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«Ihr könnt nur gewinnen»

Gestaltet mit euren Ideen den Journalismus neu – nie war die Zeit dafür besser. Diese Botschaft nahmen 43 Absolventinnen und Absolventen der Diplomausbildung Journalismus 2017 – 2019 mit auf den Weg.

Manche hatten an der Diplomfeier im Theaterpavillon vielleicht Durchhalteparolen in der Krise erwartet. Aber Judith Wittwer, Chefredaktorin des Tages-Anzeigers, wie auch Simon Jacoby, Gründer und Chefredaktor vom Städtemagazin tsüri.ch, sehen gerade jetzt enorme Chancen für die Absolventinnen und Absolventen. «Die Verlage stecken in einer Krise, aber der Journalismus nicht. Dafür seid ihr das beste Beispiel», sagte Jacoby.


Er setzt auf das Modell «Civic Media»: Ein Team von sieben Festangestellten entwickelt mit der Community interaktive Schwerpunkte. Und setzt die dann nicht nur multimedial um, sondern auch mit Events, an denen die Leute zusammenkommen. Jacoby will so «modernen Lokaljournalismus machen und einstehen für eine offene, moderne und nachhaltige Gesellschaft».

 

«Wir dürfen auch scheitern»

Viel wirft das Projekt, das vor sieben Jahren mit einer Wordpress-Website anfing, noch nicht ab: Ein Praktikant verdient 1500 Franken, der Chefredaktor 4000 – «nichts für Menschen, die langfristig planen wollen. Und damit perfekt für euch», rief er den Absolventinnen und Absolventen zu. «Dafür probieren wir Spannendes aus. Und dürfen auch mal scheitern». Und mit Blick auf die Tagi-Chefredaktorin sagte er: «Und wir müssen auch keine Dividenden an die Aktionäre auszahlen».


Studienleiter Dominique Strebel nahm den Ball auf: «Tut dieses Dividenden-Korsett deiner Journalistinnen-Seele nicht weh?», fragte er Wittwer. «Auch wir wollen den Journalismus voranbringen», antwortete sie und verwies auf Pläne, 20 Millionen in journalistische Projekte zu investieren. Dazu gehörten neue Stellen, etwa die des «Interactive Designers». Natürlich würden neue Modelle, wie sie tsüri.ch vorantreibt, den Tagi zu kritischen Fragen zwingen, räumte Wittwer ein: «Sind wir in bestimmten Szenen überhaupt zuhause?»

 

«Mit digitalen Werkzeugen Grossartiges schaffen»

«Warum gerade jetzt Journalismus?» Und «warum macht die Arbeit auf euren Redaktionen Spass?», wollte Strebel von beiden wissen. «Weil wir mit den digitalen Werkzeugen Grossartiges schaffen können. Und mit wem ginge das besser als mit euch, den Digital Natives?», sagte die Chefredaktorin zu den Absolventinnen und Absolventen. Und Jacoby: «Nie gab es so viele Möglichkeiten, etwas Neues zu wagen und in Freiheit auszuprobieren. Ihr könnt dabei nur gewinnen.»

 

Judith Wittwer (links), Chefredaktorin des Tages-Anzeigers, und Simon Jacoby, Gründer und Chefredaktor von tsüri.ch im Gespräch mit Studienleiter Dominique Strebel (Mitte).

 

Wie vielfältig Journalismus sein kann, haben die jungen Journalistinnen und Journalisten auch in ihren Diplomarbeiten gezeigt. Sie haben Menschen porträtiert, die trotz härtester Schicksalsschläge nicht aufgeben. Und wir gehen – in einer Multimedia-Reportage – mit vier jungen Zürchern im Ruderboot über den Atlantik. Oder lernen Dani Häusler kennen, einen virtuosen Klarinettisten, der die Schweizer Volksmusik revolutioniert. Wir sind dabei, wenn Wrestler «Skyjumper» durch die Schweiz tourt und zwischen Strohballen seine Gegner niederringt. Und wir verstehen besser, warum Polizei und Club die Gewalt der Hooligans im Zürcher Letzigrund nicht in den Griff kriegen.


Die besten Diplomarbeiten sind unter www.maz.ch/bestofdaj zu finden.



Herzliche Gratulation!

Die Diplomausbildung Journalismus abgeschlossen haben (in Klammern die Redaktionen des Volontariats):

 

 

Delia Bachmann (Salz & Pfeffer), Rebekka Balzarini (CH Media), Stefan Banzer (Liechtensteiner Vaterland), Donatella Bonifazi (RTR), Zoé Chastan (RSO), Lara Christen (Radio Munot), Nina Defuns (RTR), Flurina Dünki (Aargauer Zeitung), Philipp Felber (CH Media), Sarah Fluck (TA), Cedric Fröhlich (BZ), Alain Gfeller (Freier Journalist), Mathias Gottet (Walliser Bote), Jonas Hess (Seetaler Bote), Christian Holzer (20 Minuten), Mirco Kaempf (Radio X), Adrienne Krättli (Radio Südostschweiz), Sevan Keles (Radio Munot), Michael Lehmann (Bieler Tagblatt), Dinah Leuenberger (Migros-Magazin), Lydia Lippuner (Limmattaler Zeitung), Linda Müntener (St. Galler Tagblatt), Anja Muster (TeleBielingue), Susanne Quaderer (Liechtensteiner Vaterland), Raphaela Reichlin (Tele 1), Annina Reusser (Jungfrau Zeitung), Marcel Rohner (Tamedia), Barbara Scherer (Limmatwelle), Pascal Schläpfer (Radio 24), Yann Schlegel (CH Media), David Sele (Liechtensteiner Volksblatt), Giulia Staub (Radio Zürisee), Melissa Steuri (Radio Canal 3), Adrian Uhlmann (Schweizerische Gewerbezeitung), Caspar van de Ven (Radio Pilatus), Gregory von Ballmoos (Tele Top), Sarah Wagner (TVO), Jakob Weber (CH Media), Angela Weiss (Radio Munot), Céline Werdelis (Radio 24), Janick Wetterwald (Freiburger Nachrichten), Adrien Woeffray (Walliser Bote), Perrine Woodtli (St. Galler Tagblatt).

 

 

Schamanenklänge von Alex Porter, Zauberer, Performer und Theatermacher. 2017 starteten die Studierenden im Auftaktkurs «Storytelling» mit ihm in Ihre Ausbildung. Mit seinem Auftritt an der Diplomfeier hat er einen zauberhaften Schlusspunkt gesetzt.

Weitere Bilder der Diplomfeier auf Flickr

Fotos: Silas Zindel