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Derby der Ticinesi
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Wo sich Kälte und Leidenschaft vereinen
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Der Eishockey-Club Ambri-Piotta beschenkte seine Fans schon in der Nacht vor Heiligabend: Mit einem Sieg über den Erzrivalen Lugano. Ein Augenschein mit dem Luzerner Fanclub in der Eishalle Valascia.
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Valascia, das Walhalla jedes Anhängers des Eishockey-Clubs Ambri-Piotta. Die Luzerner Fans treffen in der verschneiten und weihnachtlich geschmückten Leventina ein. «Dieses mal werden wir nicht warten», mahnt Werner, der Buschauffeur, zur Pünktlichkeit. Die Reise nach Ambri ist institutionalisiert. Zu jedem Spiel fährt von der Luzerner Allmend aus ein Bus. Bierlaune. Man kennt sich, Getränke sind billig, die Weihnachtsferien stehen vor der Tür und der Erzrivale auf dem Eis.
Rumpunsch und Bratwürste
WC-Rollen fliegen Richtung Eis, weiss-blaue Fahnen werden geschwenkt. Es riecht nach Rumpunsch und Bratwürsten. Valascia ist seit langem wieder einmal ausverkauft. Die Stimmung brodelt schon vor Spielbeginn. Ambri-Piotta ist kein reicher Club. Das zeigt sich am Stadion besonders deutlich. Der Platz ist knapp, die sanitären Anlagen alt, überall bilden sich Schlangen. Und: Es zieht. Durch die Leventina kann ein eisiger Wind fegen. An diesem Abend freilich friert niemand. Leidenschaft und Kälte vereinen sich zu einem prickelnden Cocktail.
Forza ragazzi
Curva Sud. Platz der Eingefleischten. Über dem Tor, in dem der einheimische Torhüter im ersten und dritten Drittel den Puck hält. Hier ertönen sie zuerst, die Schlachtrufe für die eigenen Jungs und gegen die Anderen. «Forza ragazzi, vinci per noi», gewinnt für uns. Das Spiel ist von Beginn an rau, die Spieler schenken sich nichts. Schon nach 41 Sekunden können sich die Tifosi auf der Curva Sud ein erstes Mal umarmen. 1 : 0. Das Glück währt nur kurz, die Luganesi gleichen aus.
Unterdrückte unter sich
Bianco-blu gegen bianco-neri. Die weiss-blauen aus den Bergen gegen die weiss-schwarzen aus dem Süden. Beide Mannschaften stammen aus dem Tessin, und könnten unterschiedlicher doch nicht sein. Hier die wohlhabenden Luganesi, die derzeitigen Tabellenführer der Nationalliga A. Dort die permanent um ihre Existenz und gegen den Abstieg in die Nationalliga B kämpfenden Bergler. Wegen seinen knappen Finanzen ist der Hockey-Club Ambri-Piotta bei Linksalternativen beliebt. Auf der Curva Sud sind grüne Haare und Palästina Flaggen keine Seltenheit. Man solidarisiert sich mit den Unterdrückten, man ist es ja selber.
Italienisch für Anfänger
In der Valsacia lernt man Italienisch. Eine rüde Sprache freilich, gespickt mit vielen Fluchwörtern, oft nicht jugendfrei. Wüste Beschimpfungen hallen in Richtung der gegnerischen Spieler, der drei Unparteiischen und dem gegnerischen Fanblock. Abgeschirmt durch Plexiglas, Gitterzäune und stämmige Sicherheitsleute.
Ambris Gladiatoren haben das Eis nach jedem Drittel als Führende Verlassen. Die Curva Sud tobt, der Sieg ist greifbar geworden. «Dai, dai!» feuern sie die Stürmer an, die erneut Richtung gegnerisches Tor pirschen. Geh, geh!
La Montanara
Das Spiel dauert nur noch wenige Minuten. Niemand wagt es, zu früh die Lieder des Triumphes anzustimmen. Der Sieg ist nah, und doch noch so fern. Schon zu oft hat der Wind in der Leventina noch kurz vor dem Ziel umgeschlagen. Doch dann ist es soweit. La Montanara. Die Hymne der Bergvölker hallt durch die Ränge. Der Schiedsrichter hat einen Luganesi für eine all zu wüste Geste gegenüber den Zuschauern vom Platz gestellt. Power-Play, Überzahl bis Spielende. Bengalische Fackeln. Die Luft wird rot, der Geruch von Feuerwerk verdrängt den von Rumpunsch und Bratwürsten. Die Einheimischen siegen mit 5 : 2.
Einer kann sich ab dem Triumph nicht freuen. Erst mit vierzig Minuten Verspätung ist der letzte Schlachtenbummler im Bus eingetroffen. Werner flucht.
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