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Stagiaires in Auslands-Redaktionen

Aus Dhaka (Bangladesch) berichtet Coralie Wenger

Coralie Wenger hat im Oktober 2008 den Diplomstudiengang Pressefotografie am MAZ abgeschlossen. Seit März 2009 arbeitet Sie als Pressefotografin für das St.Galler Tagblatt. Von Ende Oktober bis Ende Dezember 2009 arbeitet sie im Rahmen des DEZA-Stage als Fotografin bei der englischsprachigen Zeitung The Daily Star in Dhaka Bangladesch.

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26. Oktober 2009

Mit einer kleinen Verspätung landete ich endlich in Dhaka. Den Flughafen wollte ich so schnell wie möglich verlassen, da ich meine Gastgeber nicht warten sollten. Aber dies scheiterte kläglich. Bei der Passkontrolle musste ich eine ganze Stunde anstehen, bis endlich der Officer am Immigrations-Schalter meinem Pass stempelt. Als ich bei der Gepäcksabgabe ankam, warteten dort doch praktisch alle Passagiere des Fluges EK582 auf ihr Gepäck. Da ich über  Dubai flog, war das Flugzeug voll mit Gastarbeitern, die Unmengen an Gepäck mit nach Hause brachten.  Es war mir ein Rätsel wie alle gleichaussehenden Kisten auf dem Rollband von ihren Besitzern wiedergefunden werden sollten. Die Kisten und Pakete stapelten sich nicht nur auf dem Rollband, sondern auch überall  am Boden dazwischen.

Als ich nach einer weiteren Stunde schon fast nicht mehr daran glaubte, in diesem Chaos meinen Rucksack zu finden, und ich mir langsam Sorgen machte, dass die Gastgeber denken könnte, ich hätte es mir anders überlegt mit Bangladesch und wäre zuhause geblieben. Da  erblickte ich endlich mein Gepäck und eilte hinaus. Gleich beim Ausgang stand ein junger Mann mit einem Zettel mit meinem Name darauf. Ich war erleichtert und begrüsste ihn herzlich. Er sprach kein Englisch, gab mir aber zu verstehen, dass ich ihm folgen solle. Nach einem kurzen Telefonat tauchte dann Baki auf. Der Bruder meines Gastgebers Zarkir. Er war so freundlich mich abzuholen da Zarkir gerade auf Geschäftsreise war.Da es zwei Ausgänge gab, wartete er beim einen und der Fahrer beim anderen, und dies seit acht Uhr morgens!!! Jetzt war es bereits elf Uhr. Davor fuhren sie noch eine Stunde zum Flughafen. Ich hatte ein echt schlechtes Gewissen!

Coralie Wenger

27. Oktober 2009

Mein Zuhause für die nächst zwei Monate, liegt im Quartier Hatirpul an der Bhooter Goli Gasse. Bhooter Goli heisst übersetzt die Gasse der Geister. Ich wohne bei Mohammad Zarkir Hossain, seiner Frau Abzu, deren vierjährigen Tochter Monmoyee und der Hausangestellten Joygoon. Sie haben eine schöne 3-Zimmer-Wohnung mit Balkon auf einen hübschen Innenhof. Mein Zimmer ist gross und gemütlich. Die Familie ist unglaublich nett und hat mich gleich als Familienmitglied aufgenommen. Ich darf nichts machen und werde den ganzen Tag umsorgt. Wenn ich am Morgen aufstehe und ins Bad gehe ist mein Bett schon gemacht und das Frühstück steht auch bereit. Es gibt Japatti, Omeletten, frittierte Gemüse, Tee und immer jemanden, der neben mir steht und schaut dass mein Teller gefüllt bleibt.

 Zarkir ist noch immer auf Geschäftsreise; er kommt erst in ein paar Tagen zurück. Deshalb begleitet mich Abzu zum Daily Star.  Wir gehen zu Fuss, ich folge ihr dicht an der Mauer entlang da von beiden Seiten Rickshaws mit Passagieren sich durch die engen Gassen von Hatirpul drängen. Ich versuche mir den Weg zu merken, werde aber abgelenkt von all den Menschen und Geräuschen.  Wir überqueren noch ein paar Strassen mit viel Verkehr und kommen etwa nach zwanzig Minuten beim Daily Star an.

Auf der Redaktion werde ich freundlich von Sharier Khan, dem City Editor begrüsst. Er führt mich durch die Redaktionsräume und stellt mich dem Chefredaktor Mr. Mafuz Anam vor. Ein sehr sympathischer Mann. Er entstammt aus einer angesehenen Familie. Sein Vater war ein bekannter Autor und Politiker. Mahfuz Anam lebte vierzehn Jahre im Ausland, nach der Militärdiktatur kehrte er in seine Heimat zurück und gründete 1991 den Daily Star.  Wieder zurück im Newsroom treffe ich auf Shahnaz, eine Journalistin die ich im September in der Schweiz getroffen habe. Sie war zu Besuch bei Miriam Künzli (Miriam war Volontärin beim Daily Star 2006.

Sie ist hier sehr beliebt und alle fragen mich ob ich Sie kenne. Sie sagen dann ganz stolz, Miriam hätte es so gut gefallen dass sie ein Jahr später zurückkehrte). Ich begleite Shahnaz damals nach Venedig und wir hatten drei super lustige Tage. Erfreut, ein bekanntes Gesicht zu sehen  begrüsste ich sie herzlich.  Als erstes stellte sie mich meinen  Arbeitskollegen, den Fotografen vor. Diese haben ihr Büro in der ehemaligen Dunkelkammer, einem winzigem Häuschen auf dem Dach.  Als sich die Tür öffnet und ich hineinschaute musste ich fast laut loslachen. Genau wie bei mir zuhause auf der Redaktion sassen fünf Fotografen rauchend vor dem Computer.

Chief Photographer Enamul Haque war erfreut mich kennenzulernen, bestellte Tee und machte mich mit den anderen Fotografen bekannt:  Amran Hossain,  Anisur Rahman, Jamil Shawket  und Shafiq Alam. 

Von den sechs Personen in diesem winzigen Raum, ohne Fenster und immer noch nach Chemie riechend, stellte er mir aber nur  fünf vor. Ich fragte  den kleinen  Mann der gleich beim Eingang sass. Ob er auch ein Fotograf sei. Enam antwortete für ihn: “No no, he was the darkroom Assistent.„ Er sagt mir aber nicht worin seine Aufgabe jetzt bestand.  Er muss wohl der Teaboy sein oder so was ähnliches.

Shahnaz stellt mir noch ihre Freundinnen beim Daily Star vor. Es gibt nicht viele Frauen aber die wenigen die es gibt, sind echt cool.  Wir trinken Tee in der kleinen Cafeteria auf dem Dach. Die Journalisten sprechen im Vergleich zu den Fotografen alle sehr gut Englisch. Wir unterhalten uns noch eine Weile, dann ist es auch schon 21 Uhr und Zeit um zu News Editor zu gehen. Er vergibt den Journalisten die Aufträge für den nächsten Tag. Die Angestellten des Daily Star werden dann von dreirädrigen Motoradtaxis, hier CNG (Compressed Natural Gas) genannt, nach Hause gefahren. Zum Glück hatte ich noch die Adresse aufgeschrieben. Mit Hilfe des Journalisten, welcher den selben Heimweg hatte und Dank des CNG- Fahrers fanden wir nach einer kleinen Irrfahrt  durch Hatirpul endlich die Gasse der Geister.

28. Oktober

Wie mit Chief Enam abgemacht, rufe ich ihn um 10 Uhr am nächsten Tag an.  Es ertönt ein eigenartiger Klingenton, eine  Art "Muezzin-Gesang".  Er nimmt erfreut ab. „Hello, you can call Jamil, bye, bye." Jamil sagt, er habe einen Auftrag und werde mich in einer halben Stunden bei mir zuhause abholen. Mit seinem Motorrad machen wir uns auf den Weg.

Das Verkehrschaos in Dhaka ist riesig. Es gibt zu viele Autos und zu wenig Strassen. Von allen Seiten versuchen Fahrzeuge verschiedenen Kalibers sich ihren Weg durch die Strassen zu erkämpfen. Rickshaws, CNG, Autos, Busse, Lastwagen , Motorräder und sogar von Hand gestossene Wagen. Oft viel zu schnell und immer haarscharf an einem Zusammenstoss vorbei.  Aber irgendwie haben die Fahrer, egal ob Rickshaws oder Lastwagenfahrer die Gabe,  bis auf cm abzuschätzen ob es reicht oder nicht.  

Ich halte mich mit beiden Händen fest und hoffe, nicht von zwei Bussen zerquetscht zu werden als Jamil die Luke nutzt um schneller vorwärts zu kommen.
Wir kommen beim ersten Auftrag an. In einer Schule werden Augentest's gemacht. Das Fernsehen ist auch da und sonst ein paar Journalisten von anderen Zeitungen. Wir machen ein paar Fotos von den Kindern die versuchen die Buchstaben auf einer Tafel zu entziffern und gehen weiter.

Da Jamil für heute keine Aufträge mehr hat, macht er mit mir eine kleine Stadtrundfahrt. Vorbei am Parlamentsgebäude,  durch die engen Gassen von Old Dhaka, bis zum Fluss und der angrenzenden Industrie.  Er nimmt mich sogar mit in den Slum gleich am Flussufer, wir fotografieren ein paar Frauen die gerade dabei sind Decken zu besticken. Die Leute bestaunen mich mit grossen Augen und es scharrt sich eine immer grösser werdende Menschen Menge um mich.

Wir fahren weiter. Die Strassen sind voller Müll, es ist laut und ganz dunstig vor lauter Smog. Es gibt soviele Menschen überall, dass es schwer ist, den Überblick zu behalten. Es macht aber unglaublich viel Spass: an jeder Ecke sieht man etwas Spannendes. Sei es die Ziege, die gerade vor einem kleinen Shop halb auf der Strasse geschlachtet wird, oder Frauen in farbigen Saris, die im Strassenbau arbeiten.  
Ich stelle fest, dass es wohl keinen besseren Stadtführer als einen Pressefotografen gibt. Jamil kennt jeden Winkel der Stadt und ist stolz, mir alles zu zeigen.


29. Oktober

Ich bat Shahnaz mit mir einkaufen zu gehen, da ich nichts Passendes zum Anziehen hatte. Sie brachte mich zu Deshal, ein in Bangladesch trendiger Laden mit Kleidern von jungen Designern.  Ich kaufte mir ein paar Salwar Kameez, wie sie hier die meisten Frauen tragen.  
In meinem neuen Dress mache ich mich auf den Weg zur Redaktion.  Ich wunderte mich dass ich nicht gross beachtet wurde von den vielen Menschen auf der Strasse. Ich war erfreut, meine Befürchtungen, ich würde zu sehr auffallen und es würde schwierig  werden fotografieren zu können, haben sich also nicht bestätigt.  Vielleicht halten sie mich ja für einen Albino!

Als ich jedoch in einen kleinen Shop ging um etwas einzukaufen, fragte mich der Verkäufer scheu: „Are you from Pakistan, miss?“ Ich war hoch erfreut das er mich für eine Asiatin hielt und antwortete, nein, ich sei aus der Schweiz. Er strahlte und sagte: „ Switzerland is my favorit country.“

Beim Office wartete Jamil auf mich. Er erzählte mir, dass am Stadtrand von Dhaka in Tongi Ausschreitungen im Gange seien. Die Fabrikarbeiter einer Kleiderfabrik protestieren, da der Besitzer Pleite gegangen sei und die Fabrik geschlossen hätte, ohne die Arbeiter zu bezahlen. Amran sei nach Tongi  gefahren. Wir würden jetzt in den Spital fahren und versuchen ein paar Verletzte zu fotografieren.
Wir fuhren also zum Dhaka Medical Collage Hospital. Als wir eintraten verschlug es mir fast den Atem. Es roch nach Urin und Erbrochenem. Wir gingen einen langen Korridor entlang, überall am Boden lagen kranke Menschen. Jamil erklärte mir, dass sie sich kein Bett leisten könnten, deshalb seien sie hier im Gang stationiert.  Wir erreichten  eine Gittertür, die von einem Polizisten bewacht wurde. Jamil sagte ihm, wir seien vom Daily Star und er liess uns durch. Wir kamen in einen grossen Raum mit Betten. Es war die Männer-Station.  Auch hier war es voll, jedes Bett war belegt mit Patienten und Familienangehörigen.

Auf einem Bett sass ein Mann mit seiner Frau.  Er hatte seinen Kopf und einen Arm eingebunden. Er war ein verwunderter Fabrikarbeiter. Wir begannen zu fotografieren; mit traurigen Augen blickte er in die Kamera.  Es gab noch einen zweiten verletzten Arbeiter, ihn hatte es schlimmer getroffen. Seine Frau und ein Polizist standen neben seinem Bett.  Er hatte Schmerzen und Mühe beim atmen. Wir gingen weiter durch die überfüllten Gänge, es war heiss, stickig und dreckig. Wir kamen zu den Operatsionräumen die aussahen wie ein herunter gekommener Schlachthof. Es stank fürchterlich. Bei manchen Räumen war die Tür geöffnet als ich hineinschaute sah ich gerade wie ein Mann, leblos, nackt und voller Blut auf die Liege gehieft wurde.  Es war ein grauenhafter Anblick.  Ich folgte Jamil und versuchte nicht mehr in die OPS zu schauen. Wir fanden noch eine verstörte Mutter mit ihrem verletzten Sohn und eine Arbeiterin. Sie waren auch in Tongi verletzt worden. Ich fragte mich, wie sie wohl ins Krankenhaus gekommen sind. Da Tongi weit weg ist, dauerte es sicher Stunden, bis sie durch den ganzen Stau im Spital ankamen.

Jamil sprach noch mit ein paar Leuten und wir machten uns auf den Weg nach draussen.  Beim Motorrad angekommen sagt Jamil: „ Now let's have lunch.“  Irgendwie war mir aber nicht so nach Essen und ich überlegte mir, einen Helm zu kaufen.

Als wir zurück auf der Redaktion waren, erzählte ich Shahnaz, dass mich die Leute für eine Pakistanerin hielten. Sie sagte erschrocken: “Oh no, that’s really bad!!! Don`t you know, the Pakistani killed thousands of Bangladeshi during the independent war in the 70s.” Nein, das wusste ich nicht. Hätte mich vielleicht ein wenig mit der Geschichte des Landes befassen sollen. Sie schimpfte weiter mit mir, ich soll gleich klarstellen dass ich keine Pakistanerin sei. Ich versprach es ihr und wir gingen Tee trinken.


30. Oktober

Es ist Freitag, Sonntag für die Bengalen. Ich begleite Abzu und Monmoyee zu Freunden, deren Tochter heute Geburtstag hat. Zu dritt auf einer Rickshaws gedrängt, fahren wir durch die vollgestopften Strassen. Weil niemand zur Arbeit geht, gibt es zwar nicht viel  Verkehr , dafür unendlich viel Menschen, welche die Moschee besuchen. An manchen Orten sind es so viele, dass sie auf der Strasse beten, weil es in der Moschee keinen Platz mehr gibt. Um drei Uhr nachmittags kommen wir bei den Bekannten an. Die Wohnung ist voll mit Leuten. Das Geburtstagskind trägt ein eher kitschiges Kleid und ist ziemlich gestresst und  mit Auspacken der vielen  Geschenke beschäftigt. Es gibt zu Essen, man sitzt, unterhält sich, Leute gehen, andere kommen, im TV läuft ein Hindi-Film. Ich unterhalte mich mit einem Mann; er ist General Manager  in einer  Kleiderfabrik. Sie produzieren  billige Kleider für deutsche Warenhäuser aber auch  teurere amerikanische Marken. Er erklärt mir, dass es zwei verschiedene Arten von Fabriken gibt. Die vom Staat kontrollierten und die ohne Kontrolle, die mehr oder weniger machen was sie wollen. 

Ich unterhalte mich noch mit anderen Personen; fast alle haben irgendeinen Job als Manager oder Assistent Manager in einer Firma, natürlich nur die Männer. Die Frauen haben zwar studiert,  arbeiten meistens aber nicht.  Sie bleiben zu Hause und kümmern sich um das Kind. Natürlich nur in der Mittel- und Oberschicht. In den armen Familien arbeitet jedes Familienmitglied, egal ob Kleinkind oder Grossmutter. Die Mittelschicht hat meistens nur ein Kind, wenn es hoch kommt zwei. Dieses Kind ist das "Ein und Alles" der Familie. Sie verwöhnen es bis zum geht nicht mehr und schicken es auf die beste Privatschule. Da es in Dhaka kaum Spielplätze gibt und es für ihre Kinder zu gefährlich ist auf der Strasse, verbringen die reichen  Kids ihre Freizeit oft zu Hause. Sie sind oft etwas rundlich und gelangweilt weil sie zu wenig Bewegung haben. Da sie meist keine Geschwister haben, fällt es ihnen auch schwer zu teilen und mit anderen Kinder zu spielen.
Die Kinder auf der Strasse sind das pure Gegenteil. Sie sind unglaublich smart und geschickt. Ihr Leben ist hart und sie müssen sehr früh Erwachsen werden. Die armen Familien in der Stadt und auf dem Land haben oft bis zu fünf oder sechs  Kinder.  
Die Kluft zwischen Arm und Reich macht einem schon nachdenklich. Es sind wie zwei Welten, die parallel neben einander existieren und praktisch nichts miteinander zu tun haben.


1. November

Ausflug mit dem Boss!
Heute nahm mich der Chief of Photographie, Enam, mit auf einen kleinen Ausflug an den Stadtrand von Dhaka. Als Chief hat er das Privileg ein Auto fahren zu dürfe.  Die anderen Fotografen fahren alle einen Töff. Enam ist aber auf seinen Dienstwagen  mächtig stolz und hegt und pflegt ihn wie sein eigenes. Und dann,  wie sollte es anders sein,  stecken wir im Stau fest! Enam nutzt diese Gelegenheit mir ein Loch in den Bauch zu fragen.  Er fragt, wie das jetzt genau mit meinem "Boyfriend" sei. Seit ich ihm erzählt habe, dass ich einen Freund habe und sogar mit ihm zusammenlebe, interessiert ihn das Thema brennend. Ich versuche ihm zu erklären:
„Same than marriage but without contract, you understand?
"Same same, no difference?"
"Yes, no difference!!"
Ah!!!!
Langes schweigen, dann: „Arranged marriage very good! Very exciting!!! Me and my wife very happy!!!!!
Ok!!!!
Fünf Minuten später klingelt sein Handy. Seine Frau ist dran. Es folgt ein Gespräch auf Bengali mit viel na na na(nein) und "I thold you" und vieles was ich nicht verstehe. Aber irgendwie tönt das Gespräch  nicht so happy!

Wir sind nun am Stadtrand von Dhaka angekommen und fahren  einem Fluss entlang durch ein sehr schönes Gebiet namens Ashulia.  Es ist das Naherholungsgebiet für die reiche Bevölkerung Dhakas.  Es gibt viele kleine Restaurants die mit Bambusstecken auf's Wasser gebaut wurden. Wie winzige Bungalows, die miteinander verbunden sind. Enam erklärt mir: „ Girls and Boys come here on the weekend and hide here in the littel hats. And enjoy!!!!“   und lacht dabei verschmitzt als hätte er mir gerade etwas sehr unanständiges erzählt.
Nach einer viertelstündiger Fahrt sind wir wieder in der Stadt angelangt.
Ich frage den Boss  noch über seine Familie aus. Er hat zwei Kinder im Alter von siebzehn und sieben. Wie lange er denn schon verheiratet sei?
Enam:  “When I gotta marriage, I was 36 and my wife 20. Thats 11 years ago.”
Ich: “What, your wife is 16 years younger than you????.”
Er entgegnet freundestrahlend: „Yes, very good, no?“
Ich: “yes, very good for you!!!! “
Kein Wunder findet er "arranged marriage" the best system in the world!

2. November
Some Bangladeshi like me very much.

4. November

Heute habe ich einen Auftrag mit Shahnaz. Eine Pressekonferenz. Shahnaz holt mich mit ihrem Fahrer bei der Redaktion ab. Ich bin zu früh und Shahnaz zu spät. Sie ruft mich an, sie stecke im Stau fest. Ich warte eine dreiviertel Stunde. Endlich kommt sie. Ich hoffe, die Pressekonferenzen dauern hier länger wie bei uns und steige ein.  Als ich ihr erzähle, ich sei zu früh  gewesen, schimpft sie mit mir:
“Don`t you know in Bangladesh we never come early. You always have to be late. If you late I wait no problem. I wait for you.” Ich versprach ihr mir Mühe zu geben, das nächste Mal.

Wir fahren los und stehen wieder im Stau. Der Verkehr ist echt nervtötend in Dhaka. Viele meiner Kollegen beim Daily Star verbringen jeden Tag bis zu vier Stunden im Stau. Und das bei einem Arbeitsweg von nur 8km.
Es ist ziemlich heiss in Shahnaz Auto. Das Gas sei fast leer, erklärt sie, deshalb funktioniere die AC nicht. Wie 95% aller Autos in Bangladesch fährt auch das Auto von Shahnaz's Vaters mit Gas. Bangladesch verfügt über Naturgas.
Shanhnaz nervt sich über den Verkehr und sagt sie würde es nicht mehr ertragen, es seien Grund dieses Land zu verlassen. Ich kann sie verstehen!


6. November

In Bangladesch leben immer noch unglaubliche 84% der 156 Mio. Bangladeschi mit weniger als zwei Dollar am Tag.  Die Armut ist riesig. Dhaka hat offiziell 15 Mio. Einwohner. Es sind aber viel mehr, sagt man mir. Wie viele, weiss niemand so genau. Es gibt unzählige Slums auf jedem unbebauten Stück Land oder entlang der Bahngeleise. 

Heute nimmt mich Jamil mit in einen dieser  Slums in Dhaka. Er will dort ein paar Bilder machen zum Thema Wasserversorgung. Wir parkieren das Motorrad  am Rande des Slums. Ich frage ihn, ob er keine Angst hat, dass sein Töff geklaut wird. Nein, dies sei kein Problem.
Der Slum ist unendlich gross .Ich kann über all die dicht aneinander gebauten Hütten sehen, kann aber das Ende nicht erkennen. Wir gehen zwischen den Hütten aus Wellblech, Bambus und manchmal nur mit Blachen bedeckten Unterständen hindurch. Die Stimmung ist sehr friedlich. Kinder spielen  in den engen Gassen und ältere Menschen sitzen vor ihren Hütten. Auch hier gibt es kleine Shops, Coiffeure und andere Geschäfte.

Jamil läuft ziemlich schnell, er will wohl vermeiden dass sich eine zu grosse Menschenmenge um uns schart. Bis jetzt folgen uns nur ein paar Kinder, die mich mit grossen Augen anschauen. Wir erreichen einen Brunnen, ein paar Frauen sind gerade dabei Wasser in Plastikkanister zu füllen. Daneben waschen sich ein Junge in seinem Lungi und ein kleiner Bub. Jamil sagt den Frauen er sei vom Daily Star und sie sollen weiter Wasser abfüllen. Er fotografiert sie und sie nehmen es sehr ernst und füllen eifrig weiter Wasser in ihre kleinen Kanister.

Gleich neben der Wasserstelle beginnt die Müllhalde, es ist ziemlich verdreckt und Hühner suchen etwas Essbares im Müll. Eine Frau kommt aus ihrer Hütte, sieht mich und beginnt herzhaft zu strahlen und will mich zu ihr in die Hütte einladen.  Ich habe mich unterdessen mit den Kindern angefreundet, habe allen die Hand geschüttelt und auf Bangla gefragt wie sie heissen. Es kommen immer mehr Leute und lächeln mich freundlich an. Jamil sind es langsam zu viele und wir gehen weiter.  In einem kleinen Shop trinken wir einen Tee und Jamil kauft sich eine Zigarette. Die Kinder, die uns gefolgt sind, etwa zwanzig, stehen um uns herum und schauen mich an, als könnten sie es immer noch nicht fassen, was sie hier sehen. Wir gehen zurück zum Motorrad und fahren los. Die Kinder begleiten uns und winken mir zu, bis sie mich nicht mehr sehen können.

7. November

Es ist Samstag, und ich habe mich mit Jessica, der Australischen Praktikantin beim Daily Star, verabredet. Wir wollen eine Fotoausstellung im National Museum besuchen. Im Gegensatz zu unseren Kollegen beim Daily Star, die nur freitags frei haben, nehmen wir zwei Tage frei.  Freitag und Samstag. Dies ist echt ein Luxus, welcher in Bangladesch nur die Staatsangestellten haben.  
Die Ausstellung von Fotograf Naib Uddin ist sehr eindrücklich. Er ist ein er der Pioniere für Fotografie in Bangladesch.  Die Fotografien wurden zwischen 1947 bis nach dem Unabhängigkeitskrieg in 1971 aufgenommen. Uddin's Interesse galt vor allem der Landbevölkerung. Er porträtierte Fischer und einfache Bauern.  Sehr beeindruckend war aber, dass es Bilder von heute sein könnten, da vieles noch genau so aussieht wie vor über fünfzig Jahren.

Nach der Ausstellung assen wir etwas in einem kleinen Restaurant.  Die Kellner trauten ihren Augen kaum als wir eintraten. Frauen sieht man nicht oft in Restaurants, und wenn, dann in Männlicher Begleitung. Geschweige denn gleich zwei  Ausländerinnen. Eilig räumten sie ein Tisch frei  und bewirteten uns, als wären wir die Queen  von England.  Wir gaben ihnen ein grosszügiges Trinkgeld, welches sie zuerst nicht annehmen wollten.  Die Freundlichkeit der Menschen überrascht einem hier jeden Tag auf's Neue.

10. November

Heute hatte ich den Auftrag, eine Demonstration zu fotografieren.  Jamil erklärte mir den Weg am Telefon. Ich solle einfach bis zu der Kreuzung gehen, die wir vor ein paar Tagen überquerten, und dann werde ich schon  sehen. Sonst soll ich ihn anrufen.  Ich nahm die Rickshaws bis zum Pressclub und lief bis zur Kreuzung. Als ich aber nirgends eine Demonstration sehen konnte, rief ich Jamil an. In diesem Moment kamen etwa fünfzig  Frauen mit Transparenten  laut schreiend die Strasse entlang. Ich rannte los. Kurz darauf blieben sie am Strassenrand stehen und es folgten Reden von den Verantwortlichen, die aber meist Männer waren.

Nach etwa zehn Minuten folgte eine weitere Gruppe mit derselben Anzahl an Personen, aber ausschliesslich Männer. Es gab noch andere Fotografen; sie beobachten mich, waren aber zu scheu um mich anzusprechen.  Ein paar Demonstranten fragten mich, was ich hier mache. Ich  erklärte ihnen, dass ich vom Daily Star sei, sie waren sehr beeindruckt. Nach einer guten halben Stunde waren die Ansprachen  zu Ende.  Die Fotografen wollten noch die ganze Gruppe zusammen fotografieren.  Die wichtigen Personen zuvorderst. Sie stellten sich der Reihe nach auf und demonstrierten  einmal die Strasse herunter und wieder hinauf. Dabei gaben sie Vollgas, schrien noch lauter und streckten wütend die Fäuste in die Höhe.  Wir Fotografen gingen rückwärts die Strasse hinunter und knipsten wie wild. Das war echt lustig. Dem News Editor gefielen die Bilder, und sie wurden am nächsten Tag publiziert.

11. November

Ich bin krank. Habe mir aber keine Magenverstimmung eingefangen,  sondern die saisonale Erkältungsgrippe.  Viele Leute sind zurzeit krank. wahrscheinlich hat mich jemand vom Daily Star angesteckt.  Mit Fieber liege ich im Bett.  Zum Glück habe ich mir vor ein paar Tagen auf dem Markt die ganze dritte (DVD) Staffel der US Serie WEEDS gekauft.  Für 200 Dhaka (3.- Fr), nicht original versteht sich. Funktionierte aber einwandfrei.

13. November

Ich bin fast wieder gesund und froh als Shahnaz anruft und mit mir eine Rundfahrt durch die Stadt machen will.  Wir besuchen den Campus der  Universität of Dhaka.  Shahnaz studierte hier fünf Jahre Journalismus. Es ist die grösste Universität im Lande.  Die Gebäude sind ziemlich heruntergekommen und überall liegt Abfall. Ansonsten ist es ein friedlicher Ort mit vielen jungen Leuten, die in kleinen Gruppen zusammen sitzen und sich unterhalten.

Wir fahren weiter zum Sprachdenkmal Central Shaheed Minar .  Als ich die Tür öffne und aus dem Auto von Shahnaz's Vater, ein eher bonziges Auto stieg, trat ich fast auf einen etwa sieben jährigen Jungen. Er lag  seitlich zum Denkmal schauend  am Boden, und ich konnte ihm direkt in sein Hirn sehen.  Sogar für Shahnaz  war der Anblick zu krass und sie drehte sich zur Seite. Ich starrte entsetzt weiter auf den Jungen, bis ich zu realisieren begann, was ich hier sah. Dem Jungen fehlte die komplette Haut der rechten hinteren Gesichtshälfte. Er hatte kein Ohr mehr und alles war voller Eiter und Geschwüren.  Auch ich schaute  weg und wusste nicht was ich tun sollte.

Ich fragte Shahnaz, sie sagte, dass die Eltern ihn wohl extra so hier liegen lassen um zu  betteln.  Ich wusste dass sie Recht hatte.  Immer noch schockiert gab ich ihm etwas Geld und wir gingen zum Denkmal.  der Platz war ziemlich verdreckt und Shahnaz war verärgert deswegen und ich war nicht mehr in der Stimmung irgendetwas anzuschauen. So gingen wir schnell wieder. Als wir  zurück zum Auto kamen, war der Junge verschwunden. Nur seine grünen Flip Flops waren noch da. Wir schaute uns um, er war aber wie vom Erdboden verschluckt.“ I hope, he was just  an illusion“ sagte ich. „I hope so too“, sagte Shahnaz und wir fuhren weiter zum Lalbagh Ford.


15. November

Mein Boss Enam und sein Stellvertreter Jamil nahmen mich mit zu einem wichtigem Meeting.  Die Sitzung fand bei  der Organisation JATRI (Journalism Training & Research Initative)statt. Als wir um elf eintrafen waren wir die ersten. Jamil Ahmed, Head of Program von JATRI, führt mich durch die Räumlichkeiten und erzählt mir dass sie eine Art Journalistenschule aufbauen möchten.  Das Projekt wird von Us-Aid gesponsert.  Zum heutigen Meeting  waren alles Pressefotografen eingeladen,  von verschiedenen Zeitungen in Dhaka. Davon gibt es einige. Langsam kamen die restlichen Gäste und wir setzten uns in ein Sitzungszimmer. Es waren fünfzehn Fotografen anwesend,  die restlichen fünf Personen waren von JATRI.  Jeder stellte sich kurz vor und die Diskussion wurde eröffnet. Da Bengali gesprochen wurde, übersetzte eine Mitarbeiterin von Jatri für mich.

Ich war überrascht,  wie ähnlich ihre Probleme zu den meinen zu Hause auf der Redaktion sind. Auch hier wählte der New Editor (Blattmacher) die Bilder aus. Ohne Absprache mit dem  Fotografen. Text ist wichtiger als das Bild, und die Arbeit der Fotografen wird oft nicht geschätzt.  Die Diskussion dauerte etwa zwei Stunden. Danach gab es Mittagessen.

Ich unterhielt mich mit Pavel Rahman von der Agentur AP. Ein sehr guter und interessanter Fotograf. In den letzten Tagen habe ich schon ein paar Fotografen kennengelehrt, alles sehr nette und engagierte Leute. Bin echt positiv überrascht über die Fotografie in Bangladesch.

 

15. November 2009

Auf der Redaktion herrscht eine ziemlich entspannte Stimmung. Wenn ich nicht gerade im "Fotografen-Kämmerchen" am Bilder bearbeiten bin, verbringe ich die meiste Zeit in der Kantine oder im Newsroom und unterhalte mich mit den Journalisten. Die ganze Redaktion samt Layout und Korrektorat arbeitet in diesem Raum. Immer um etwa 19 Uhr wird eine Pause eingelegt und der News Editor, der Chef Reporter, ein paar Reporter und einige Jungs vom Korrektorat spielen ein Computer Game gegeneinander. Irgendein Game mit viel Geballer, wo man sich gegenseitig abknallt. Dabei haben sie den Ton voll aufgedreht. Ziemlich lustig die ganze Situation.

Die Cafeteria auf dem Dach ist jedoch das Herzstück der Redaktion. Sie wird von sechs Jungs geführt  im Alter von Fünfzehen bis zwanzig. Da die Kantine täglich geöffnet ist, leben sie hier auf dem Dach. Sie arbeiten bis die letzten Redaktoren gegangen sind, schauen etwas TV in der Küche und legen sich dann zwischen den Stühlen am Boden schlafen. Am nächsten Tag um neun geht es wieder los mit vorbereiten und um 13 Uhr kommen die ersten Redaktoren zum Mittagessen. Die Jungs sind immer gutgelaunt und das Essen ist auch sehr gut.

Diese Cafeteria ist so ziemlich das Gegenteil der Mensa beim Tagblatt. Die wird eher von älteren Damen geführt, die nie lachen und das Essen ist meist ungeniessbar. Als ich dies den Jungs erzähle, sind sie erfreut und schlagen mir vor, ich könnte sie ja mit den alten Tanten in meiner Zeitung austauschen. Würde ich natürlich sofort machen wenn ich könnte!


17. November 2009
Heute gehe ich für vier Tage nach Sylhet. Ich begleite Farid, ein Mitarbeiter der Deza. Wir treffen uns um 11 Uhr auf der Botschaft. Ein Fahrer bringt uns in einem sehr schicken Auto zum Flughafen. Ausnahmsweise hat es mal keinen Stau, und wir erreichen etwas zu früh den Flughafen. Wir trinken Tee in der Wartehalle und Farid erzählt mir, er sei noch nicht lange beim Deza. Vorher habe er zehn Jahre bei Oxfam gearbeitet. Für Oxfam war er in Sri Lanka, Indonesien und Burma stationiert.  Mit einer halben Stunde Verspätung kann es endlich losgehen. Vor dem Einsteigen muss jeder Passagier nochmals auf sein Gepäck zeigen, dass vor dem Flieger am Boden liegt.

Das Flugzeug ist sehr klein und ziemlich heruntergekommen. Nach einem turbulenten Flug von etwa 40 min. bin ich froh, als wir in Sylhet der Hauptstadt des Sylhet Division landen. Beim Ausgang werden wir schon erwartet. Ein Fahrer namens Exhibition lädt unser Gepäck in einen grossen Geländewagen. Exhibition  ist Bengale hat aber Tribal-Wurzeln. Es gibt etwa eine Million Tribal-People in Bangladesch. Sie leben in den Bergregionen im Norden von Mymensingh in Sylhet und im Südosten des Landes in Chittagong. Sie sehen ganz anders aus als die Bangladeshis, Exhibition könnte ein Nepalese sein.

Die im Chittagong lebenden Tribal-People gleichen mehr den Südostasiaten. Wir fahren durch eine wunderschöne Landschaft bis nach Sunamganj, entlang den Feuchtgebieten, in Bangladesch Haor genannt. Die Haor's stehen während des Monsuns Zeit komplett unter Wasser. Im Winter in der Trockenzeit ist der Haor ausgetrocknet und es wird Reis angepflanzt.

18. November 2009
Am nächsten Tag ging es um acht Uhr morgens los. Mit einem Motorboot und einem Mitarbeiter der Organisation  IUCN machten wir uns auf den Weg in Richtung Tanguar Haor. Der Tanguar Haor liegt im Distrikt von Sunamganj im Nord-Osten von Bangladesch und grenzt an Indien. Tanguar Haor ist ein einzigartiges Ökosystem mit nationaler und internationaler Bedeutung. Der Haor weitet sich über 10`000 Hektare aus und ist das zuhause für über 40`000 Menschen in 46 Dörfern.

 

Tanguar Haor wurde im Jahr 2000 zur Ramsar Site-Wetland erklärt und wird seither geschützt. Das Deza ist besonders aktiv in diesem Haor. Da die Bevölkerung hier besonders arm ist und der Haor von der Fischindustrie in der Vergangenheit erheblich zerstört worden ist. Wir fahren durch eine wunderbare Landschaft. Nach drei Wochen Dhaka ist die Stille und die frische Luft ein Luxus. Die Dörfer sind etwas erhöht ins Wasser gebaut, wie kleine Inseln.

Wir begegnen vielen Fischern in kleinen Booten und ganzen Vogelschwärmen die hier über wintern. Nach etwa eineinhalb Stunden erreichen wir ein kleines Dorf. Wir steigen aus und in wenigen Sekunden bin ich umringt von Kindern. Sie schauen mich an und beginnen zu strahlen, als hätten sie gerade im Lotto gewonnen. 

Ich bin zutiefst berührt und mache mir Vorwürfe, dass ich keine Geschenke mitgebracht habe. Die Erwachsenen sitzen gerade in der Mitte des Dorfes zusammen und ein Meeting der Organisation IUCN ist im Gange. Farid setzt sich dazu. Ich werde von den Kindern durchs Dorf geführt. Es besteht aus etwa zwanzig Hütten und ein paar Unterständen für Kühe und Hühner. Die Insel ist winzig, rundherum sieht man nichts anderes als Wasser. Ganz in der Ferne sieht man Gebirge, "dies sei schon Indien" erklärt man mir.

Nach etwa einer Stunde müssen wir leider schon wieder weiter, da wir noch drei weitere Dörfer besichtigen wollen  und  der Weg weit ist. Das ganze Dorf begleitet uns zum Boot und winkt zum Abschied. Wir fahren weiter durch die endlose Weite des Haors. Die nächste Insel ist grösser und es gibt sogar einen Markt im Dorf. Auch hier ist ein Treffen im Gange. Die Bewohner vor allem die Frauen sind damit beschäftigt die kleinen Gärten vor ihren Hütten zu bepflanzen. Da gerade die Trockenzeit begonnen hat.

Bei der Sitzung unter einem grossen Baum am Ende der Insel, sind jedoch keine Frauen anwesend. Farid erzählt mir auf dem Rückweg zum Boot,  er habe sich darüber beklagt, und habe den Männern erklärt, es sei wichtig, dass auch Frauen an den regelmässigen Schulungen der Organisation teilnehmen würden. Die Männer hätten jedoch nur geantwortet, die Frauen hätten keine Zeit für solche Sachen und wieso er unbedingt Frauen dabei haben wolle.

Auf der nächsten Insel ist gerade eine Abstimmung im Gange. Die gesamte Dorfgemeinschaft hat sich auf dem Dorfplatz versammelt. Die Kandidaten stehen der Reihe nach aufgestellt nebeneinander und haben ein Blatt Papier um den Hals gehängt mit verschiedenen Symbolen darauf. Der eine einen Schlüssel, der andere ein Auto usw. Ich verstehe nicht ganz, was hier vor sich geht und frage Farid. Er erklärt mir dass die Menschen hier nicht lesen und schreiben können. Deshalb sei jeder Kandidat ein Symbol.

Die Einwohner werden einzeln aufgerufen und bahnen sich einen Weg durch die Menge auf eine Art Bühne.  Ich fotografiere eine der wenigen Frauen, die zur Wahl gekommen sind, in dem mit Tüchern abgetrennten Wahlbereich. Sie hat einen Stempel in der Hand und ein Blatt vor sich, wo all die verschiedenen Symbole aufgelistet sind. Wir werden gebeten, uns zu setzten, man organisiert ein paar Stühle und bringt uns Süssigkeiten.

Farid spricht mit ein paar Verantwortlichen des Dorfes. Als wir aufbrechen, geschieht etwas Eigenartiges. Die gesamte Dorfgemeinschaft folgt uns schweigend zum Boot. Beim Boot bleiben sie stehen und schauen neugierig zu wie wir ins Boot steigen und losfahren. Mir fällt nichts Gescheiteres ein als zu winken. Die gesamten Anwesenden, keine Ahnung wie viele Leute, aber sehr viele, winken zurück. Ich liebe dieses Land!!!

19. November 2009

Auch heute besuchen wir einen Haor. Exhibition der Fahrer wartet schon auf uns vor dem Guesthouse. Wir laden noch ein paar Mitarbeiter der ebenfalls Schweizer Organisation Intercooperation, die sich vor allem auf Landschaftsprojekte spezialisiert hat. Wir fahren etwa eine Stunde und besteigen dann ein Fischerboot. Wir tuckern los in die noch immer neblige Morgenstimmung. Überall sind Fischer daran Netze aus dem Wasser zu ziehen.

An manchen Stellen ist das Wasser schon so nieder,  dass der Bootsmann den Motor abstellen muss und das Boot von Hand durch das etwa hüfthohe Wasser stösst. Ohne den Motor ist es so still, dass es schon fast unheimlich ist. Der Haor wird in wenigen Wochen ganz ausgetrocknet sein, und überall werden Reisfelder angelegt. Wir wechseln nochmal auf ein noch kleineres Boot und fahren weiter durch schmale Kanäle. Bis wir eine kleine idyllische Insel erreichen. Auch hier ist eine Schulung im Gange.

Zu meiner Überraschung sind hier Frauen in der Überzahl. Sie diskutieren engagiert mit und schildern ihre Probleme während der Monsun-Zeiten. Sie beschliessen in den nächsten Jahren 20`000 Bäume zu pflanzen, die das Dorf vor Überschwemmungen schützten sollen. Zurück auf dem Boot essen wir einen paar Snacks und fahren weiter.

Nach etwa einer halben Stunde erreichen wir ein etwas grösseres Dorf. Wir gehen durch die schmalen Gassen zwischen den Hütten bis zu einem grossen Platz. Dort stehen und sitzen dicht aneinandergedrängt etwa zweihundert Personen von jung bis alt und schauen auf eine bunt geschmückte Bühne. Wir sind die Ehrengäste und werden ganz vorne die Stühle gesetzt. Jemand gibt Farid ein Mikrofon und einer nach dem anderen stellt sich vor.

Ich hoffe jemand stellt mich vor, mein Sitznachbar streckt mir aber lächelnd das Mikrofon entgegen. Auf Englisch stelle ich mich vor. Die Leute starren mich fragend an. Das ist echt peinlich. Schnell stammle ich ein paar Wörter in Bangla uns setze mich schnell wieder hin. Das Theater beginnt. Es wird viel gesungen, getrommelt und getanzt. Farid erklärt mir, dieses Theater sei auch vom Deza unterstützt. Die Theatergruppe reise von Dorf zu Dorf und lehre die Menschen wie sie sich bei Überschwemmungen zu verhalten hätten.

Leider  müssen wir schon bald wieder gehen, was echt schade ist. Ich hätte das Theater gerne bis zum Schluss gesehen. Es war aber schon spät und wir hatten einen weiten Weg zurück. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir das Auto.  Ich frage Exhibition ob er seit neun Uhr morgens hier gewartet hätte. Er sagte, es sei zu weit um zurückzufahren. Er hätte etwas geschlafen und mit ein paar Leuten gesprochen.

20. November 2009

Am nächsten Tag geht es auch schon wieder zurück in die Stadt. Um zwei Uhr erreichen wir nach einem, zum Glück turbulenten freien Flug Dhaka. Mit einem CNG fahre ich nach Hartirpul. Ich freue mich auf den Abend, da ich bei David, einem englischen Journalisten, der auch beim Daily Star arbeitet und seit sechs Jahren in Dhaka lebt, zum Znacht eingeladen bin.

David ist mit einer Bangladescherin verheiratet und hat zwei Kinder. Shahnaz, ihre Schwester, die ebenfalls mit einem Engländer verheiratet ist, und Jessica, die australische Volontärin sind auch eingeladen. Als ich endlich vor dem richtigen Tor stand, etwa eine Stunde zu spät, kommt gerade Shahnaz mit ihrer Familie, auch sie sind zu spät wegen dem Stau. David begrüsst uns und führt uns in den oberen Stock des Hauses.

Er stellt uns seine Frau Sara Hossain vor und seine zwei Kinder. Es gibt Snacks und Getränke. Als ich Jessica und Shahnaz für eine Zigarette nach draussen begleite, erzählt uns Shahnaz, dass Sara aus einer sehr bekannten Familie komme. Ihr Vater Dr. Kamal Hossain, der hier im Haus im unteren Stock wohne, hätte die Verfassung Bangladeschs geschrieben.  Ausnahmsweise schimpfe ich mal mit Shahnaz. Das hätte sie mir auch früher erzählen können. Wir gehen wieder hinein. Sara erzählt uns von ihrer Arbeit am Gericht. Sie ist Anwältin und setzt sich vor allem für Menschenrechte ein. Eine sehr spannende und intelligente Frau.

Später stösst noch Manik dazu, auch ein Reporter vom Daily Star.  Wir setzten und an den Tisch und es wird ein köstliches Mahl aufgetischt, alles selbstgekocht von Sara. Gerade als wir zu essen beginnen wollen fällt der Strom aus. Dies passiert fast täglich in Dhaka. Im Sommer sogar für Stunden. Manik hat sein Handy mit integrierter Taschenlampe hervorgeholt und gibt uns Licht. Es werden Kerzen angezündet und wir essen weiter. Es gibt noch Dessert und Kaffe. Der Abend geht schnell vorbei und um zwölf ist es Zeit aufzubrechen. Zuhause werde ich schon von Abzu erwartet.  Sie empfängt mich mit den Worten: „You went to Sara Hossains house.“ Sie habe es von Shahnaz's Bruder erfahren. Sie ist ganz ausser sich und kann es kaum fassen.


 22. November 2009

Wie fast alle Einwohner Dhakas bewege auch ich mich mit einer Rickshaw vorwärts. Es gibt um die 600`000 Rickshaw-Wallahs in Dhaka. Es sind alles Männer bis ins hohe Alter und sie tragen alle Lungis. Obwohl sie mit ihrem billigen Transport eine wichtige Funktion im Alltag der Bangladeshis erfüllen. Geniessen sie kein grosses Ansehen in der Gesellschaft und die Passagiere versuchen den Preis aufs Minimum zu drücken. Manchmal quetschen sich bis zu vier Leute auf eine Rickshaw.

Die Wallahs besitzen oftmals keine eigene Rickshaw und müssen eine mieten. Sie verdienen sehr wenig, es recht gerade für eine Hütte im Slum und um die Familie zu ernähren. Die Wallahs sind meistes nett und hilfsbereit. Ich verhandle nur um den Preis, wenn sie viel zu viel verlangen, was selten vorkommt. Ihr Alltag ist wirklich hart, sie arbeiten bis spät in die Nacht und sind täglich dem Smog ausgesetzt. Die Rickshaws sind nicht auf allen Strassen zugelassen.

An den jeweiligen Kreuzungen steht ein Verkehrspolizist und hält die Wallahs an. Mehr als einmal ist es mir jedoch passiert, dass der Wallah den Polizisten überreden konnte, uns durchzulassen, weil er einen Spezial-Passagier (mich) transportiere, und der Passagier es sehr eilig habe, was dann aber immer ziemlich gefährlich endete, vor allem, wenn der Wallahs sich zwischen zwei Bussen hindurch quetschen wollte. Mein Bangla reicht unterdessen aus, um den Wallah die Richtung zu weisen. Wenn ich aber selbst nicht weiss wohin, ist das Handy eine wertvolle Hilfe. Da ich oft jemanden treffe, oder besuche, rufe ich diese Person an und gebe ihm den Fahrer. Der erklärt ihm dann den Weg. Oft sind sie mir auch behilflich, wenn ich eine bestimmte Hausnummer nicht finden kann. Sie fragen dann Leute auf der Strasse, bis wir beim richtigen Haus angekommen sind. 

Als ich mich vor ein paar Tagen mit einem Schweizer unterhalten habe, und ihm erzählte wie hilfsbereit hier die Rickhaw-Wallah im Vergleich zu Indien seien, war er überrascht, und sagte, er müsse immer selber nach dem Weg fragen. Die seien wohl nur zu ausländischen Frauen so hilfsbereit. Ich wiedersprach ihm und sagte, vielleicht liege es auch daran, dass er in Gulshan im Bonzenquatier von Dhaka wohne, wo die meisten Ausländer und die Wallahs nicht so nett seien.

24. November 2009

Heute nahm mich Amran mit auf den Viehmarkt. Er erklärt mir, bald seien die Eid-Feiertage. Ein Opferfest, an dem  es Brauch ist, dass jede Familie ein oder mehrere Stiere schlachtet,  je nach Einkommen und Status. Auf seinem Motorrad fahren wir zum grössten Viehmarkt der Stadt.  Als wir ankommen, schärft mir Arman ein, ich müsse ihm immer folgen, wenn er in diese Richtung gehe, müsse ich auch in diese Richtung gehen. Ich verspreche es ihm und wir machen uns auf den Weg ins Getümmel. Der Markt ist riesig und voll mit Rindern und Stieren in allen Grössen, es gibt sogar ein paar Kamele.

Alle paar Minuten fahren Lastwagen auf das Gelände mit noch mehr Rindern. Es herrscht ein wirres Treiben, immer wieder rennt uns ein Rind entgegen und sein Besitzer hinterher. Arman macht sich auf die Suche nach dem grössten  Stier des Marktes. Er ist nicht schwer zu finden,  da das Vieh umringt wird von neugierigen Marktbesuchern. Es ist sogar ein Polizist darunter der ganz fasziniert ist von dem riesen Stier und ihn von Zeit zu Zeit zärtlich streichelt.

Ich bin froh mal nicht die Hauptattraktion zu sein und begutachte ebenfalls das Tier. Für unsere Verhältnisse ist er gar nicht so gross, hier sind die Kühe jedoch einiges kleiner. Amran hat inzwischen begonnen den Stier von allen Seiten zu fotografieren. Er weist den Besitzer sogar an, das Vieh zum aufstehen zu bewegen, was gar nicht so einfach ist. Mit Hilfe der Zuschauer und lauter Zurufen steht der Stier jedoch auf. Es wird langsam eng, da nun auch das Fernsehen eingetroffen ist, und beginnt zu filmen. Amran hat genug, und wir quetschen uns durch die Menge nach draussen. Wir treffen auf Pavel von AP und andere Pressefotografen. 

Obwohl Dhaka eine riesen Stadt ist trifft man hier immer die gleichen Leute. Fast wie in St. Gallen. Wir unterhalten uns ein wenig und gehen zusammen weiter. Bis Amran eine winzige Kuh entdeckt. Nach einer kurzen Unterhaltung mit dem Besitzer erklärt er mir, diese Kuh sei sechs Jahre alt und komme aus Bhutan. Ich kann es kaum fassen, da diese Kuh nicht grösser ist als ein Zwergpony. Die Mini-Kuh ist neben einem ziemlich grossen Rind angebunden. Amran hat die super Idee dass die kleine Kuh vielleicht mit der grossen Kuh einen Kampf beginnt und er ein super Bild machen könnte. Amran, muss man vielleicht erklären, ist von der Region Noakhali. Man hat mir erklärt diese Leute seien sehr lustig, was in Amrans Fall durchaus zutrifft. 

Dass mit dem Kampf meint er jedoch durchaus ernst. Der Besitzer schaut ihn verwirrt an, als Amran ihn anweist, das kleine Kühlein dazu zu bringen mit der grossen Kuh zu kämpfen. Vergeblich versucht er das arme Ding in Richtung des gefährlichen grossen Tieres zu stossen. Ich lache mich halb Tod. Inzwischen hat sich eine Gruppe Kinder um uns gebildet, die uns beobachtet. Um Amran etwas aufzuheitern schlage ich ihm vor, ich könnte mich auf die kleine Kuh setzten und er könnte mich fotografieren. Er ist begeistert von der Idee. 

Ich entschuldige mich zuerst bei dem kleinen Vieh und setze mich drauf. Es beginnt schlagartig zu bocken und ich springe schnell wieder ab. Alle lachen vergnügt und klatschen.

Wir gehen weiter, die Kinder hoffen wohl auf mehr lustige Aktionen und weichen mir nicht mehr von der Seite. Amran findet das ziemlich komisch und befiehlt mir, einmal den Platz hinauf und wieder herunter zu gehen damit er mich und die Kinderschaar fotografieren kann. Gerade als ich loslaufen will, bricht jedoch Hektik aus, ein Kamel rennt an uns vorbei und eine Menge Leute schreiend hinterher. Amran rennt ebenfalls los. Ich folge ihm. Das arme Kamel hat aber keine Chance zu entkommen, da es einfach zu viele Leute oder besser gesagt Männer gibt auf diesem Markt. Das Kamel ist also wieder eingefangen und umringt von Männern, plus Fernsehen und Amran der wild drauflos knipst. Langsam beruhigt sich die Situation und das Kamel wird weggeführt.

Wir sind jetzt schon eine ganze Weile hier. Meinem Kollegen hat es aber immer noch zu wenig Besucher, er will eine grosse Menschenmasse fotografieren. Die Kinderschar ist inzwischen auf einen Jungen namens Zahid geschrumpft. Er ist nun mein treuer Begleiter, der mir alles erklärt und auf mich aufpasst, dass ich von keinem Rind überrannt werde. Was in einer Situation echt böse geendet hätte, als gerade eine gruppe Stiere durch den Markt getrieben wurde. Ich fotografierte irgendwas und sah sie nicht kommen, hätte mich der Junge nicht im letzten Moment zur Seite gezogen, wäre ich wahrscheinlich überrannt worden.

Als Dank schlug ich ihm vor ein Pepsi trinken zugehen. Er war so scheu, dass ich ihn zuerst überreden musste die Pepsi anzunehmen. Es war nun schon später Nachmittag und Amran beschloss, es sei an der Zeit in die Redaktion zurückzukehren. Wir machten uns auf den Weg zum Motorrad. Zahid begleitete mich bis zum Schluss und winkte ganz traurig als wir losfuhren.

Auf der Redaktion präsentieren wir die Bilder dem News Editor. Er findet die Bilder nicht so spannend (er mag wohl keine Kühe) und es wird keins gedruckt am nächsten Tag. Ich bin schockiert. Wir verbrachten über sechs Stunden auf dem Viehmarkt und es wird kein einziges Bild gedruckt. Amran reagiert gelassen. Dies sei normal der News Editor sei nun mal der Boss sagt er. "Nun lass und Tee trinken gehen".

25. November 2009

Sleeping on the street of Dhaka.

Das Leben in Dhaka ist sehr anstrengend. Vor allem für die arme Bevölkerung, die sehr viel arbeiten, auch in der Nacht und kein richtiges Zuhause haben. Sie nutzen jede Gelegenheit um zu schlafen.

 

 
27.  November

Endlich ist es soweit. Morgen findet der Eid Feiertag statt, von dem ich schon so viel gehört habe. Eid al-Adha ist ein Opferfest, ein wichtiger religiöser Feiertag zelebriert von Muslimen weltweit. Dieses Fest steht in Gedenken an den Propheten Ibrahim (Abraham), der aufgefordert wurde von Gott, seinen Sohn zu opfern. Da Ibrahim sich dem Willen Gottes unterwarf und bereit war, seinen Sohn zu opfern, gebot er ihm Einhalt. Aus Dankbarkeit für die Gnade Gottes, opferte Ibrahim im Kreis von Familie und Bedürftigen einen Widder. Aus dieser Geschichte heraus entstand der Brauch, zum Eid al-Adha ein Tier zu opfern. Das Fleisch wird in drei gleiche Teile unterteilt, ein Teil für die Familie, der zweite Teil für Verwandte und Nachbarn und der letzte Teil für die Armen.

Shahnaz hat mich eingeladen den Eid- Feiertag bei ihr zu verbringen. Weil es morgen schon früh los geht, übernachte ich bei ihr in Mirpur. Der Stadtteil liegt am anderen Ende der von Dhaka und ist noch nicht so verbauen wie der Rest der Stadt. Am Abend spazieren wir durch das Quatier und treffen überall auf Männern mit Stieren auf dem Heimweg vom Viehmarkt. Nicht nur auf den Strassen hat es überall Kühe, auch fast in jedem Hauseingang ist ein Tier angebunden. Wieder zuhause werden wir von Shahnaz Mutter bekocht.

28. November

Um acht Uhr geht’s los. Da Shahnaz Vater auf Reisen ist, schlachten Sie dieses Jahr kein Tier. Ich begleite Shahnaz Schwester und ihr Mann der auch noch nie ein Eid al-Adha miterlebt hat zu seiner Arbeitskollegin nach Hause.

Im Hauseingang steht ein grosser Stier. Ich streichle ihn und er tut mir irgendwie leid, da es ihm ja bald an den Kragen geht. Wir sind spät dran weil wir unterwegs noch angehalten haben und die Menschenmassen beim beten vor der Mosche fotografierten. Wir kommen aber gerade richtig. Der Hausherr, ein paar männliche Verwandte und ein Metzger stehen bereit. Nicht nur in diesem Haus, in der ganzen Strasse oder besser gesagt in der ganzen Stadt werden zwischen neun und elf Uhr Morgens die Tiere geschlachtet. Den Stieren werden die Füsse zusammengebunden und sie werden auf die Seite auf den Boden gedrückt. Zum Teil mitten auf der Strasse. Mehrere Männern halten die Tiere fest. Es wird ein Gebet gesprochen und das Messer angesetzt. Es ist ziemlich widerlich, denn das Tier ist nicht auf der Stelle tot und leidet noch eine halbe Ewigkeit. Der Kopf wird abgetrennt und man beginnt die Haut abzuziehen, dann mit dem Ausschlachten und zerkleinern des Fleisches. Ausser der Innereien landen alle Stücke auf einem Haufen.

Ich ging die Strasse hinunter und alle fünfzig Meter begegnete ich dem gleiche Szenario, es war fast wie auf einem Schlachtfeld. Zum fotografieren echt spannend. Ich traf auf einen Jungen der war völlig mit Blut beschmiert war und ein riesen Messer in der Hand hatte. Er war ganz stolz und zeigte mir die Überreste seines Tieres.
Ich machte mich auf den Rückweg dabei musste ich durch eine Blutlache nach der anderen gehen. Ein sehr spezieller Feiertag dachte ich und wunderte mich dass ich noch nie von diesem Brauch gehört habe. Zurück im Haus der Gastgeber wurde ich schon erwartet, es gab Süsses und Tee.

Zu dritt auf einer Rickshaw machten wir uns auf den Heimweg. Ein strenger Geruch lag in der Luft. Sayda erklärte mir, dies sei das Blut, es werde noch für Tage so riechen. Zurück in Shahnaz Elternhaus gab es Mittagessen, ein köstliches Mahl zubereitet von Shahnaz und ihrer Mutter. Nur die Schüssel mit Beef wurde von uns Ausländern Fabian Shahnaz Schwager aus England und mir nicht angerührt. Wir waren wohl noch etwas traumatisiert.

1. Dezember

Heute begleite ich dass erste mal dem Daily Star Fotografen Shafic. Er ist der jüngste ca. zweiunddreissig und ein sehr talentierter Fotograf. Nebst seiner Arbeit beim Daily Star arbeitet er an einem Langzeitprojekt über Kinderarbeit.

Wir fahren mit dem Motorrad los Richtung Buriganga (Fluss). Er will mir eine kleine Ballonfabrik zeigen wo vor allem Kinder arbeiten. Als wir auf einer ziemlich leeren holprigen Strasse am Fluss entlang fahren kommen wir an einer Polizei-Kontrolle vorbei. Normalerweise kein Problem weil hinten auf dem Motorrad gross PRESS steht. Doch dieses mal kommt es anders, sie sehen mich und einer der Gruppe ist mutig genug und erlaubt sich stopp zu rufen. Der vorderste Polizist hält uns an. Shafic ist genervt und sagt auf Bengali, er sei von der Presse. Der Polizist, der uns zum Anhalten aufgefordert hat kommt zu uns rüber und will seine Papiere sehen. Shafic nimmt seinen Helm ab und zeigt ihm seine Papiere. Der Polizist schaut sie schnell durch und gibt sie ihm wieder zurückt. Es ist offensichtlich dass sein Interesse nicht dem Fahrer galt sondern der mittransportierten weissen weiblichen Person.
Der neugierige Polizist fragt Shafic wer ich sei. Der erklärt ihm, ich sei Fotografin aus der Schweiz und arbeite beim Daily Star. Der Polizist glaubt ihm wohl nicht ganz und fragt ihn, ob er mein Mann sei. Ich immer noch hinter Shafic auf dem Motorrad sitzend muss mich gewaltig zusammenreissen um nicht zu lachen.
Shafic entgegnet entsetzt: “Na, na  (nein, nein), und so etwas wie wir sind nur Kollegen und arbeiten zusammen." Meinem armen Kollegen ist es furchtbar peinlich. Er ist erst seit kurzem verheiratet. Er hofft wohl, dass ich nichts verstanden hätte und übersetzt mir nur, der Polizist hätte gefragt von wo ich komme.
Da ich aber nun schon ein paar Wochen hier bin und Tag und Nacht bengalie höre, habe ich schon einiges aufgeschnappt. Vor allem das Wort für Ehemann Shami, weil ich dauernd danach gefragt werde.

Nun dreht sich die Staatsgewalt zu mir um, bis jetzt hat er mir noch keines Blickes gewürdigt.  „ Married or unmarried“ waren seine Worte.
Ich log etwas und antwortete: „Married“
Polizist: „ Husband where?“
Ich:“ Husband Switzerland“
Er kann es wohl nicht ganz fassen dass ich ohne Mann nach Bangladesch kam und fragt zur Sicherheit nochmals nach: „ Husband Switzerland“
Ich: „ Yes, Husband Switzerland“
Da beginnt er verschmitzt zu lachen und sagt: "Acha, thik ache!"
Was wörtlich übersetzt heisst: „ Ok ich verstehe.“ Gemeint war wohl
eher: Gescheites Mädchen, lässt den Mann einfach zu Hause und vergnügt
sich mit dem Kollegen. Er macht Shafic ein Zeichen er könne jetzt losfahren. Der gibt schnell Gas und wir fahren davon. Die Polizisten schauen uns lachend nach.

Das Lachen verging mir aber ziemlich schnell. Als wir bei der Ballonfabrik ankommen, sitzen gerade fünf Buben zwischen sechs und zehn Jahre alt am Boden vor einer Hütte und nehmen die fertigen Ballone von einem Holzgestell ab und werfen sie auf einem Haufen in der Mitte. Die Ballone sind mit einem giftigen Pulver behaftet, das mich nach kürzester Zeit in den Augen brennt, als ich die Kinder fotografiere. Die Buben arbeiten unglaublich schnell, sehen aber nicht gesund aus. Einige haben entzündete Augen und offene Wunden die nicht verheilen. Es war ein trauriger Anblick und ein Moment in dem ich froh war in einem Land ohne Kinderarbeit geboren zu sein.

Am Abend auf der Redaktion konnte ich natürlich nicht anders und erzählte meinen  Kollegen vom Fototeam die lustige Geschichte vom Verkehrpolizisten.
Sie lachten sie halb tot und beklagten sich, wieso das ihnen nie passiere wenn ich mit ihnen unterwegs sei. Sie einigen sich darauf, dass es wohl daran liegen muss, dass Shafic der Jüngste sei. Sie scherzen weiter und sagen in Bangladesch wäre es nicht unüblich das Männer jüngere Frauen heiraten, daher kämen Sie alle als mein Ehemann durchaus auch in Frage. Ich bin zum zweiten Mal an diesem Tag froh nicht von hier zu sein.

 

2. Dezember

Das spannenste in einer Stadt wie Dhaka ist der Alltag. Wir Ausländer haben oft die Auffassung dass Länder wie Bangladesch chaotisch und ohne System funktionieren. Dies ist ein grosser Irrtum, denn alles hat ein System hier. Auf meinem täglichen Arbeitsweg zur Redaktion beobachte ich jeden Tag auf's Neue wie das Leben hier vor sich geht. So hat auch hier jeder Strassenhändler seinen Stammplatz, die Bettler sitzen immer am gleichen Ort und die Rickshawfahrer haben ihr Gebiet in dem sie sich bewegen. Auch die Obdachlosen legen sich in der Nacht immer an den gleichen Stellen nieder zum schlafen. Die Armut ist gross in Bangladesch und vor allem in Dhaka an jeder Ecke sichtbar. Am meisten zu schaffen machen mir die Kinder.

Jeden Tag durchquere ich eine Unterführung nahe bei der Redaktion. Es ist ein abstossender Ort und es schauert mich jedesmal wenn ich hinunter steige. Es stinkt fürchterlich und die Wände sind voll geschmiert mit Blut, Urin und wer weiss was noch. Die Luft ist stickig und voller Abgase. Auch dort unten trifft man immer die gleichen Personen an. Auf der linken Seite wenn ich die Treppe hinunter steige liegt ein kleines Mädchen, es ist blind. Sie liegt immer in der gleichen Stellung auf dem Rücken, den ganzen Tag. Egal ob ich um neun Uhr morgens oder am abend vorbeikomme, sie ist immer da. In der Mitte sitzt ein alter Mann mit einer altmodischen Waage. Dann gibt es noch ein Mann der so was wie ein Security Guards sein muss und schon fast beim Ausgang sitzt ein schwer behindertes Kind. Jeden Tag bin ich erstaunt dass das Kind noch lebt, denn es ist so schwer behindert und sitzt den ganzen Tag in diesem Drecksloch neben einer stark befahrenen Strasse wo man kaum atmen kann und das jeden Tag. Irgendwann ist das Kind dann auch nicht mehr da. Seinen Platz hat ein anderer Bettler eingenommen.

Vor ein paar Tagen beobachtete ich, wie der Security Mann Geld von dem blinden Mädchen nahm. Da dachte ich, dass muss wohl ihr Vater sein. Meine Vermutung bestätigten sich ein paar Tage später, als ich ihn fragte ob ich ein Foto von ihm und dem Mann mit der Waage machen durfte, erzählt er mir ganz stolz, das blinden Mädchen sei seine Tochter.

3. Dezember

Amran, Boss Enam und ich sitzen in der Dunkelkammer und trinken Tee. Was nicht selten vorkommt, da wir immer bis um 21:30 warten müssen, bis wir die Aufträge für den nächsten Tag erhalten. Wir schwatzen über dies und das. Da nennt mich Amran wieder einmal Guy. Ich erkläre ihm, du kannst mich nicht Guy nennen, weil ich weiblich bin. Du kannst zwar eine Gruppe von Männer und Frauen Guys nennen oder ein Mann Guy aber nicht eine Frau. Verstanden!!!!!!!

Amran, der lustige Nohakali lacht nur und erklärt mir folgendes:  „We are all men, then Allah made women out of a mens rip.
Ich antworte extra überspitzt: „ What, you can`t be serious and who the
hell is Allha? I don`t belive in Allha!“
Amran: „Well, but you belive in your God, right?“
Ich: „No, I don`t belive in this one either!“
Amran: „ What??? And who made all this!“
Der Nohakali fuchtelt wild mit den Händen um sich.
Ich: „ Well, I don`t know. Evolution and all that.“
Amran schaut mich verständislos an.
Ich versuche es erneut: „ Dinosaurs, the big animal, who lived a long
time ago and after that, the monkeys how looked like humans.“
Amran glaubt mir kein Wort und sagt: „No, no, and were do you go when you die?“
Ich:“ I don`t no, somewere, everywere, maybe nowere, just under the ground.“
Amran ist entsetzt! Nun wendet sich sogar mein Boss Enam von seinem Computer ab, an dem er gerade das Kartenspiel Passion spielt und erklärt mir: „We all come to earth with a retourn Ticket, we have to go back were we are from. Don`t you know this Bangla song!“

Enam beginnt zu singen Amran stimmt mit ein:

Return Ticket hate luia,
aischa so ai dunia,
schomoi hoile jaite hobe jayva tschara nei upei.

(Habe die Wörter so geschrieben wie man sie ausspricht)
Übersetzt heisst das so was ähnliches wie:

You come to this world with a return ticket and you will go back with the
same ticket.

Natürlich musste ich jetzt auch mit singen und nicht nur dass, jedem der
zu uns ins Büro kam musste ich das Lied vorsingen. Enam war ganz stolz auf
sich, dass er mir dieses Lied bei gebracht hat. Wenn ich schon nicht an
Gott glaube, kann ich jetzt wenigstens ein Bangla-Lied singen. Das ist viel
wichtiger, den die Bangladeshis lieben es zu singen.

4. Dezember

Zwei Stunden zu spät treffe ich bei Enam Boss zum Mittagessen ein. Es ist
eigentlich überhaupt nicht meine Art zu spät zu kommen. Dies ist auch nur passiert weil ich bei Jessica übernachtet habe, die gestern eine kleines Fest veranstalte hat. Es wurde zu spät um nach Hause zu gehen, da übernachtete ich bei ihr im Wohnzimmer auf ein paar Kissen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so gut schlafen würde und habe den Wecker nicht gestellt. So kam es dass ich erst um 12:55 aufwachte. Zuerst nach Hatirpul mich umziehen, und dann noch fast eine Stunde mit dem CNG zu Enams Haus fahren musste.

Um 15 Uhr traf ich schliesslich bei Enams Familie ein. Ich entschuldige mich für die Verspätung, es war mir furchtbar peinlich. Zum Glück nehmen es die Bangladeshis es nicht so ernst mit der Pünktlichkeit und Enam sagt nur ich komme gerade richtig, seine Frau sei fertig mit Kochen und da kam sie auch schon aus der Küche, seine hübsche sechzehn Jahre jüngere Frau und begrüsste mich scheu. Obwohl sich Enam Boss Mühe gab sich Jung zu halten und seine Haare färbte ist der Altersunterschied deutlich sichtbar. Er stellt mir seine zwei Söhne vor und das Essen wurde aufgetischt. Enam hat mich am Tag zuvor noch extra gefragt was ich gerne habe. Das Essen war hervorragend einfach wie immer viel zu viel. Ich ass bis ich fast platzte. Danach spielte mir Enam etwas auf seiner Bambusflöte vor und sein Sohn, der schon siebzehn Jahre alt ist zeigte mir auf seinem Computer Videoclips aus Indien, wo junge Typen ins seinem Alter mit Motorräder durch die Gegend fahren und abgefahrene Tricks vorzeigen. Als Enam schnell aus dem Zimmer geht flüstert er mir zu, manchmal nehme er das Motorrad seines Vaters und versuche ein paar der Tricks nachzumachen.

Seine Frau ist wunderbar, wie so viele Bangladescherinnen. Leider spricht Sie kein Englisch und ich kann mich nicht mit ihr unterhalten. Es gibt noch Tee und Dessert und als ich mich auf den Heimweg machte, verabschiedet sie mich herzlich und bittet mich doch nochmals vorbeizukommen. 

 

 

6. Dezember

Heute begleitete ich den jungen Reporter, the Kid, wie wir ihn nennen, der für Business (Wirtschaftsteil) arbeitet, an einen Auftrag bei Pizzahut in Gulshan. Wir verabredeten uns um halb elf auf der Redaktion. Ich bin natürlich pünktlich und warte unten beim Eingang. Er kommt geschlagene 45 min, zu spät. Ich nutzte die Zeit um bangla zu lernen, die Security Guards die Tag und Nacht unten am Eingang stehen, helfen mir dabei. Als the Kid endlich kommt, in chicen Hosen und  Hemd, machen wir uns auf den Weg. Wir haben Mühe ein CNG zu finden, den niemand will den weiten Weg nach Gulshan fahren, besonders jetzt, wo es viel Verkehr gibt. Nach einer Weile kommt ein völlig verlottertes altes CNG, dass uns mitnimmt. Um den Verkehr zu umgehen, fährt der Fahrer durch eine art Slum. Die Gassen sind so eng und holperig, dass wir uns festhalten müssen, zudem werden wir eingenebelt von einer Staubwolke. The kid beklagt sich, er würde ja wie der letzte Penner aussehen nach dieser Fahrt. Ich frag ihn, wieso er sich den so aufgebrezelt habe? Er erklärt mir das dies ein wichtiger Auftrag sei, da dem Chef des Pizzahuts auch einen Anteil vom Daily Star gehöre. Ich beginne zu verstehen das Pizzahut hier wohl eher was Spezielles ist, und nicht wie bei uns eine Art fast food Restaurant mit schlechter Pizza.

Pizzahut feiert sein sechsjähriges Jubiläum. Wir essen Pizza, es gibt Ansprachen und schlussendlich wird ein Riesenkuchen von zwei prominenten Girls, einem Schauspieler, einer älteren, auch prominenten Dame und dem Chef des Pizzahut angeschnitten, dabei schreit die eine der jungen ziemlich abgemagerten Frauen: „Pizzahut Rockes.“ Das Bild wird am nächsten Tag publiziert.

Wir machen uns auf den Rückweg, bevor wir auf die Redaktion gehen, will mich the Kid noch seiner Verlobten vorstellen. Von der er mir schon viel erzählt hat. Wir treffen sie im Shoppingcenter Bashundhara City, einem ziemlich modernen Einkaufzentrum nahe bei der Redaktion. Als wir zuoberst im Food Corner ankommen sagt er da sitzt sie. Ich sehe nur ein Schulmädchen in Uniform. Das ist sie dann auch und ich bin im ersten Moment etwas sprachlos. Denn dieses Mädchen sieht nicht älter aus als vierzehn Jahre. Ich stelle mich vor, kann mich aber nicht mit ihr unterhalten da sie kein englisch spricht. Er erzählt mir, sie sei sechzehn Jahre alt und sie hätten sich auf Facebook kennen gelehrt. Ihre Eltern wollen dass sie so bald wie möglich heiraten, wenn alles klappt nächsten Sommer.

In Bangladesch sind 90% der Ehen arrangiert und bei der armen Bevölkerung werden die Mädchen schon im alter von dreizehn Jahren oder sogar noch jünger verheiratet, obwohl das legale Heiratsalter bei achtzehn Jahren liegt. Und doch bin ich etwas überrascht, denn bei der armen Bevölkerung kann ich dies ja noch nachvollziehen, da die Eltern es sich oft nicht leisten können für die Mädchen bis zur Volljährigkeit zu sorgen. Aber diese Kids kommen aus guten Hause, haben eine gute Ausbildung gemacht und the Kid spricht fliessend englisch und will nach Australien um weiter zu Studieren und trotzdem lassen sie sich so jung verheiraten.

Ich wünsche ihnen, alles gute aber irgendwie tun sie mir leid da sie doch noch Teenager sind und schon in die Ehe gedrängt werden.

9. Dezember

Wenn ich am Abend nach Hause komme, werde ich immer freudestrahlend von der kleinen Monmoyee empfangen. Sie nennt mich Auntie (Tantchen) und macht mir alles nach. Sie hat sogar angefangen mit einer Gabel zu essen wie ich und gibt sich Mühe mit mir Englisch zu sprechen. Auch mit meinen Gastgebern verstehe ich mich gut. Wie die meisten Asiaten sind sie völlig unkompliziert und ich fühle mich wie zu Hause. Am Abend Essen wir oft zusammen Znacht unterhalten uns und schauen TV.

Das Herzstück der Familie ist jedoch die Hausangestellte Joygoon. Sie ist siebzehn Jahre alt, wunderhübsch, stammt aus einer armen Familie vom Lande und hat sieben Geschwister. Ihr Vater starb als sie noch ein Kind war, deshalb musste sie die Schule abbrechen und kann weder lesen noch schreiben. Sie adoptierte mich vom ersten Tag an und umsorgt mich wie eine Mutter, Schwester und Freundin in einem. Wenn ich krank bin ist sie traurig und betet für mich, gibt mir eine Kopfmassage und macht den besten Tee auf der Welt. Ganz zu schweigen, dass ich nichts machen darf nicht einmal ein Glas Wasser einschenken. Dabei sagt sie mir andauern ich sei excellent, very good. Seit sie einmal mitbekommen hat, als ich meine Gastgeberin um Kleingeld für die Rickshaw fragte, dachte sie, ich hätte kein Geld mehr und sagte mir, wenn ich Geld brauche würde sie mir jederzeit helfen. Sie verdient nur 1000 Taka (14.70 CHF) im Monat.

Immer wenn ich am morgen aus dem Haus gehe, begleitet sie mich an die Tür und fragt: „Water, Money, Phone, Kamera.“ Grossartig, so vergesse ich nie was.  Manchmal schwingt sie ein imaginäres Baby in ihrem arm und sagt: „You Switzerland no, you and your boyfriend Bangladesh. I baby look.“ Ich finde dies eine wunderbare Idee, erkläre ihr dass ich jedoch zuerst meinen Boyfriend davon überzeugen und ein baby produzieren müsste. Dass erstere würde eher schwierig werden.

Ziemlich mühe habe ich damit, wie meine Gastfamilie mit ihr umgeht. Sie hat klar die Rolle der Angestellten. Darf weder am selben Tisch sitzen noch in einem richtigen Bett schlafen. Jeden Abend nimmt sie ein Kissen und legt sich im Wohnzimmer auf's Sofa, obwohl ein leeres Bett vorhanden wäre. Die Familie mit drei Person ist klein, trotzdem arbeitet sie viel. Sie wäscht die ganzen Kleider von Hand, macht den Haushalt, kocht, und wenn die Mutter nicht im Haus ist, kümmert sie sich um das Kind. Dabei verlässt sie nie die 3-Zimmerwohnung und geht nur alle sieben Wochen für zwei drei Tage nach Hause zu ihrer Familie. Sie hat weder einen Tag frei noch Freunde, die sie besuchen kommen.
Im vergleich zu anderen Hausangestellten die meisten weiblich und in ihrem Alter oder sogar Mädchen sind, hat sie eine gute Stelle. Oft werden diese Mädchen ausgebeutet und sexuell missbraucht. Da sie oft aus sehr armen Familien kommen, haben sie nicht einmal die Chance sich zu wehren.

Mich befremdet die Art und Weise wie meine sonst so netten weltoffenen und interessierten Gastgeber immer noch in dieser altmodischen Denkweise der Klassengesellschaft stecken geblieben sind wie so viele der Menschen der Mittelschicht, die ich hier getroffen habe.

 
11. Dezember

Es gibt auch Ausländer in Dhaka. Die meisten sind im NGO bereich tätig. Sie leben in Gulshan oder Banani, bleiben unter sich und man sieht sie nur selten in anderen Stadtteilen. Dort treffen sie sich in den Clubs wie English Club, German Club oder in den Hotelbars. Da trifft man sehr interessante Leute aber auch Personen, bei denen man sich fragt, was sie hier verloren haben. Einmal traf ich einen Spanier, der irgendwas für die Spanische Regierung arbeitet und eine junge Spanierin, die ein Praktikum bei
einem NGO macht. Sie fragten mich wo ich den in Gulshan wohne. Als ich ihnen sagte, dass ich in Hatirpul bei einer bangladeschischen Familie wohne, Schauten sie mich entgeistert an und er wiederholte: „ What, you live with a bangladeshi familie,“ die zwei Spanier konnten es kaum fassen und beklagten sich über die chaotischen Zustände die hier herrschen.
Richtig lustig wurde es aber erst als sich der Spanier darüber beklagte das die Frauen hier immer gleich gekleidet seien, dies sei doch langweilig. Ich musterte die neben mir stehende Parktikantin. Völlig geschmacklos gekleidet viel zu enge Jeans, so dass die Fettpölsterchen am Bauch nur so rauskamen, dazu ein ebenfalls zu enges T-Shirt, viel zu viel schminke und billig blondierte Haare. Ich sagte natürlich nicht, dass ich in den ganzen Wochen in denen ich schon in Bangladesch bin nicht eine Bangladescherin gesehen habe, die so geschmacklos gekleidet war wie diese Tussi die gerade vor mir stand. Ich dachte vielleicht ist es besser diese Leute bleiben unter sich und machte mich mit dem Vorwand auf die Toilette zu müssen, aus dem Staub.


13. Dezember

Diese Woche findet das South Asian Football Federation Cup, ein Fussballtunier, dass alle zwei Jahre ausgetragen wird, in Dhaka statt. Anis der Sportfotograf des Daily Stars hat mich akkreditiert. Am 11. Dezember fotografierte ich das Halbfinal Malediven gegen Sri Lanka. Die Malediven haben gewonnen und heute findet das Final Indien gegen Malediven statt. Ich treffe Anis im Stadion, dass ziemlich gross, jedoch nur halb gefüllt ist; da Bangladesch schon ausgeschieden ist, interessiert das Turnier wohl niemanden mehr. Es sind viele Pressefotografen und Kameramänner anwesend. Die meisten von lokalen Medien. Ich setzte mich auf die andere Seite des Spielfeldes zusammen mit zwei Fotografen aus den Malediven und einem älteren Herren aus Dhaka mit einer uralten analogen Kamera. Das Spiel began und war echt spannend. Die Malediven waren eindeutig die bessere Mannschaft, nur der indische Goali war unüberwindbar. Als ein indischer Spieler nicht mehr aufstand, rannten zwei Spieler zur Ambulanz und schrien die verdutzten Leute in der Ambulanz an. Sie stiegen aus und das Auto fuhr los auf's Spielfeld. Der Spieler wurde eingeladen und wir Fotografen knipsten wild drauflos. Als  wir uns wieder an den Spielfeldrand setzten, klingelt mein Handy. Meine kleine Gastschwester ist am Telefon, sie ist ganz aufgeregt, sie hätte mich gerade live am Fernsehen gesehen.
Die Inder gewinnen beim Penalti schiessen. Sie bekommen den South Asian Football Federation Cup Pokal von der Präsidentin Sheikh Hasina höchstpersönlich überreicht und sind jetzt Südasienmeister. Das Stadion hat sich inzwischen geleert und als die Inder den Pokal entgegen nehmen, jubelt kein Mensch nur die Präsidentin klatscht verhalten.

Es war schon spät und wir mussten uns beeilen um rechtzeitig vor Redaktionsschluss die Bilder abzugeben. Zwei Bilder wurden publiziert leider keines von mir. Dafür war ich im lokalen Fernsehen zu sehen wahrscheinlich als die erste Pressefotografin überhaupt an einem Fussballtunier.

 
15. - 20. Dezember

Zusammen mit Shahnaz, Jessica und einem Korrektor vom Daily Star Morshed machen wir uns auf den Weg in die Sunderbans, die Mangrovenwälder im Süden des Landes. Die Sunderbans ist der grösste Mangrovenwald der Erde. Das ca. 6000 km2 grosse, artenreiche Ökosystem ist verzweigt und schwer zugänglich. Grosse Teile der Sundarbans gehört heute zu einem Nationalpark, der sich an der gemeinsamen Grenze von Indien und Bangladesch erstreckt. Der vom Aussterben bedrohte Bengalische Tiger und der endemische Sundari-Baum sind hier beheimatet. Die Sundarbans wurden 1987 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt.

Wir haben bei Guidtours eine viertägige Reise gebucht. Nach zehn Stunden Busfahrt erreichen wir um elf Uhr Nachts Khulna. Dort besteigen wir ein wunderschönes grosses Schiff. Mit kleinen Kabinen und einem grossen Esssaal. Am nächsten Morgen kommen noch die restlichen Passagiere an Board und die Reise kann losgehen. Wir sind einundzwanzig Personen und zwei Kinder. Wir setzten uns auf's Vorderdeck und geniessen die Sonne und die herrliche Aussicht. In den nächsten Tagen, erkunden wir mit einem kleinen Boot die schmalen Kanäle und hoffen auf einen Tiger zu treffen. Leider ohne Erfolg. Dafür sehen wir ein Krokodil, viele Vögel, Rehe, Affen und eine Gruppe Delphine. Wir springen vom Schiff in den Fluss und nehmen ein Schlammbad am Ufer. Am Abend sitzen wir auf dem Dach des Schiffes und unterhalten uns mit den Mitpassagieren aus Europa, Asien und Australien. Besonders der kleine dicke junge aus Indien ist unglaublich lustig und bringt die ganze Gruppe zum lachen. Die vier Tage vergingen viel zu schnell. Ich hätte noch ewig durch die Sundarbans schippern können. Gegen Mittag erreichen wir Khulna und besteigen den Bus zurück nach Dhaka.

21. Dezember

In ein paar Tagen sind die zwei Monate schon vorbei. Unglaublich wie schnell die Zeit verging. Heute treffe ich mich mit dem Kid, er will mir unbedingt noch die Affen von Old Dhaka seinem Zuhause zeigen, bevor ich abreise. Wir haben um neun Uhr beim National Museum abgemacht. Obwohl ich genau weiss dass er sicherlich eine halbe Stunde zu spät sein wird, bin ich aus reiner Schweizer Gewohnheit pünktlich. Vor Ort weit und breit kein Kid. Ich rufe ihn an, er sei noch zu Hause und komme bald. Ich nutzte die Zeit um ein paar Abschiedsgeschenke zu kaufen.

Um elf Uhr taucht the Kid mit seinem Kollegen auf. Sie wollen mir zuerst den Ort in der Dhaka-Universität zeigen, wo sie sich oft aufhalten, danach das Museum am Fluss, die kleinen Shops in den engen Gassen und dann die Affen auf den Dächern.
Nach einem Spaziergang durch das Universitätsgelände und einer Fahrt über den völlig verdreckten Fluss Buriganga, kommen wir zum Ahshan Manzil Museum. Am Eingang müssen wir unser Gepäck Abgeben. Als der Mann am Empfang auch mich auffordert meine Kameratasche abzugeben ist the Kid empört. Auf bangla erklärt er dem Mann ich sei Fotografin und müsse meine Kamera immer bei mir tragen, ausserdem sei er vom Daily Star und er soll uns jetzt gefälligst reinlassen. Der Mann schüttelt den Kopf und sagt er könne dies nicht entscheiden. Wir werden ins Büro des Chefs geschickt. Dort trägt the Kid ziemlich gross auf. Er erzählt dem Chef ich sei extra nach Dhaka gekommen um dieses wunderschöne Museum zu besichtigen. Als der Mann etwas über die Schweiz wissen will, erzählt er ihm doch tatsächlich die Schweiz sei gross im Handel mit Kleider und hätte sehr wichtige Beziehungen mit Bangladesch. Die ganze Situation ist ziemlich absurd und ich muss mich zusammenreisen um nicht zulachen. Der Chef des Museum ist beeindruckt und gibt uns prompt eine Privattour durch das ganze Museum. Zum Glück ist das Museum nicht so gross und nach einer Stunde sind wir wieder draussen.

Endlich gehen wir auf Affensuche. Zu dritt auf einer Rickshaw fahren wir zu einem Kollegen. Nach einigen Telefonaten erscheint ein kleiner Hip-Hopper. Wir folgen ihm durch die schmalen Gassen und treffen tatsächlich nach wenigen Minuten auf eine ganze Affen Familie. Der Hip-Hopper erzählt mir ein paar Geschichten über das Leben in Old Dhaka mit Affen als Nachbarn. Ihm sei schon ein dutzend mal das Handy geklaut worden und seiner Mutter hätten sie einmal das gesamte Essen mit Kochtopf gestohlen.

Als letztes wollen sie mir noch einen Markt zeigen wo man günstig Kleider kaufen kann. Der Markt ist riesig, hat aber nur Kleider für junge Männer. An einem Stand sehe ich ein T-Shirt dass meinem Bruder gefallen würde. Ich halte an und lasse mir das T-Shirt vom Verkäufer zeigen. Ich will es kaufen, the Kid übernimmt die Verhandlungen. Nach wildem gestikulieren und diskutieren einigt man sich auf einem Preis von 150 Taka (2.20 CHF). In der Zwischenzeit habe ich im prall gefüllten Shop noch zwei Kinder T-Shirt für meine Neffen ausgegraben. Der Shop Besitzer will jedoch 100 Taka (1.50 CHF) für eins. Das ist dem Kid viel zu hoch und er will den Laden verlassen. Ich finde den Preis 1.50 Fr nicht schlecht und will das T-Shirt kaufen. Der Verkäufer mischt sich ein und sagt zum Kid so etwas ähnliches wie lass meine Kundin in Ruhe. Dies hätte er besser nicht gesagt, denn the Kid rastet total aus. Keine Ahnung was er auf den armen Verkäufer einbrüllt, doch er solle seine Kundin in Ruhe lassen, hat ihm wohl gar nicht gepasst. Der Shopbesitzer lässt sich dies jedoch nicht gefallen und brüllt zurück. The Kid wird fleissig von seinen Kollegen unterstützt. In wenigen Minuten sind wir umringt von anderen Shopbesitzern, ebenfalls junge Männer die eifrig mitdiskutierten. Ich zupfte the Kid am Ärmel und versuchte ihn zum Gehen zu überreden, ohne Erfolg. Die ganze Situation war echt peinlich. Ich machte mich zur Sicherheit aus der Schusslinie, falls diese Halbwüchsigen noch total ausflippen würden und sich gegenseitig verprügeln, wollte ich nicht dazwischen stehen. Es kam ein ältere Frau dazu, der es gelang, die Situation etwas zu beruhigen. Sie redete auch auf den armen Verkäufer ein, er soll seine Kunden gefälligst gut behandeln und faire Preise verlangen. Der Mann tat mir wirklich leid. Schlussendlich einigt man sich auf 150.- Taka (2.20 CHF) für beide T-Shirts und wir verliessen den Shop.

The Kid sagte noch „ Just because of you I did`t beat this guy up.“   Ich wusste nicht genau ob dies als Kompliment gemeint war. Ohne mir wäre dieses ganze Theater wohl nie entstanden, manchmal wäre es wohl einfacher ein Mann zu sein.

Draussen bat ich die Jungs in meiner Gegenwart bitte keine Shopbesitzer mehr anzubrüllen und schon gar nicht wegen 50 Taka dies sein doch lächerlich. Die Teenis konnten meinen ärger nicht wirklich nachvollziehen und kauften sich Zigaretten. 

Es war Zeit, auf die Redaktion zurückzukehren. Wir verabschiedeten uns von seinen Kollegen und fuhren auf einer Rickshaw davon.

 
22. Dezember

Frauen sieht Mann praktisch keine auf den Strassen Bangladeschs. Vorallem Nachts sind die Männer unter sich, sie sitzen auf der Strasse in kleinen Tee-shops und unterhalten sich. Ich wollte immer einmal in der Nacht durch die schmalen Gassen von Hatirpul schlendern bin aber leider bis jetzt nicht dazu gekommen. Alleine als Frau traute ich mich jedoch nicht, deshalb bat ich Manik ein Reporter vom Daily Star mich zu Begleiten. Dabei entstanden folgende Bilder:

23. Dezember

Heute ist schon der letzte Tag. Ich kann es kaum fassen wie schnell die Zeit verging und kann mir nur schwer vorstellen schon wieder ins kalte Land mit den vier Minaretten zurückzukehren. Mr. Mafuz Ahman der Chefredaktor muntert mich auf, er sagt, es sei immer gut zu gehen wenn man hungrig auf mehr sei. Ich könne ja jederzeit zurückkommen.

Zum letztenmal trinke ich Tee in meiner Lieblings Kantine mit meinen liebgewonnenen Kollegen, werde mit Geschenken überhäuft und muss hoch und heilig versprechen, dass ich bald wieder zurückkomme.

Sogar die Fotografen haben ein Geschenk für mich besorgt, einen wunderschönen Handbestickten Bettanzug. Dies sei in Bangladesch ein Hochzeitsgeschenk. Ich verstand die Andeutung. Ich versprach ihnen bald zu heiraten aber nur wenn sie alle zu meiner Hochzeit kommen würden. Kein Problem sagten sie dann müsse ich eben in Bangladesch heiraten.

Ich werde Sie vermissen!

24.Dezember

Mit Mühe und Not krieg ich all meine Sachen und die vielen Geschenke in meinen Rücksack und einer extra Tasche. Als letztes verabschiede ich mich von meiner Familie die mich nur ungern gehen lassen. Mit dem Taxi fahre ich zum Flughafen und bin traurig dieses wunderschöne Land mit diesen wunderbaren Menschen verlassen zu müssen und hoffe so bald wie möglich zurückkehren zu können!

Ich möchte mich ganz herzlich bedanken bei:

MAZ - Die Schweizer Journalistenschule, Luzern
DEZA, Bern und Bangladesch
Daily Star, Bangladesch
Shahnaz Parveen
Meiner Bangladeshi Family Zakir und Abzu Hoissain.
Joygoon
Miriam Künzli
Urs Herren und seiner Familie.
Elisabeth Fahrni und Rubaiyat Mansur Mowgli
Und allen Kollegen und Freunden die sich so gut um mich gekümmert haben.

Dekha Hobe!!!!!

ENDE

Coralie Wenger

 
 
   
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