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Wenn Martenstein liest, wird der Abend porno

«Zeit»-Kolumnist Harald Martenstein hat erstmals in der Schweiz eine öffentliche Lesung gehalten. Am MAZ las er Kolumnen aus seinem neuen Buch. Und verriet, wie er es immer wieder schafft, seine Texte mit Witz und Humor zu würzen.

Es war ein geiler Abend. So würden Jugendliche den Abend mit Martenstein beschreiben. Und wenn die Lesung gefloppt hätte? Dann wäre sie schwul gewesen. «Porno» heisst die erste Kolumne, die Martenstein liest. Sie befasst sich mit der Jugendsprache. Der 61-jährige Martenstein kennt sie dank seines 14-jährigen Sohnes. Der belehrt den Vater, dass sich die Jugendsprache wandelt. «Heute sagt man nicht mehr geil. Nur Dreissigjährige sagen geil. Jetzt sagt man, zu etwas Gutem, meistens porno.»

 

Harte Arbeit

 

Ein porno Abend  also. Martenstein kann nicht nur schreiben, er kann auch lesen. Bedächtig, Satz für Satz, mit klarer Stimme und wenigen Handbewegungen liest der Journalist Texte aus seinen Büchern «Die neuen Leiden des alten M.» und «Wachsen Ananas auf Bäumen?».

 

Die Zuschauer – rund 50 – lachen, wenn Martenstein mit ernster Miene seine Texte zum Besten gibt. «Kolumnen schreiben ist harte Arbeit», an manchen arbeite er drei Stunden, an anderen drei Tage. «Manchmal starre ich in den Bildschirm und warte, bis die Idee kommt.»

 

 

Wahr muss es sein

 

Woche für Woche «produziert» Martenstein (wie er das nennt) im «Zeit»-Magazin seine Kolumne – und das seit über zehn Jahren. Auch der «Tagesspiegel» veröffentlich jeden Sonntag eine politische Kolumne von ihm. Ist alles wahr in seinen Texten? Die Idee oder das Erlebte, das einer Kolumne zu Grunde liegt, sei immer wahr, sagt Martenstein. Phantasie oder Fiktion kämen erst beim Schreiben dazu. So stimmt es also auch, dass RTL ihn einmal als Terrorexperte in eine Sendung geladen hat. Was Martenstein Stoff für eine neue Kolumne gab.