Publikation

Best of Diplomarbeiten 2024–2026

Die «Best-of»-Reihe der MAZ-Diplomarbeiten zeigt die Vielfalt der Ausbildung: von klassischem Printjournalismus über multimediale Onlineformate bis hin zu Radio-, Podcast- und Videojournalismus.

Best of Text

Mark Schoder, CH Media «Vertrieben und vergessen: Früher folgten sie den Wolken, heute säen die Sahrauis im Garten des Teufels»

Vor 50 Jahren drang die Kolonialmacht Marokko in die Westsahara ein. Und vertrieb Tausende Angehörige einer maurischen Nomadengruppe, der Sahruais. Die Sahrauis flohen in die lebensfeindliche Hamada-Wüste in Süd-Algerien. In der Region, die auch «Garten des Teufels» genannt wird, harren sie seit Jahrzehnten in Flüchtlingslagern aus.

Doch in der Einöde gibt es kleine Oasen: Immer mehr Familien legen Gärten an, in denen Kürbisse, Melonen oder Tomaten gedeihen. Dafür sammeln sie jeden Tropfen Wasser, das Wissen ihrer Vorfahren und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse.

Für die Reportage ist Autor Mark Schoder gemeinsam mit dem Fotografen Niklas Thalmann nach Algerien gereist und hat die Flüchtlingscamps beucht. Eindringlich zeichnet er Porträts von vier Personen, die an einem der unwirtlichsten Orte der Welt eigene Wege des Überlebens suchen – und liefert damit ein Lehrstück in konstruktivem Journalismus ab.

Best of Audio/Radio

Aran Emily Steffen, Radio Top, «Was passiert, wenn der Staat an der Haustür klingelt?»

Mit der Podcast-Episode «Was passiert, wenn der Staat an der Haustür klingelt? » aus der Reihe «Dune a de Langstrass» zeigt Aran Steffen eindrucksvoll, wie moderner Audiojournalismus klingt. In 28 Minuten führt sie mitten hinein in einen Alltag, der sonst vielen verborgen bleibt.

Im Mittelpunkt steht der Weg eines Betreibungsbeamten durch den Zürcher Kreis 4. Was als nüchterner Verwaltungsakt beginnt, entfaltet sich akustisch zu einer vielschichtigen Erkundung des Quartiers: Begegnungen mit Menschen in prekären Lebenslagen, Momente von Scham und Verzweiflung, aber auch überraschende Offenheit, Humor und Solidarität. Der Beamte bleibt dabei nicht bloss Funktionsträger, sondern wird als Mensch mit Haltung, Erfahrung und Präsenz greifbar.

Herausragend ist die journalistische Haltung der Autorin. Obwohl sie selbst eine Verbindung zur Langstrasse hat, bewahrt sie konsequent die nötige Distanz. Diese Balance zwischen Nähe – die zuweilen in Betroffenheit umschlägt – und professioneller Zurückhaltung verleiht dem Stück Tiefe und Glaubwürdigkeit. Aran Steffen lässt Stimmen und Stimmungen wirken, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen.

Formal überzeugt der Podcast mit klarer Dramaturgie, dichter Atmosphäre und souveräner akustischer Gestaltung. O-Töne, Szenen und Übergänge sind präzise gesetzt, die Episode fesselt durchgehend. Inhaltlich wie handwerklich zeigt sich: Hier wird nicht nur ein Thema behandelt, sondern Podcast als journalistisches Format verstanden und stark umgesetzt.

Best of Video/TV

Tim Meyer, Videojournalist Telebasel, «Irish Dance - der letzte Tanz», Sondersendungen | TeleBasel

Sie habe genug Preise gewonnen, findet die 21-jährige Jael Senn. Sie ist mehrfache Weltmeisterin im Irish Dance. Tim Meyer begleitet die Tänzerin aus Diegten (BL) auf dem Weg zu ihrem letzten Wettkampf. Sein Film stellt eine klare Frage: Was bedeutet es, sich von einer Leidenschaft zu verabschieden, die das ganze Leben geprägt hat?

Der Videojournalist ist nah dran an seiner Protagonistin, ohne die journalistische Distanz zu verlieren. Er ist mit der Kamera am Küchentisch der Familie, im Training und natürlich beim entscheidenden Tanz in Bonn dabei. Entstanden ist ein Porträt, das nicht nur Disziplin und Perfektion zeigt, sondern auch Zweifel und den körperlichen Preis des Erfolgs.

Der Film überzeugt durch starke Bilder und präzise Dramaturgie, die ohne Kommentarstimme auskommt. Stattdessen tragen uns die Protagonistin und ihr Umfeld durch die Geschichte: authentisch, nah und ehrlich. Die Kamera ist immer dort, wo sie sein muss: dicht dran, aber nie aufdringlich.

Tim Meyer hat in seinen Film nicht nur viel Zeit investiert, sondern auch ein feines Gespür für Timing, Rhythmus und Emotion bewiesen. Das Ergebnis ist ein Werk, das von Anfang bis Ende fesselt.

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