Buochs
   

Mit Bleifuss legal auf der Flugpiste rasen

   
     

Das Wetter war für einen Motorsportanlass denkbar ungeeignet. Die Zuschauer und Fahrer kamen dennoch auf ihre Kosten.

   
     

Samstagmorgen, halb neun auf dem Flugplatz Buochs. Der Regen prasselt auf die Windschutzscheibe. Eisig kalt bläst der Wind um die Ohren. Krampfhaft versuchen einige Standbauer, ihre Zelte zu errichten. Trotz des miesen Wetters beginnen die Aufbauarbeiten für die erste Speedway Trophy 400 in der Schweiz. Nach und nach treffen die Fahrer ein. Bis zum Rennbeginn werden es rund 120 sein.

Bleifuss ganz legal

Herbert Beck steht im Rennoverall vor seinem AMG Mercedes. Er wirkt angespannt. "Der Regen gefällt mir nicht. Es könnte gefährlich werden." Mit seinem Privatwagen richtig Gasgeben. Dies ist das erklärte Ziel vieler Teilnehmer, die aus der ganzen Schweiz anreisen. Marco mit einem Berner-Nummernschild hat bereits Erfahrungen bei ähnlichen Veranstaltungen in Deutschland gesammelt. Den Regen sieht er dank seinem Allrad-Antrieb als Vorteil. Doch: "Es geht nicht um das Gewinnen. Der Spass steht im Vordergrund." Spass und Ehrgeiz müssen auch Marcel und Stefan aus Luzern besitzen. 60 Stunden lang haben sie für diesen Anlass an ihrem Auto geschraubt, doch jetzt sind sie verunsichert: "Wenn es weiterregnet, können wir nicht fahren." Sie taten es aber trotzdem, wie alle anderen auch.

402 Meter in 13 Sekunden

Viertel nach elf. Noch eine Viertelstunde bis zum ersten Training. Peter Wirz, Organisator der Speedway Trophy, beginnt mit dem Fahrerbriefing. Gewinner ist, wer die Viertelmeile in seiner Fahrzeugkategorie als Schnellster bewältigt. In erster Linie zählt die Beschleunigung. Es braucht keine Rennstrategie, keinen Boxenstopp. Die ersten Fahrzeuge starten auf nasser Fahrbahn zum ersten der sechs Trainingsläufe an diesem Tag. Es riecht nach Gummi und überhitzten Kupplungen. Die Wagen rasen auf den ersten 150 Metern drei Autobreiten an den Zuschauern vorbei. Auf dem hinteren Streckenteil sieht und hört man nur noch den Auspuff. Dem vorwiegend männlichen Publikum gefällt es. Überschwängliche Begeisterung kommt diesen Morgen aber nicht auf, dazu ist es schlicht zu kalt. Dafür finden am Seitenrand und auf den Parkplätzen lebhafte Gespräche über Felgen und Tourenzahlen statt.

Prävention einmal anders

Nach den ersten Durchgängen zeigt sich Peter Wirz in doppelter Hinsicht erleichtert. "Bis jetzt gab es keine Zwischenfälle. Und trotz des schlechten Wetters sind viele Fahrer gekommen. Ein Zeichen, dass ein solches Rennen einem Bedürfnis entspricht." Der ehemalige Rennfahrer hofft mit solchen Veranstaltungen auf eine präventive Wirkung. "Wer auf der Piste rast, tut es auf der Strasse nicht mehr." Wirz möchte den Anlass im nächsten Jahr wieder durchführen. Buochs läge dafür ideal.

 
   

Autor: Philipp Hodel