die Organisation des Lokaljournalismustags in den Händen von MAZ-Studienleiter Fabian Muster. Die Premiere am 17. September war ein Erfolg: Mit 31 Teilnehmenden war die Veranstaltung nahezu ausverkauft. Um Kräfte zu bündeln, ging das MAZ erstmals eine Partnerschaft mit dem Medieninstitut des Verbands Schweizer Medien ein. |
Martina Fehr und Marianne Läderach, die das MAZ und das Medieninstitut leiten, eröffneten die Tagung. Beide Organisationen kooperierten enger denn je, um Raum für neue Ideen zu schaffen. Lokaljournalismus sei unverzichtbar, weil er nationale Entscheide in konkrete Veränderungen vor Ort übersetze. Die Nähe zum Publikum schaffe Vertrauen, erfordere jedoch Mut, Unabhängigkeit und Verleger, die sich hinter kritische Redaktionen stellen. Damit bleibe er eine Stütze der lokalen Demokratie.
Als erste Referentin blickte Liliane Minor vom Tages-Anzeiger auf 37 Jahre Erfahrung zurück. Lokale Nachrichten seien verlässliche Ankerpunkte, da die Hälfte der Bevölkerung sie täglich nutze. Ohne sie blieben regionale Probleme unsichtbar. Obwohl KI Texte schnell zusammenfassen könne, kreiere sie nichts Neues. Minor betonte: «Die KI kann nicht durch ein Volksfest gehen und die Stimmung aufnehmen.» Es brauche weiterhin Menschen vor Ort.
Danach erklärten Olivier Christe und Balz Oertli die Arbeit des WAV Recherchekollektivs, das Recherchekapazitäten für andere Medien liefert. Neben Politfinanzierung untersuchten sie die Investitionslisten von Schweizer Pensionskassen bezüglich ihrer Klimaauswirkungen. Um Redaktionen bei Ressourcenmangel zu unterstützen, gründete WAV mit Partnern die Anlaufstelle LokalHub. Sie betonten: «Das Projekt Lokalhub ist eine Antwort auf fehlende finanzielle und personelle Ressourcen im Lokaljournalismus, Ideen gibt es nämlich genügend.» Über lokalhub.ch erhalten Medien Hilfe bei datenbasierten Projekten.
Anschliessend präsentierte Hannes Grassegger das Projekt Spatz, eine digitale Dorfzeitung. Die Plattform sammelt mithilfe von KI öffentliche Daten, die journalistisch aufbereitet als wöchentlicher Newsletter erscheinen. Im September 2026 betrieb Spatz bereits 122 Ausgaben mit über 26'000 Mitgliedern. Grassegger nutzte das hohe Vertrauen in Lokalmedien und blickte optimistisch voraus: «Wir glauben, Journalismus steht nicht vor dem Ende, sondern am Anfang.»
Zum Abschluss stellte Aline Studer den regionalen TV-Sender Canal B aus Biel vor. Auf die Frage nach den intensiven Aufbauwochen antwortete sie schmunzelnd: «Ich lebe noch!» Nach der Konzessionsbestätigung im März 2026 startete der Sender am 1. Juli. Das zehnköpfige Team bewältigt die Herausforderung der Zweisprachigkeit und liefert täglich 150 Minuten relevante Regionalinformationen. Als zentrales Learning gab Studer mit auf den Weg, sich in der Startphase nicht zu viel auf einmal vorzunehmen.
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