Silvester 2003
   

Ernüchterndes Champagner-Fest

   
     

Die Silvester-Nacht 2003 erfüllte die Erwartungen der Veranstalter nicht. Die Gäste blieben aus, es wurde wenig konsumiert und der Umsatz blieb hinter jenen aus den Vorjahren zurück. Gründe gibt es zwei: die schlechte Wirtschaftslage und die Konkurrenz.

   
     

Kaum ein Fest wird so erwartet wie der Jahreswechsel. Silvester, da sind sich alle einig, ist die rauschendste Nacht des Jahres. Champagner, lange Roben, etwas Wehmut. Eine Winternacht, fast wie zu grimmschen Zeiten. Die Menschen wollen feiern. Aber nicht so wie sonst: Etwas Besonderes soll es sein und kosten darf es etwas. Und so ist Silvester jedes Jahr auch ein Geschäft.

 

Umsatz schafft Angebot

 

Die Leute feiern länger, konsumieren mehr. Und machen Silvester so zu einem wichtigen Datum im Umsatzjahr der Veranstalter. "Der Umsatz ist an Silvester höher als an vergleichbaren Abenden. Dadurch ist es ein wichtiger Anlass", sagt Thomas Dittrich, Geschäftsführer des Gefängnishotels Löwengraben in Luzern.

 

Das Party-Angebot an Silvester ist gross, und es nimmt jährlich zu. Von edel bis trashig war auch dieses Jahr alles dabei: Die Silvester Upgrade-Party im KKL lud zum Sehen-und-Gesehen-Werden, im Kleintheater unterhielt Zauberei und Musik die Gäste und der Sedel lockte mit "Sounds from the Underground" die Gothics aus ihren Kellerwohnungen.

 

Wirtschaftskrise hemmt Konsum

 

Allerdings drückte die schlechte Wirtschaftslage dieses Jahr die Stimmung: Die Gäste blieben aus und mancher Korken in der Flasche. Gewöhnlich füllt das Barstreetfestival die Lumag-Halle mit Feierlustigen. Dieses Jahr lagen die Silvester-Umsätze erstmals unter den Erwartungen. "Wir sind mit dem Umsatz durchaus zufrieden", versichert Veranstalter Stefan Hofer, "in den vorigen Jahren war das Geschäft aber besser". Woran das liegt? An der schlechten Wirtschaftslage natürlich und an der Konkurrenz. "Das Angebot ist grösser geworden in den letzten Jahren", so Hofer.

 

Konkurrenz macht Druck

 

Das bestätigt auch Thomas Gisler. Er ist im Konzerthaus Schüür für das Programm verantwortlich und hat dieses Jahr zur Silvesterparty mit Stinky Miller geladen. Vor allem das ältere Schüür-Publikum feierte bei der Konkurrenz: "Viele dürften im Froschkönig und im ABC gewesen sein", vermutet Gisler. Fakt ist, dass weniger Billette verkauft wurden als das Jahr zuvor. Trotzdem liegt der Umsatz im Schnitt: "Nicht übermässig gut, aber auch nicht schlecht", so Gisler. Vielleicht war die Party für viele auch nicht interes­sant, weil Stinky Miller schon letztes Jahr durch den Abend führten. Das nächste Jahr sei aber wieder ein Anlass geplant, auf Silvester könne man nicht verzichten. "Vielleicht aber mit einem anderen Konzept", schliesst Gisler.

 

Publikum gibt Ausschlag

 

Veranstalter, die sich an ein jüngeres Publikum richten, sind glimpflich davon gekommen. Härter traf es das Restaurant Hofgarten. Der gewöhnliche Ansturm blieb aus, nur wenige Gäste kamen. Mit Tüchern mühevoll drapierte Tische, Tischbomben und Girlanden, alles für die Katz. "Das ist schade", sagt ein Kellner sichtlich enttäuscht. Schuld sei die Wirtschaftslage, die Leute gäben ihr Geld nicht aus. Das Restaurant Hofgarten spricht mit seiner vegetarischen Speisekarte und seinem alternativ-noblen Charme ein Nischenpublikum an. "80% unserer Gäste sind Frauen" weiss der Kellner, und weiter: "Frauen sind vorsichtiger als Männer, sie reagieren schneller auf Unsicherheit."

 

So blieb das grosse Geschäft in dieser Silvester-Nacht aus. Und trotzdem hat sie etwas gebracht: Ein neues Jahr und neues Glück. Aber vor allem: eine neue Chance.

 
   

Autorin: Simona Stalder