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Aus Mali berichtet Adrian Krebs
Seit dem 8. Januar 2007 arbeitet Adrian Krebs (40) als Stagiaire bei der Privatradiostation Kledu in Bamako. Der Ing. Agronom ETH ist seit gut sechs Jahren bei der NZZ im Ressort Zürich und Region tätig. Er ist dort als Redaktor zuständig für das Flughafendossier und die Berichterstattung über die Region mittleres Glatttal und die kantonale Landwirtschaft.
Zuvor war Adrian Krebs bei der Schweizerischen Milchzeitung (heute Alimenta) angestellt. Seinerzeit besuchte er Kurse am MAZ, damals noch mit Seeanstoss in der Villa in Kastanienbaum.
Montag, 8. Januar 2007
Ich komme um halb vier in Bamako an. Hier scheint die Nachtflugsperre kein Thema zu sein. Trotz der unchristlichen Zeit ist das kleine Terminal zu dem man zu Fuss schlendert sehr belebt. Die Stimmung ist leicht chaotisch aber sehr freundlich. Ich habe noch zuvor nie einen lächelnden Zollbeamten begegnet. Die jungen Gerants meiner Auberge holen mich ab. Vorher noch schnell ein Geldwechsel à l'informel, wie man hier so schön sagt. Daran werde ich mich schnell gewöhnen. Hier kriegt man vom Telefon über die fritierte Banane bis zum Velo an jeder Strassenecke alles. |
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Ich wohne in einer Auberge leicht ausserhalb des Zentrums. Pünktlich zur 10-Uhr-Pause werde ich geweckt durch die Schüler des benachbarten Gymnasiums. Ich mache mich auf zur ersten Erkundungstour durchs Quartier. Ein ziemlicher Unterschied zur Heimat. Armut und Fröhlichkeit sind omnipräsent, noch stärker fast nur noch die Gerüche. Bamako hat eine Luft die Dorothée Fierz, waere sie noch im Amt, Tränen in die Augen treiben würde. Die Mischung besteht aus Rauch von unzähligen Holzkohlefeuern, Abgasen von Zwei und anderen Taktern und sonstigen Dämpfen, die nicht immer einfach zu identifizieren sind. Ich kaufe mir auf dem Grand marché, der sehr gross ist ein Velo und besuche erstmals meinen Arbeitgeber, den Privatradiosender Kledu in der schicken Cité du Niger direkt am Fluss.
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Dienstag, 9. Januar 2007
Das Klima ist schön, so um die 25 Grad, trocken, fuehle mich schon ganz zu Hause. Velofahren à la malienne bedeutet defensiv fahren, der Malinais (es gibt kaum Frauen am Steuer) fährt dort wos grad kommt, aber ich habe den Rat des Radiodirektors Jacaues Dez beherzigt und fahre gut damit: fais comme les autres; bisher ist alles gut gegangen, pourvu que ça dure, inshallah... Bei Radio Kledu werde ich herzlich empfangen vom Chefredaktor Baxi Cissé und seinen Kollegen. Der Techniker Boubacar dit Boucky ist mein erster Lehrer und fuehrt mich in die Studiotechnik ein. Nebenbei ist er Moderator einer Salsasendung namens Ritmo cubano. Wir verbringen einen lustigen Morgen. Dauernd kommen Leute ins Studio und wollen diskutieren und mir hallo sagen. Später darf ich im Sendestudio einer Sportsendung in der lokalen Sprache Bambara beiwohnen und verstehe kein Wort. Die vier (!) Moderatoren scheinen sehr vergnügt und lachen viel. Kledu ist die grösste Privatstation hier und der Sport wird gross geschrieben, vor allem Fussball und Basketball. Nous sommes une Radio de proximité, lautet das Motto.
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Mittwoch, 10. Januar 2007
Meine Ausbildung vom Radiogreenhorn zum Jungreporter nimmt ihren Lauf. Ich gestalte eine Übungsreportage über den malinesischen Musikstar Ali Farka Touré, der letztes Jahr gestorben ist. Mein Ausbildner Boucky ist recht zufrieden, er findet aber ich solle bestimmter reden und den Hörern so zeigen, dass ich alles unter Kontrolle habe. Am Abend gehe ich ins einzige Kino in der Stadt. Es laeuft, nomen est omen, Bamako, ein unterhaltsamer, zeitweise etwas langfädiger Film über eine fiktive Gerichtsverhandlung tiers monde gegen die internationale Gebergemeinschaft in einem Hinterhof in Bamako. Die Leute im voll besetzten Saal sind spektakulär herausgeputzt; ich komme mir im TShirt etwas underdressed vor.
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Radiobeitrag |
Donnerstag, 11. Januar 2007
Der Chefredaktor beklagt sich über fehlende Beiträge, der Mitarbeiterstab ist nach den Festtagen etwas reduziert, viele sind krank oder pflegen unpässliche Kinder oder Mütter. Zudem ist gestern der Direktor nach Frankreich abgereist, dies scheint der Arbeitsmoral auch nicht eben zuträglich zu sein; am Freitag sind ich und Boucky fast alleine auf der Redaktion; aber irgendetwas läuft trotzdem immer über den Sender; Radiomachen ist ein Langstreckenlauf, der nie fertig ist, lehrt mich mein Mentor.
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Freitag, 12. Januar 2007
Ich verarbeite meine Eindrücke vom Teetrinken in meinem Quartier zu einer Reportage, die angesichts der Stofflage wohl sogar gesendet werden soll. Das freut mich. Teetrinken ist die Hauptbeschäftigung der malinesischen Maenner, wo immer sich einer von ihnen niederlässt steht mit absoluter Sicherheit ein kleines Holzkohleöfeli auf dem der Grüntee gebraut wird; es wird dreimal das gleiche Pulver aufgegossen; der erste Tee ist stark und bitter wie der Tod, sagt man hier, der zweite süsser und milder wie das Leben; der dritte schliesslich ist so sanft wie die Liebe, den wahren Teetrinkern ist er zu mild, er ist aber der einzige, der einem noch schlafen lässt.
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Samstag, 13. Januar 2007
Beim Café au lait an meinem ersten Freitag fällt mir ein grösserer Volksauflauf auf. Die Partei CNID führt im benachbarten Palais de Culture den 4eme congres ordinaire durch. Ich nehme teil. Das Veloparking kostet hier (10 Rappen für unbeschränkte Zeit). Als ich reinkomme ist der riesige Saal schon zum brechen voll, so 5000 dürften es mindestens sein, doch unbeirrt strömen mehr Leute rein, viele mit zusätzlichen Stühlen auf den Schultern. Wo sie die bloss hinstellen wollen? Die Stimmung ist volksfestmässig; es wird gesungen, geschrieen und gelacht. Als der Präsident ausgerufen wird gibt es kein Halten mehr, unglaublich diese Begeisterung, kein Vergleich mit der etwas müden Stimmung an ähnlichen Veranstaltungen in der Schweiz, obwohl die Wahlbeteiligung hier noch tiefer ist als bei uns, üblicherweise zwischen 10 und 20 Prozent. Etwas ruhiger ist es dann beim Coiffeur im Wellblechverschlag, der Schnitt ist speditiv und kostet 80 Rappen, da bleibt noch etwas übrig für eine Portion Reis mit Erdnusssauce.
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Sonntag, 14. Januar 2007
Die Malinesen sind ein festfreudiges Volk. Als ich am späten Abend meiner Herberge zufahre (mit meinem vor einer Woche gekauften Velo, das ich ungefähr alle zwei Tage bei einem der zahllosen Mechaniker am Strassenrand reparieren lassen muss), höre ich aus dem Palais de Culture Musik. Das will ich mir nicht entgehen lassen. Aus dem Parteikongress ist ein Konzert geworden. Der Saal ist erneut voll besetzt. Auf der Bühne stehen die rund 15koepfigen Etoiles de Conakry aus dem Nachbarland Guinea.. Das Publikum tobt. Einige Besucherinnen geben ihrer Begeisterung Ausdruck, indem sie auf die Bühne steigen, Banknoten aus dem Taeschli ziehen und diese über die Bühne flattern lassen. Dies schein kein unübliches Vorgehen zu sein hier. Als ich am Sonntagabend durch das Quartier schlendere gerate ich in eine Hochzeit. Sonntag ist in Bamako Hochzeitstag. Dazu ein Musiktipp: Amadou et Mariam, “Un dimanche à Bamako“. Item, an dieser Hochzeit, bzw. an diesem kleinen Teilfest des dreitaegigen Zeremoniells sassen sehr viele sehr schön gekleidete Frauen (viele in Basin, einem mit Wachs behandelten und deshalb glänzenden und sehr teuren Stoff) in einem Festzelt ohne Wände mitten auf der Strasse und eine Sängerin, eine sogenannte Griotte sang ungefähr drei Stunden. In dieser Zeit verteilten die reichsten Damen (die Männer halten sich im Hintergrund) Hunderttausende von Francs CFA ( 1CHF = 450 CFA) und Hunderte von Euros an die Musik aber auch an die übrigen Hochzeitsgäste. Dabei gab es natürlich einige Handgemenge, da alle möglichst viel Geld ergattern wollten.

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Montag, 15. Januar 2007
Heute morgen ist die Dotation in der Redaktion wieder besser. Der Chefredaktor zeigt mir wie er die stündlichen Nachrichtenflashs à rund drei Minuten aus verschiedenen Websites zusammensucht. Im Inland ist dies etwas schwierig, da es keine Nachritenagentur gibt, deshalb muss Kledu alle nationalen Nachrichten selber produzieren. Meine Teeübung geht schon am Abend erstmals über den Äther, was mich natürlich freut. Zum Znacht eine kulinarische Entdeckung: Adcheke, sieht ähnlich aus wie Couscous, ist aber aus Maniok hergestellt und schmeckt lecker.
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Dienstag, 16. Januar
Ich begleite meine Kollegin Agate an das Atelier de formation des communica-teurs sur la lutte contre les troubles dus à la carence en iode au Mali. Iodman-gel scheint hier ein grosses Problem zu sein. Vorerst beschaeftigen die Teilnehmer aber andere Probleme, es gilt einen „Chef de village“ fuer das dreitaegige Seminar zu finden was zu einer laengeren Diskussion fuehrt (Frau oder Mann, Journalist oder Arzt?). Zudem werden Sanktionen fuer Fehlverhal-ten im Seminar festgelegt. Wer sein Handy nicht auf Vibration stellt muss eine Packung Bonbons spendieren. Ich muss mich aus zeitlichen Gruenden noch vor dem Fachteil verabschieden. Zunaechst muss ich aber mit dem Velo in die Reinigung, auf der Suche nach dem Seminar bin ich in fluessigen Teer geraten, alles ist schwarz. Ich finde einen guten Mann, der mir nicht nur das Rad, sondern auch die Fuesse reinigt, mit Benzin. Danach eine kurze Reparatur (dies-mal das Tretlager) und eine laengere Fahrt quer durch die sehr grossflaechige Stadt. In Magnambougou interviewe ich einen ruehrigen KMUMann, der in die Produktion von aus Lehm und Kokosoel hergestellten Seifen eingestiegen ist, dies alles mit Hilfe von koerperlich Behinderten. Spaeter treffe ich auf dem Rueckweg einen Milchproduzenten, er serviert mir einen halben Liter rohe Ze-bumilch, was fuer ein Segen nach der langen staubigen Velofahrt.
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Mittwoch, 17. Januar
Heute eher ein Buerolastiger Tag, ich produziere meine Seifenreportage, die fuer sendetauglich befunden wird. Am Nachmittag breche ich frueh auf, ich will mir ein Buch kaufen, kein einfaches Unterfangen in Bamako, es gibt etwa zwei Buchhandlungen. Die eine findet sich im Hotel NordSud, dort treffe ich drei Jurassier(innen). Sie sind mit zwei Autos bis hierhin gefahren, werden sie verkaufen und dann zurueckfliegen. Die Preise sind hier so gut, dass man sich so die Reise finanzieren kann, allerdings ist der Erfolg modellabhengig, lasse ich mir sagen, sehr gefragt sind Peugeot; Toyota und Mitsubishi, Renault und Nissan dagegen eher weniger. Am Abend entdecke ich einen Petanqueclub im Park des Kulturpalasts, ich werde sofort zum mitspielen eingeladen, ein ziemlicher Kontrast zur Josefswiese in Zuerich, wo die Alteingesessenen am liebsten unter sich spielen.
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Donnerstag, 18. Januar
Heute Morgen ist Gerichtstermin, der oberste Gerichtshof verhandelt ueber die Klage eines nicht gewaehlten Kandidaten fuer den Vorsitz der nationalen Han-delskammer, ich friere zum erstenmal hier (die Aircondition ist auf unter Null gestellt) obwohl ich sogar Socken angezogen haben angesichts der ehrenvollen Umgbebung. Der Entscheid wird nach wortreichen Plaedoyers zahlreicher An-waelte vertagt. Am Nachmittag steht Sport im Mittelpunkt. Ich begleite unsere Reporter zum Spiel im fast leeren riesigen Stade Modibo Keita (so hiess der erste Praesident von Mali 1960). Radio Kledu uebertraegt jeden Match live. Ich bin ueberrascht wie wenig Material noetig ist: Ein Sender in Schuhschachtelgroess, eine Antenne, ein paar Kabel und zwei Mikrophone. Meine Kollegen Ousman und Kaba gehen voll mit, schreien, lachen, analysieren. Ich mache eine Reportage ueber ihre Arbeit, die am Montag ueber den Sender gehen soll. Zudem geniesse ich statt einer Wurst am Match erstmals eine Orange a la malienne: sie wird geschaelt (nur die aeusserste Schicht) und dann schneidet man oben einen kegelfoermigen Deckel raus, schneidet mit einem Messer ein paar Mal ins Fleisch, so dass sich der Saft besser loest und erhaelt so eine Art natürlichen Becher Orangensaft, den man durch druecken staendig vermehren kann. Schaelen und oeffnen; das alles macht natuerlich die Verkaeuferin, welche die Orangen auf bewundernswerte Weise auf dem Kopf balanciert und man kann dann nur noch druecken und trinken. |
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Freitag, 19. Januar
Ich brauche recht viel Zeit fuer meine Fussballreportage heute, am Schluss sind Chef und Produzent zufrieden und sie kommt am Montagmorgen ins Journal. Fuer mich ist sie etwas grenzwertig, da mit viel Eigenwerbung verbunden, aber punkto Fussball scheint Kledu wirklich das Mass aller Dinge, man kann fragen wen man will, alle hoeren Fussball auf Kledu. Netterweise erwaehnen mich meine Kollegen immer als Teil des Reporterteams obwohl ich eigentlich nur ein bisschen dortsitze und nichts sage, waere auch etwas schwierig, weil die Re-portagen in der Nationalsprache Bambara erfolgen, ein Idiom, das mir etwa so fremd ist wie japanisch (immerhin kann ich schon Fleisch mit Brot sagen: Sogo ani buru). Trotzdem verhilft mir die Erwaehnung meines Namens (ich heisse hier immer nur Adrien ohne Nachname) zu einem gewissen Bekanntheitsgrad; meine Bekannten im Quartier kommen jedes Mal zu mir, um mir zu sagen, dass sie meinen Namen oder eine meiner kleinen Reportagen gehoert haben. Am Abend gehe ich noch ein zweites Mal ins Stadion, die Stimmung ist super, keine Hooligans, nur Trommler, die waehrend 90 Minuten ununterbrochen auf ihre Djembes eindreschen, mein Kollege Ousman "Man" Traore, der schnellste Ra-dioreporter, den ich je gehoert habe betet in der Pause, waehrend ich mir ein paar Nuessli und ein Eingeklemmtes mit Zwiebeln, Fleisch vom Grill, fritierten Kochbananen, Pommesfrites, Piment, alles uebergossen mit einem kraeftigen Schluck Oel goenne. |
Radiobeitrag |
Samstag, 20. Januar
Heute ist Waschtag in der Auberge wo ich hause. Das schöne ist hier, dass die Wäsche schon nach zwei Stunden trocken ist wenn man sie aufhängt. Deshalb hat es immer genug Platz auf der Leine. Am Nachmittag besuche ich meinen neuen Freund Seni im Carrefour des jeunes, er lernt dort neue Batiktechniken. Der Carrefour de jeunes ist ein grossflächiges Gelände, wo Jugendliche und weniger Jugendliche fast alles lernen können, vom Schreinern bis zum Informatiklehrgang. Später wir sein neues sehr spartanisches Zimmer bei einer maline-sichschen Familie. Daneben hänge ich ein bisschen im Quartier rum, lasse mein Velo reparieren und telefoniere, ein richtig fauler Samstag.
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Sonntag, 21. Januar
Ich beschliesse, dass es jetzt einmal an der Zeit ist, die Stadt zu verlassen. Auf Empfehlung meines Guides besuche ich Siby, 50 km ausserhalb der Stadt. Ich nehme zuerst ein Taxi ins Zentrum, dort besteige ich ein Sotrama an den Stadtrand und dort ein anderes Sotrama nach Siby. Sotramas sind Kleinbusse, das wichtigste OeV-Mittel, meist Toyotas, gruen gestrichen und fast immer in einem Zustand, dass man sich fragen muss, wieso sie überhaupt noch fahren können. Sotramas fahren erst wenn sie voll sind, das heisst mindestens 18, meistens aber deutlich mehr Leute, dazu aber später mehr. Kaum verlassen wir die Stadt verwandelt sich der Asphalt in Piste, die Mitreisenden ziehen ihre Staubmaske über, ich bin überrascht wie schnell man hier im Busch ist. Ab und zu ein Dörflein, klischeehaft, runde Lehmhütten mit Strohdächern, sonst Sahel, viel rote Erde, viele Mango-, Karite und Tamarindenbäume und Buschwerk. In Siby werde ich umgehend vom premier guide en ville in Beschlag genommen, er führt mich zu einem spektakulären Naturschauspiel, dem Arche de Kamadjan, einem riesigen Felsbogen, gemäss der Legende durch einen einzigen Faustschlag eines grossen Kriegers entstanden, sicher ein Kraftort, sehr schöne Aussicht, frische Luft. Später miete ich ein Motorrad inkl Fahrer namens Oumar und wir fahren über Stock und Stein 17 km zu einem wunderbaren Wasserfall, wo man darunter baden kann, ein richtiges Geschenk, den Staub abspülen und abkühlen, sehr schön. Der Rückweg nach Bamako wird zum Höllenritt, der Sotramafahrer will vor Dunkelheit in Bamako sein, das Fuder ist so überladen, dass mei-ne Beine so fest zusammengedrückt sind, dass ich keine Hand zu meiner Tasche darunter bringen würde um den Fotoapparat herauszunehmen weil die roten Berge so schön aussehen im Abendlicht, aber die Hände wären sowieso nicht frei, weil mann sich festhalten muss. Zurück in meinem Quartier Badalabougou küsse ich fast den Boden aus Dankbarkeit mein Ziel heil erreicht zu haben.
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Montag, 22. Januar
Am morgen besuche ich den Milchproduzenten, den ich kürzlich kennengelernt habe, wir fahren mit dem Scooter dem Niger entlang zu seinem Gehoeft, er kreuzt die heimischen Zebus mit europaeischem Redholsteinblut, das gibt mehr Milch. Er verabschiedet mich mit einer Packung Nono Kumu, gefrorene Sauermilch im Plastiksäcklein, ein feiner Snack. Danach Rückweg auf die Redaktion, Sitzung, ich rege an etwas über das bevorstehende Gurtenobligatorium zu machen und fasse gleich den Job. Am Abend eine Runde Petanque im Park, da der Strom mehrmals ausfällt spielen wir teilweise im Scheinwerferlicht eines Mitspielers. Le mal du Mali bemerkt einer nach dem dritten Ausfall, leider nicht das einzige aber das schöne ist, dass es hier für jedes Problem eine Lösung gibt. Ils sont des sacrés bricoleurs, les maliens.

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Dienstag, 23. Januar
Den Tag beginne ich heute im Lädeli um die Ecke (ein eher schitteres Barackli mit einem schiefen Tisch und einem wackligen Regal voller Konserven und ei-nem Sack mit Brot und einer Bratpfanne auf Gas und einem Fernseher geführt von zwei Brüdern) mit einer Omelette im Baguette; dazu ein Caféaulait à base de Milchpulver und Nescafé, eher eigener Geschmack aber nährt wunderbar. Danach besuche ich mit meiner Kollegin Assa die Journées minières du mali, grosses Stelldichein der Rohstoffausbeuter und der zuständigen Behörden, im Centre de congrès. Praesidiert wird die Angelegenheit vom Premierminister Ousman Iussuf Maiga, es ist fast wie an der Olma-Eröffnung, mässig spannen-de Reden und anschliessender Rundgang durch die Messe, einzig das Ferkel-halten fehlt hier. Mali ist der drittgroesste Golproduzent Afrikas und im Norden wittert man Erdölvorkommen, die Investoren aus allen Herren Ländern stehen jedenfalls Schlange, die EU-Ambassadrice hofft, dass das erwirtschaftete Geld dem darbenden Volke zugute kommen wird, es wäre nicht das erste Mal, dass eine solche Hoffnung enttäuscht wird. Ich verlasse den Anlass recht umgehend und widme mich meiner Strassenumfrage zum Thema Sicherheitsgurten, lusti-gerweise beteuern alle, dass sie Gurtentragen super finden, auf der Strasse sieht man aber kaum jemanden der sie wirklich trägt, on verra, am 1. Februar ist Stunde der Wahrheit. Heute kriege ich auch erstmals das sagenumwobene Buch „ATTcratie – la promotion d’un homme et de son clan“ in die Hand. Das in Paris erschienen Werk eines Anonymus namens Sphinx kritisiert kenntnisreich die Korruptheit der Präsident Amadou Toumani Touré (ATT) und seiner Entou-rage und ist hier seit Wochen eines der Hauptthemen in der politischen Diskus-sion. Umso mehr als dass Ende April Präsidentschaftswahlen stattfinden in denen ATT sein zweites Mandat anstrebt.
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Mittwoch, 24. Januar
In weiser Voraussicht habe ich am Vorabend von einer Strassenverkäuferin ein paar Büschel Minze gekauft und braue mir daraus einen Tee zum Zmorge, ein richtiger Segen, wirklich extrem fein, mit nicht zu knapp Zucker, wie fast alles Süsse hier. Dann begleite ich meine Kollegin Celia zu einer Pressekonferenz über das festival sur le Niger. Dieses dauert vom 1. bis zum 4. Februar und findet in Segou, 260 km nordöstlich von hier, statt. Bei uns würde man das Openair nennen, Musik, Workshops aber auch eine Landwirtschaftsmesse, eine Kombination der ich nicht widerstehen kann. Inshallah fahr ich dorthin, zum Auftakt einer Reise die mich bis nach Timbuktu führen wird, wenn alles gut geht. Gestern habe ich bei Kledu den Direktor eines dortigen Radiosenders getroffen, der mich gleich eingeladen hat. Am Nachmittag fabriziere ich die Reportage über die Gurtenträger, bzw Nichtträger. Am Abend trinke ich noch ein bisschen Tee mit meinen Kumpels vom Grin an der Rue 110. Sie sind sehr interessiert an meinem Job und halten mich auf dem laufenden über die Quartiergeschichten, ich erfahre zB dass morgen gleich visavis eine Hochzeit stattfindet. Manchmal dokumentiere ich sie auch mit Infos, Fa, der Maitre de thé, ist extrem interessiert an Pink Floyd und ich habe ihm deshalb die gesamte Wikipediapage über die Band ausgedruckt in der Bude.
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Donnerstag, 25. Januar
Noch einmal Minzentee, heute mit Nicolas, der vor einigen Tagen aus Frankreich angereist ist. Es hat viele französische Touristen in unserer Gasse. Gleich nebenan betreiben eine Schweizerin und ein Franzose eine zweite Herberge, wo ich ab und zu ein Bier trinke, ein Produkt das es hier im Gegensatz zu fast allem anderen nicht an jeder Ecke gibt. Die Touristen reisen mit allem möglichen Gerät. Jeeps, Lastwagen, Busse, Töffs, einige mit extrovertierten Aufschriften die plagieren wo man schon überall war und noch hin will. Kürzlich sind auch ein paar Töfflibuben mit Motobecanes aus Frankreich angetuckert gekommen. Nach dem Zmorge besuche ich Jean-Luc Virchaux, er leidet die Schweizer Konsularagentur und ist damit so etwas wie Ambassadeur, obwohl unser Botschafter in Dakar, Senegal sitzt, da Mali zu klein ist für eine eigene Ambassade, obwohl es mehr als doppelt so gross ist wie Frankreich, aber, en fait, le Mali est petit, wie mir kürzlich einer sagte, jeder kennt hier jeden oder man ist zumindest verwandt. Item, Virchaux meinte lächelnd, im Gegensatz zum Botschafter verfüge er über ein Budget. Als Leiter der Deza-Vertretung in Bamako verteilt er jährlich immerhin 12,5 Millionen Franken. Eines der Schwergewichte der Schweizer Hilfe ist die Dezentralisierung der Administration und der Mittelverteilung. Laut Virchaux werden 80 Prozent der Staatsausgaben in Bamako an Ministerien und andere Staatsorgane verteilt, 13 Prozent gehen an die 8 Regionen und lediglich 7 Prozent an die Gemeinden. Er empfiehlt mir den Besuch eines entlegenen Projekts im Norden, darauf freue ich mich. Am Nachmit-tag mache ich mein erstes Radiointerview mit einer Verkehrsspezialistin zum Thema Unfallverhütung. Marie Madeleine Togo ist eine sehr kompetente Gesprächspartnerin und wir zeichnen ein gut zehnminütiges Interview auf, das morgen in der Rubrik invitée du jour über den Aether gehen soll. Zuvor bereite ich noch schnell ein paar Ausschnitte für das 17hJournal auf, ziemlicher Zeitdruck. Zum Znacht esse ich wie häufig in meiner Lieblingsgassenküche Spaghetti, Bohnen, Spiessli, Zwiebel, Brot und zum Dessert eine Orange, Kostenpunkt 60 Rappen. Ich bringe der Köchin ein Foto das ich kürzlich von ihr gemacht habe, sie freut sich sehr.
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Freitag, 26. Januar
Ich verbringen den Morgen mit einer Veloreparatur und Geldwechsel. Heute ist das Licht zu flicken, das dauert eine Weile und gibt Gelegenheit neue Leute kennen zu lernen, man findet es hier eher etwas exotisch, dass ein Weisser mit dem Velo rumfährt, dem Töff des armen Mannes. Ich bin aber tendenziell reich hier. Für den Wechsel meiner Travellerchecks werde ich vom Chef d’agence zu einem kleinen Schwatz in seinem Büro empfangen. Er schaut sich die Checks aufmerksam an und vertraut die Angelegenheit anschliessend einem Kassier, der mir nach einiger Zeit ein Bündel Noten in die Hand drückt. Das Papiergeld, vor allem das am meisten verwendete Tausendernötli (2 Fr 50) ist meistens in lamentablem Zustand, gezeichnet vom Einsatz in öltriefenden Garküchen und anderen manchmal harten Touren den die Francs CFA hier zu durch-laufen haben. Sonst ist heute ein eher ruhiger Tag, deshalb bleibt Platz für zwei allge-meinen Betrachtungen über Frauen und Männer: Zuerst zur Anlegung der Männer. Diese variiert stark. Im Berufsalltag trägt der Malinais an einem Tag Anzug und kann dann aber am Tag darauf möglicherweise im Bubu dem bodenlangen Männerrock, oder sonst einem Umhang auftauchen. Viel getragen werden auch Anzüge mit kurzen Ärmeln, das sieht lustig aus, ist aber angesichts der steigenden Temperaturen sehr nützlich. Bei Jungs wiederum stehen Fussballleibchen sehr hoch im Kurs, am populärsten sind mit Abstand Ronaldinho und Zidane, gefolgt von Deco, Eto’o und Drogba so zirka. Die Männer sind tendenziell ziemliche Macker, die die Frauen primär als willige Arbeitskräfte und - so entnehme ich den Gesprächen mit Arbeitskollegen und anderen Männern - als nicht ganz zurechnungsfähig betrachten. Das führt uns zu den Frauen. Kürzlich hat ein Guide gesagt: Elles restent mineures toute leur vie. Sie bleiben das ganze Leben Jugendliche, bzw nicht Mündige, könnte man das wohl übersetzen. Nach allem was ich bisher gehört habe ist das nicht ganz falsch. Der Mann entscheidet über sämtliche familiären Belange von Bedeutung, ganz zu schweigen vom Geschäfts- und Politalltag, wo ausschliesslich Männer das sagen zu haben scheinen. Zudem ist es so, dass junge Frauen bis zur Ehe unter der Fuchtel des Familienoberhaupts bleiben um dann in die Obhut des Ehemanns zu wechseln. Das alles ertragen die meisten Frauen mit scheinbar stoischer Ruhe, wobei die zunehmende Urbanisierung des Landes ziemlich sicher auch zu einer Stärkung der Rolle der Frauen führen dürfte. Dem gegenüber steht eine fast-Vergötterung der Frau als Mutter. Die Mutter ist eine Respektsperson die je nach Ethnie höher angesehen ist als der Vater. Noch ein Wort zum Stillen: Die La leche liga hätte ihre helle Freude hier, Frau stillt überall, seis im Sotrama, seis im Strassenrestau-rant oder im Konzert, wie ich heute Abend feststellen kann.
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Samstag, 27. Januar
Ich verbringe den Morgen auf einem Viehmarkt 30 km ausserhalb der Stadt. Es handelt sich um ein riesiges staubiges Gelände mit grossen Corrals links und rechts der Strasse nach Mauretianien. Das erste was ich nach dem verlassen meines Sotramas sehe ist die Metzgerei. Auf offenem Feld werden Stiere und Ochsen geschlachtet. Ziemlich ein harter Anblick. Man ist hier unzimperlich im Umgang mit dem Tier. Ein Stier der sich etwas wild gebärdet wir anschliessend zwecks Züchtigung eine halbe Stunde lang mit Steinen und Seilen und weitere üblen Methoden traktiert. Eher rudimentär sind auch die Transportmethoden. Hühner werden an den Beinen zusammengebunden und links und rechts an den Handgriffen beim Töff angehängt. Schafe und Geissen reisen auf dem Gepäckträger oder mit zusammengebunden Beinen rücklings aufgereiht auf Auto und Sotramadächern oder hinten im Kofferraum. Die Händler hier sind vor allem vom Hirtenvolk der Peul, die meist etwas hellere Haut haben als die Vertreter der übrigen Ethnien. Von denen schreibt der Nationalschriftsteller Amadou Hampaté Ba: Un peul sans troupeau est un prince sans couronne. Die Händler kaufen das Vieh en brousse, das heisst im Busch, in den endlosen Ebenen des Sahel, und führen es anschliessend hierher, wo es dann an Private oder andere Händler verkauft wird. Ein Grossteil des Rindviehs wird dann mit riesigen Lastwagen nach Senegal, Cote d’Ivoire und Burkina Faso exportiert. Neben dem Viehhandel ist der Drale, wie sich das Gelände nennt ein riesiger Waren- und Nahrungsmittelmarkt wo man von halben Rindern (frisch gemetzget) über Stoffe bis zum Velo alles erhält. Am Nachmittag mache ich eine Reportage über den Markt die dann am Montagmorgen als Magazin über den Aether geht.

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Reportage |
Sonntag, 28. Januar
Nachdem ich gestern für malinesische Verhältnisse hyperaktiv war, gönne ich mir etwas Ruhe. Ich lese, gehe essen mit meinen alten Kumpels vom Hotel, lerne von meinem Freund Seni aus Burkina wie man richtig von Hand Kleider wäscht, hänge etwas rum mit meinen Teefreunde von der Strasse nebenan und spiele Petanque. Bei allen Begegnungen fällt mir immer wieder auf wie engagiert die Leute miteinander diskutieren, sei es über Politik, Sport, aber auch Fragen wie die Infektionswege der Bilharziose oder die Tiefe des durchschnittlichen Brunnens in der Stadt. Man hat immer das Gefühl jetzt gehen sie sich dann grad an den Hals, aber weit gefehlt, plötzlich bricht bei sämtlichen Gesprächspartnern grosses Gelaechter aus und man gibt sich die Hand, bzw schlägt die Hände mit etwas Anlauf aufeinander, eine sehr häufig verwendete Geste hier.
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Montag, 29. Januar
Vor drei Wochen bin ich hier angekommen, in drei Wochen werde ich schon wieder in Zürich im Büro sitzen, inschallah, die Halbzeitbilanz ist sehr positiv, das Stage öffnet den Blick für die Realitäten auf dieser Welt, oder zumindest einige dieser Realitäten. Aber ich freue mich auch auf die Rückkehr, meine Kinder fehlen mir oft sehr, Freunde und Freundinnen auch und manchmal ein kühler Wind im Gesicht. Jetzt habe ich bald Ferien, ist auch höchste Zeit nach drei Wochen strenger Arbeit… Am Donnerstag breche ich Richtung Norden auf; zuerst ans Festival sur le Niger in Segou (www.festivalsegou.org) dann weiter nach Youvarou. Ich treffe mich heute morgen am Deza-Sitz mit den Verantwortlichen für dieses entlegene Projekt in einem Städtchen, das während dem grössten Teil des Jahres nur mit der Piroge erreichbar ist, wir verabreden uns für kommenden Sonntag in Mopti, dem Venedig von Mali, von wo aus wir gemeinsam weiterreisen werden. Am Abend bin ich beim Radiodirektor Jacques Dez eingeladen, er wohnt in einem prächtigen Haus mit Swimmingpool und Dachterrasse. Edel und sehr weit weg von den Realitäten des malinesischen Durchschnitts-Alltags. Im Lauf des Abends geraten sich die malinesische Ehefrau des Direktors, Djeneba und der ebenfalls anwesende einheimische Kledu-Chefredaktor Bakcy in die Haare: Das Thema ist die Rolle der Frau, Bakcy plaediert für eine extrem traditionelle Frauenrolle (la femme doit rester au foyer et s’occupper des enfants) während Djeneba davon die Nase gestrichen voll hat, ein spannender Abend.
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Dienstag, 30. Januar
Am morgen unternehme ich den ersten Anlauf für einen Besuch bei Batex-Ci. Diese Firma stellt bedruckte Textilien her, wie man sie hier an jedem Anlass sieht, zum Bei-spiel an den Journées minières du Mali, wo die Organisatoren geschlossen in gelbem bedruckten Stoff auftraten. Auch die Schüler im Lycée neben meiner Auberge tragen alle Batex-Ci-Schuluniformen. Als Spross einer stillgelegten Emmentaler Textildynastie bin ich natürlich brennend interessiert, der Direktor vertröstet mich aber auf morgen, so spontan könne er nicht. Kein Problem, ich besichtige dafür die Druckerei neben unserer Radiostation. Sie gehört dem gleichen Geschäftsmann namens Coulibaly der auch im übrigen Mali an etwa der Hälfte der Besitztümer beteiligt ist, unter anderem ist er auch hälftiger Besitzer der Insel im Niger von der aus wir senden und die im übrigen ein schi-ckes Wohnquartier ist. Koulo, wie er von allen genannt wird, baut sich nebenan auch noch einen Palast wie ich ihn noch selten gesehen habe, mitten in einem prächtigen Urwaldähnlichen Park mit riesigen Bäumen, derzeit sind nordkoreanische Maler daran, Fresken zu gestalten, nicht mit Kim Jong Il sondern mit Koulos Ahnen, ein Wahnsinnsprunk, obwohl der Bauherr als eher bescheiden gilt. Am Nachmittag nehmen ich und einige Kollegen an der Beerdigung des Vaters eines Kledu-Sportreporters teil. Eine eher spartanische Angelegenheit, die Männer treffen sich vor dem Haus des Verstorbenen unter einem Zeltdach zum ausführlichen Gebet, während sich die Frauen im Innenhof versammeln, einige Leute begleiten den Toten zum Friedhof, während die übrigen Gäste zuhause auf deren Rückkehr warten und anschliessend ohne Verpflegung den Heimweg antreten. Das ganze dauert etwa drei Stunden.
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Mittwoch, 31. Januar
Heute habe ich einen Termin bei Batex-Ci, der Direktor empfängt mich und gewährt ein Interview, er ist Senegalais, wie viele Kaderleute hier, er schimpft ungehemmt über die faulen Malinais und sagt, sie wollten nicht arbeiten, sei erst einmal der Lohn ausbezahlt, komme gar niemand mehr zur Arbeit. Ist wohl etwas übertrieben, aber der anschlies-sende Betriebsrundgang bestätigt seine Aussagen teilweise, immerhin hat es noch Leute in der Fabrik, aber überall wo wir reinplatzen hängen die Leute in den Seilen, spielen Karten oder trinken Tee und machen dann kurz ein bisschen auf Aktivismus. An der Gewebe-Druckmaschine aber herrscht Hochbetrieb, derzeit druckt Batex-Ci die Wahlkampagne des amtierenden Präsidenten Amadou Toumani Touré (ATT). Auf dem Stoff steht: „ATT – Pour un Mali qui gagne“... on verra. Am Nachmittag mache ich eine Reportage über meinen Fabrikbesuch und hole meinen Pass am anderen Ende der Stadt ab, ich musste ihn am morgen dort deponieren für die Visaverlängerung, das geht bei genügendem Mitteleinsatz nicht einmal ein Tag und braucht nur zwei Passfotos, die man praktischerweise grad um die Ecke unter einer Blache machen kann.
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Donnerstag, 1. Februar
Heute also breche ich zu meiner grossen Reise auf, zumindest meine ich das aber es kommt eben meistens anders als man denkt aber dazu später mehr. Also, wir sind insgesamt sieben Leute von Radio Kledu, die sich ans Festival von Segou begeben, drei Redaktoren, zwei Administratoren, ein Chauffeur und ein Stagiaire. Die morgendliche Fahrt geht 260 km über eine relativ gute Strasse. Das Asphaltband ist allerdings so schmal, dass zum Beispiel kreuzen mit Lastwagen nicht immer einfach ist. Wir kommen am Mittag in Segou an und mir geht’s ziemlich schlecht, ich hatte schon vor der Abfahrt zwei Tage Durchfall und die Fahrt gibt mir den Rest. Ich habe Fieber und lege mich bei meiner netten Gastfamilie gleich ins Bett wo ich etwa die nächsten 24 Stunden verbringe.
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Freitag, 2. Februar
Heute geht’s mir etwas besser aber ich beschliesse trotzdem, dass ich mich etwas erholen muss bevor ich Richtung Timbuktu weiterreisen kann, Reisen in Mali ist – so scheint mir jedenfalls – recht harte körperliche Arbeit und es ist von Vorteil wenn man fit ist. In Segou beginnt heute das Festival. Die Stadt ist voll von Festivaliers, viele Weisse und viele Händler aus Bamako, die alle fast das gleiche verkaufen wollen, Ketten, Tücher, CDs. Segou ist eine kolonial geprägte, eher ruhige Stadt mit etwa 200 000 Ein-wohnern direkt am Niger. Die Ambiance erinnert mit den vielen grossen Bäumen entlang der Strassen manchmal etwas an Südfrankreich, jedenfalls ein guter Rahmen für das Festival, das sich vor allem am Flussufer abspielt. Konzerte, Folklore und Diskussionen sowie eine foire agricole stehen auf dem Programm (letztere besteht allerdings nur aus ein paar mageren Ständen mit Hirsesäcken und anderem) Das Festival will sich auch der Präsident nicht entgehen lassen. Wir werden auf der Terrasse eines Restaurants Zeuge seiner Einfahrt, der Konvoi umfasst rund 20 Fahrzeuge, darunter Ambulanzen und Pick-Up-Trucks mit Sondereinheiten. ATT selber lässt sich in einem weissen Humer transportieren und winkt beim vorbeifahren huldvoll. Nach etwa einer halben Stunde kommt der ganze Zirkus in umgekehrter Richtung noch einmal vorbei und blocht dann zurück Richtung Bamako. Am Abend besuchen wir das grosse Konzert am Flussufer (das Publikum am Ufer, die Bühne auf dem Fluss). Die Stimmung ist schön, eine laue Nacht, fast Vollmond und viel Malimusik, die mir zwar manchmal auch ein bisschen redundant vorkommt langsam.
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Samstag, 3. Februar
Ich wohne hier in Segou gemeinsam mit unserem Chauffeur bei der Schwägerin des Radiodirektors. Aminata, die Hausherrin ist eine sehr herzliche Frau, die nicht nur ihre beiden Söhne sondern auch eine ganze Reihe von Kindern jeden Alters aus ihrer Verwandtschaft bei sich beherbergt. Ihr Mann dagegen, ein Zöllner, ist nur sporadisch zuhause, was sie sehr gut findet, es gebe nur Probleme, wenn er zuhause ist, sagt sie mir augenzwinkernd bei einem unserer Gespräche. Ihr Haushalt ist vor allem ein riesiger Hof, wo unter anderem gekocht wird, daneben gibt es eine Koppel mit Schafen und einige Hühner die herumspazieren. Der Hof ist holprig und weder asphaltiert noch sonst irgendwie besetzt. Trotzdem wird er von einem der Mädchen täglich gewischt und zwar wie immer hier in Mali mit einem kurzstieligen Beseli. Das wäre wohl noch eine Marktlücke hier, Besen mit Stiel. Wobei die Malinais so traditionsverbunden sind, dass eine solche Revolution wohl Jahrzehnte in Anspruch nähme. Rechts vom Hof der gegen die Strasse abgezäunt ist, gibt es ein schmales Haus mit etwa vier, fünf Zimmern, die nach Geschlechtern aufgeteilt sind. Davor gibt es eine Art gedecktes offenes Wohnzimmer, wo man isst und sich unterhält und etwa 14 Std pro Tag der Fernseher läuft, fast immer auf TF1, ausser wenn auf dem malinesischen Staatssender die brasilianische Soap Barbarita läuft, dann versammelt sich die ganze Familie gebannt vor dem Schirm, fast wie früher bei uns mit „Dallas“ und „Denver Clan“. Wir brechen am Morgen zu einem Reisli aufs Land auf. Aminata will ihren Marabout besuchen. Marabouts sind islamische Schriftgelehrte, die auch als Psychologen und Lebensberater fungieren. Aminata, die einen Teil ihres umfangreichen Haushalts mit Handel verdient, will sich den Segen holen fuer ihre bevorstehende Reise nach Dubai. Der Marabout haust also umgeben von seinen Koranschülern in einem eher bescheidenen Häuslein am Rande eines pittoresken Dörfchens namens Nankri an einem Nebenarm des Niger. Er empfängt Aminata im Hinterzimmer zu längeren Konsultationen und sie scheint am Schluss sehr vergnügt und ihre Angst vor dem ersten Flug gebannt. Unterdessen besuche ich mit Sury, dem Chauffeur und Ibrahim, Aminatas Sohn das Dorf. Wir steigen unter anderem auf die Moschee, die wie alle Häuser hier aus Banco gebaut ist. Bancomauern sind mit Backsteinen aus Erde und Stroh gebaut. Im Gegensatz zu Beton sind sie atmungsaktiv, das heisst, statt sich zu erhitzen, geben die Mauern immer etwas gespeicherte Feuchtigkeit ab, was ein sehr angenehmes Klima gibt.
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Sonntag, 4. Februar
Heute sitze ich lange im Hof am Schatten, es gibt viel zu sehen hier, Leute kommen und gehen, Mädchen und Frauen kochen Reis und Saucen, kleinere Kinder erhalten Aufträge von grösseren Kindern, grössere Kinder solche von Erwachsenen, Erwachsene solche von noch Erwachseneren... Die malinesische Gesellschaft ist sehr hierarchisch organisiert und alle scheinen diese Regeln zu akzeptieren. Beim Essen ist es so, dass man meistens in einer Gruppe zusammensitzt, in der Mitte eine grosse Schüssel wo die Dinger gemischt werden, zum Beispiel Reis mit Sauce und Fleisch, oder Salat mit Pommesfrites und Brotstücken und dann essen alle mit der Hand aus der gleichen Schüssel. Am Schluss wäscht man sich die Hände in einem Schüsselchen. Das gemeinsame Essen und Hände waschen verkörpere die familiäre Zusammengehörigkeit und stärke die Liebe zwischen den Familienmitgliedern, sagt mir Aminata. Ich beende den heutigen Tag mit einem sehr schönen Ausflug. Ich nehme die Fähre über den Nil zu einem Fischerdörfli auf der anderen Seite. Aus der pulsierenden Stadt gerät man in eine andere Welt. Das Leben hier ist sehr einfach, sehr archaisch, sehr idyllisch auf den ersten Blick, aber sicher sehr hart. Und direkt hinter den paar Häusern beginnt der Busch, aus dem die Leute kubikmeterweise Holz und andere Landwirtschaftsprodukte anschleppen um sie dann mühsam auf Pirogen zu laden und auf der anderen Flussseite an die Städter zu verkaufen. Auf dem Rückweg der Sonnenuntergang, sehr schön.
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Montag, 5. Februar
Wir fahren sehr früh zurück Richtung Bamako. Dort angekommen treffe ich mich mit meinem Freund Seni. Er rät mir dringend zum Arztbesuch, weil ich immer noch nicht gesund bin, also tun wir das. In der „Clinique Pape“ werde ich sehr speditiv behandelt. Es ist wie „Fastmedicine“. Man geht an die Kasse, bezahlt 3000 Francs für eine Konsultation und kann dann zum Arzt. Dieser verschreibt mir einige Medis und eine Stuhlprobe. Zurück an die Kasse: 3000 Francs für eine Stuhlprobe und am Abend kann man die Resultate abholen. Dr Camara ist zufrieden, die Resultate der Probe zeigen, dass er mir das richtige Traitment verschrieben hat.
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Dienstag, 6. Februar
Heute ist der Tag gegen die Beschneidung der Frauen, die sogenannte Excision. Hier in Mali ist die Praxis extrem verbreitet, bis zu 90 Prozent der Frauen sollen beschnitten sein. Die dadurch verursachten Gesundheitsprobleme sind enorm und es gibt mittler-weile viele Organisationen die gegen die Beschneidung kämpfen und auf dem Land Aufklärungsarbeit betreiben. Meine Redaktionskollegin Agate macht einen Schwerpunkt zum Thema und erzählt wie schwierig es ist, mit den Leuten darüber zu reden, wenn man eine Strassenumfrage mache riskiere man ernsthaften Streit, sagt sie. Eine nicht beschnittene Frau sei sehr schwierig zu verheiraten und deshalb fahre man fort mit der Beschneidung. Die Eingriffe finden meist unter prekären Verhältnissen statt, da die Spitäler nicht mehr bereit sind Beschneidungen vorzunehmen. Eine komplexe Problematik und wahrscheinlich braucht es Jahrzehnte bis die Excision verschwindet. Ich bin unterdessen an einem gemütlicheren Thema. Ich mache als Abschiedsarbeit eine Serie über die Schweiz. La Suisse en 5 minutes – notre stagiaire nous raconte de son pays. Dafür mache ich heute unter anderem ein Interview mit Jean-Luc Virchaux, dem Deza-Direktor hier in Mali. Am Abend fasse ich meine erste Busse nachdem ich zum ersten, wirklich ersten Mal ein Rotlicht überfahren habe.
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Mittwoch, 7. Februar
Heute besuche ich zwei der zahllosen Schneider in den Strassen von Bamako und lasse mir zum ersten mal Mass nehmen, chez Fofana Creations (Costume, veste, abacoste de grande classe), es gibt einen Anzug mit kurzen Ärmeln, habe ich beschlossen, ist sicher praktisch für repräsentative Zwecke im Zürcher Sommer der ja wohl früher oder später kommen wird. Dazu gibts noch ein paar Aufträge für den Damenschneider, ich kaufe Stoff auf dem Markt und lasse mich im Katalog beraten. Der Schneiderberuf wird hier ausschliesslich von Männern ausgeübt, sie sitzen meist zu viert oder mehr in winzigen Ateliers an museumsreifen Nähmaschinen. Daneben gibt es auch fliegende Schneider. Die erkennt man daran, dass sie mit ihren handbetriebenen Nähmaschinen auf dem Buckel durch die Strasse wandeln und sich niederlassen wo ihre Dienste gefragt sind. Im Radio arbeite ich derzeit an meiner Serie über die Schweiz; sie ist etwas Schulfunkmässig, aber die Leute finden das hoffentlich trotzdem ein bisschen interessant, es gibt nach jedem Teil Schweizer Musik, zB Alphorn von Hornroh, Englisches von Lunik und Glück von Züri West (zur Dokumentation der merkwürdigen Sprache, die in der Schweiz unter anderem gesprochen wird). Am Abend esse ich mit meinem Freund Seni beim Senegalais ein Sandwich mit undefinierbarem Fleisch und viel Mayo; eine Wohltat nach den unzähligen Bananen.
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Donnerstag, 8. Februar
Ich gebe meiner Serie den letzten Schliff und verabschiede mich für eine Woche von meinen Kollegen; morgen will ich auf Reisen gehen, bin noch nicht ganz sicher wohin, entweder Youwarou oder der alte Kindheitstraum Timbuktu. Jedenfalls kaufe ich mir in der Autogare mal ein Ticket bis Teriyabougou, ein Ökotourismusprojekt an einem Nigernebenfluss; habe Lust ein bisschen zu chillen. Nachher besuche ich ertsmals einen Supermarkt. Davon gibt es ein paar in Bamako und sie sind allesamt im Besitz von Libanesen. Bei Azar gibt es alles was das (westliche) Herz begehrt. Ich kaufe mir für den Preis von drei durchschnittlichen Nachtessen ein Snickers und für nochmal soviel eine Glace und sitze vor den Supermarché und lasse alles auf der Zunge schmelzen, ein Genuss, aber eigentlich habe ich alles das hier gar nicht vermisst, ausser vielleicht eine Bratwurst mit Bürli, aber das gibt es sogar bei Azar nicht.
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Freitag, 9. Februar
Ich habe für den 9 Uhr 30 Bus gebucht und mache mich nach dem Packen frischfröhlich auf den Weg. Mein Busunternehmen ist Bittartrans, eine von zahlreichen, allesamt privaten Gesellschaften die querlandein ihre Dienste anbieten. Die Autogare ist ein zusammengewürfeltes Konglomerat der Sitze dieser Unternehmen. Wir fahren mit einem alten österreichischen ÖV-Bus (Ausstieg hinten, Bitte nicht mit dem Fahrer sprechen) Richtung Mopti, eine Stadt die rund 600 Kilometer von Bamako entfernt im Nordosten des Landes liegt und auch Venedig von Mali genannt wird, doch dazu später mehr. Die Fahrt im Bus ist kurzweilig, wir sind eine bunte Mischung von Müttern mit Kindern, Handelsreisenden und einem Tourist. In Segou, das ich bereits vom Festival kenne machen wir Mittagshalt, im Bittar Fastfood gibt es Reis mit Sauce. Dann geht es weiter über das schmale Asphaltband, interessanterweise gibt es in Mali bei der Einfahrt zu und der Ausfahrt von jeder grösseren Ortschaft Zollkontrollen. Die Grenzkontrolle ist angesichts der gut 7000 Kilometer Grenzlänge eher bescheiden und darum konzentriert man sich auf die Städte wo die meiste Ware ja hin oder zumindest passieren soll. An diesen Posten steigt dann jeweils der Fahrer von Bussen, Sammeltaxis und Lastwagen (PWs passieren ungehindert) aus und grüsst ein paar Uniformierte, die in den typischen gemütlichen Malistühlen im Schatten eines Baumes vor sich hindösen und drücke diesen ein Nötli in die Hand. Unterdessen wird der Bus bzw. dessen Passagiere in Belag genommen durch eine Horde von Händlerinnen und Händlern die sich mit Wasser, Früchten, Krem Glassi, gegrillten Fischen, Sesam-Honigbarren (sehr lecker) usw. an den Türen drängen. Passagiere die etwas kaufen wollen, öffnen ein Fenster oder gehen zur Türe und überreichen Geld gegen Ware und natürlich haben die Händler alle kein Münz und dann gibt es manchmal wüste Szenen weil mittlerweile der Fahrer zurückgekehrt ist, langsam losrollt und die Hälfte der Händel noch gar nicht abgeschlossen ist, aber es gibt auch hier immer eine Lösung und im Notfall schmeissen die Passagiere das nötige Kleingeld noch zum Fenster raus auf die Strasse wo es von den Händlern zusammengeklaubt wird. Ich steige in Kemeni, etwa 100 Kilometer hinter Segou aus. Ein Onehorsetown wie die Amerikaner sagen würden, Pferde gibt’s wohl keine, dafür viele Esel, die zum Teil auf der Strasse rumstehen und ein paar kartenspielende Männer vor der Telefonkabine, mit denen ich ein bisschen plaudere. Nach zwei Stunden holt mich der Fahrer des Ökoferiendorfs ab. Er hatte eine Töffpanne, drum gings etwas länger. Dann fahren wir zum Sonnenuntergang 30 Kilometer über Pisten, eine schöne Fahrt und als wir ankommen ist es stockfinster, ich gönne mir einen Dreigänger und zwei Bier.

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Samstag, 10. Februar
Teriyabougou ist ein sehr schöner Ort wie ich am Morgen feststelle, ein grosser Park eigentlich mit Gemüsegärten, Tiergehegen, Bungalows, vielen schönen riesigen Bäumen (vor allem Eukalyptus) mit vielen prächtigen Vögeln und Fledermäusen und einem Pool. Ich fläze mich nach dem Zmorge in eine Hollywoodschaukel am Bani, der direkt vor meiner Nase vorbeifliesst, er ist ein Nebenfluss des Nigers und trotzdem viel breiter als alles was ich aus der Schweiz kenne. Ab und zu kommt ein Fischerboot vorbei, sonst passiert wenig, ich lese den ganzen Tag in den Memoiren von Malis Nationalschriftsteller Amadou Hampaté Ba. Das Buch heisst „Amakoullel, l’enfant Peul“, eine sehr spannende Lektüre, die vieles erklärt, was ich hier so gesehen habe und nicht wirklich verstanden. Ich geniesse den Frieden und treffe ein paar andere Leute, die Gäste sind allesamt weisse Touristen und Expats auf Erholungssuche. Eine junges deutsches Paar mit zwei kleinen Kindern erzählt mir von ihren Erlebnissen, sie sind hier seid einem halben Jahr und wollen insgesamt drei bleiben, er arbeitet für den deutschen Entwicklungsdienst in einem Abfallprojekt. Sie sucht noch einen Job und bringt ihre Kinder mit Velo und Kindersitz in den Hort in Bamako. Fast wie zuhause.
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Sonntag, 11. Februar
Heute morgen breche ich beizeiten auf, ich kann etwa hundert Kilometer mit einer holländischen Reisegruppe im Kleinbus climatisée fahren. Ein schräges Erlebnis, die Reiseleiterin erzählt mir in der Kaffeepause, dass sie ihre extrem anstrengend findet, sie seien ständig am nörgeln über die Unwirtlichkeit ihres Gastlandes. Das kann ich mir gut vorstellen. Ich bin froh, als ich aus dem fahrenden Kühlschrank aussteigen kann. Die Holländer fahren nach Djenné, einer prächtigen Stadt, die etwas abseits der Hauptstrasse gelegen ist. Ich will aber weiter Richtung Mopti/Timbuktu und warte an der Kreuzung bei Reis und Sauce auf eine Weiterfahr-Gelegenheit. Dass einer weiter will spricht sich hier schnell rum und im Nu erhalte ich Platz in einem schrottreifen Golf mit zwei Männern die mit Schmuck unterwegs sind. Vor der Abfahrt müssen wir die Karre anstossen und vor Mopti kommen wir in eine Kontrolle, fehlende Versicherungsvignette plus weitere Mängel sorgen für längere Verhandlungen mit den diensttuenden Beamten und einer saftigen Busse von 5000 Francs. Schliesslich erreichen wir kurz vor dem Sonnenuntergang Mopti und ich ein Hotel namens Y a pas de problème, dem Motto der malinesischen Improvisationsgesellschaft. Auf einem abendlichen Spaziergang entlang des Nigers erwerbe ich mit viel Vorfreude ein Ticket für die Weiterfahrt per 4x4 Richtung Timbuktu am nächsten Tag. Die Nacht verbringe ich auf der Dachterrasse des Hotels. Mein Seidenschlafsack erweist sich als leicht zu dünn für die kühlen Temperaturen. Im Laufe der Nacht ziehe ich mich nach und nach immer wärmer an, am Schluss liege ich in Trainerjäggli, langen Hosen und Wollensocken unter meinem Mückengitter.
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Montag, 12. Februar
Heute kann ich auch endlich mal SUV fahren, wie alle die Frauen vom Zürichberg, die ich immer auf meinem Arbeitsweg sehe. Allerdings sind die Verhältnisse etwas enger als in einem Zolliker Rangerover wo neben der Fahrerin höchstens noch ein bis zwei gut gepolsterte Sprösslinge im Kindersitz mitfahren. Wir sind 14 insgesamt im Toyota Landcruiser, vorne der Fahrer plus zwei Passagiere, auf dem Mittelbank zwei feste Frauen, ein schmaler Mann, drei Kinder und ich und hinten noch drei Männer und eine Frau auf zwei knappen Längsbaenkli. Die Fahrt geht zunächst 200 Kilometer auf Asphalt bis Douentza. In diesem staubigen Nest biegt der Weg Richtung Timbuktu ab, es folgen 200 Kilometer Piste der eher ruppigem Sorte. Es ist zwar staubig und heiss, aber ich bin sehr glücklich, unterwegs nach Timbuktu zu sein. In der Abenddämmerung kommen wir am Niger an, wir müssen wie schon einige andere Gefährte und Reisende auf die Fähre warten. Ich unterhalte mich mit einem Mitreisenden aus Timbuktu. Er arbeitet seit sechs Jahren der in einer Forstunternehmung in Gabon und kommt das erste mal seit sechs Jahren nach Hause, er freut sich sehr. Er wird in den zweimonatigen Ferien unter anderem die Hochzeit feiern die er und seine Frau tausende von Kilometer voneinander entfernt auf dem Postweg geschlossen haben. Wir essen fritierten Nigerfisch und trinken dazu süssen Nescafé mit Milchpulver, eine feines Znacht. Nach einer Stunde tuckert die Fähre an. Eine Art fahrendes Floss. In völliger Finsternis fahren wir eine gute Halbestunde lang flussaufwärts nach Korombou, von wo aus es noch 15 Kilometer bis Timbuktu sind. Timbuktu ist nicht gerade wirtlich auf den ersten Blick. Nach einigem Suchen finde ich eine billige Herberge im Stadtzentrum. Müde und zufrieden schlafe ich unter dem prächtigen Sternenhimmel schnell ein.

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Dienstag, 13. Februar
Bei Bastos, meinem Herbergsvater, kriege ich eher elementaren Service, das WC strotzt von Kakerlaken, die Matratze stinkt nach Katzenpisse und das Zmorge ist Brot mit einem Schnitz la vache qui rit und Lipton. Allerdings ist das Brot das feinste seit ich in Mali bin, ein rundes Fladenbrot aus Vollkornmehl. Wie ich später sehe hat es in Timbuktu vor fast jedem Haus eine Brotbackofen aus Lehm, der mit Holz befeuert wird. Ich mache mich mit Benoit, einem Franzosen, den ich in der Herberge treffe, zum Stadtbummel auf. Timbuktu ist voll Sand. Heute morgen gibt es gleich einen leichten Sandsturm. Die Stimmung ist ganz besonders, dichte Sandwolken in den Strassen und eine stark beschränkte Sichtweite. Gegen Mittag legt sich der Wind und wir schlendern mit einem Zehnjährigen, der uns angesprochen hat, durch die engen Gassen. Er lädt uns zum Tee ein. Der Sand macht vor den Häusern nicht Halt. Im Wohnzimmer von Mohammed ist der Boden mit dem gleichen hellen Sand bedeckt wie die Strasse, die Matrazen zum schlafen liegen auf Plastikteppichen, die in Mali omnipräsent sind. Hier trinkt man den Tee etwas weniger stark als in Bamako, die Touaregs mögen ihn milder. Der Vater von Mohammed bietet uns allerlei Kunsthandwerk an, ich kaufe kein Schwert aber ein Holzkistchen das mit Kamelleder überzogen ist, ein schönes Souvenir. Am späten Nachmittag mache ich dann mit Benoit einen Spaziergang in die Dünen, die gleich hinter Timbuktu anfangen. Es ist ein sehr schöner Ausflug der Lust macht auf mehr Wüste. Auf dem Rückweg verirren wir uns ein bisschen in den mittlerweile dunklen Gassen von Timbuktu. Den Abend verbringen wir mit drei italienischen Reisegenossen von Benoit im Restaurant Poulet d’or, es ist sehr gemütlich. Ich bin froh, bin ich hierhergekommen, Timbuktu war die Reise wert, der Weg ist das Ziel.
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Mittwoch, 14. Februar
Dieser Spruch geistert mir heute noch einmal durch den Kopf. Am morgen früh brechen wir (Benoit, die Italiener, zwei deutsche Paare und ich) wieder Richtung Mopti auf. Wir fahren vor Sonnenaufgang ab und müssen diesmal in Korombou auf die Fähre warten. Es ist eine sehr schöne Stimmung dort. Das Dörflein erwacht langsam zum Leben. Neben der Fährstation wird eine Pinasse ent- und wieder beladen, die Leute waschen sich am Fluss und dann geht die Sonne auf. Nach der Überfahrt geht’s los über die Piste. Diesmal haben wir weniger Glück mit dem Fahrer. Ein junger Spund, vielleicht 17 Jahre alt, der sich mit einem Kollegen ein Rennen liefert. Das ist sehr ungemütlich. Beim ersten Halt sage ich dem Jungen, er solle doch ein bisschen doucement fahren, wir seien nicht so pressiert, worauf er mir erklärt, er habe ja eigentlich schon doucement fahren wollen, aber sein Kollege habe ihm zeigen wollen, dass sein Auto schneller sei und dann habe er ihm halt beweisen müssen, dass das nicht so sei. Zum Glück mässigt er sich anschliessend ein bisschen, aber ich bin sehr froh, als ich das Auto in Douentza heil verlassen kann. Meine Reisegefährten fahren weiter ins Pays Dogon, eine weitere Touristenattraktion, die ich auslasse, aus Zeitgründen. Aber es macht mir eigentlich nichts aus darauf zu verzichten. Ich hab gar keine Lust auf Touristenprogramm, eher so auf malinesischen Alltag. Der kommt dann sofort wieder auf der Fahrt von Douentza nach Mopti im Sammeltaxi. Wir halten an jeder Hundshütte, hier steigt ein Bauerlein mit Geiss ein und dort ein Grosi mit seinen Habseligkeiten. Irgendwann erklärt mir bei einem Halt mein Sitznachbar, dass jetzt alle beten gingen. Er übergibt mir sein schlafendes Kind und steigt mit den anderen praktizierenden Moslems aus, inklusive Chauffeur. Gegen Abend treffen wir in Mopti ein. Ich machen einen Spaziergang durch die Stadt, am schönsten ist es am Fischerhafen, es kommt einem vor wie in einem Gemälde von Breughel, so lebendig und archaisch.
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Donnerstag, 15. Februar
Die Reise geht schon früh weiter. Um 6 Uhr 30 fährt mein Bus Richtung Bamako. Diesmal hat der Bus keine Fenster die man öffnen kann. Da die Malinesen auf der langen Fahrt viel essen und trinken fällt auch einiger Abfall an. Dieser wird normalerweise zum Fenster rausgeworfen, weshalb entlang aller Strassen viel Müll liegt. Da die Fenster hier aber wie gesagt nicht geöffnet werden könne schmeisst man alles auf den Boden, auch ich habe mittlerweile meine Hemmungen verloren und habe mich daran gewöhnt, dass man hier ebenso ungeniert alles wegwirft, wie sich die Männer an jeder Ecke erleichtern und auf den Boden spucken. Es gibt deshalb viele Mauern auf denen steht, défense d’uriner, meist noch mit einer Bussendrohung verbunden. Die Busfahrt ist kurzweilig, mir tut noch alles weg von der ruppigen Fahrt vom Vorabend und ich komme am Nachmittag ziemlich erledigt in Bamako an. Immerhin habe ich ja noch zwei Tage, um mich zu verabschieden und Einkäufe zu machen. Aber ich habe mich dummerweise im Datum des Abflugs geirrt. Statt am Sonntag morgen früh geht mein Flug schon am Samstagmorgenfrüh, merke ich am Abend im Internetcafé, das stresst mich grad leicht, gleichzeitig stelle ich fest, dass ich die Aussicht auf einen freien Tag in der Schweiz vor Arbeitsbeginn sehr verlockend finde.
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Freitag, 16. Februar
Es wird ein sehr gedrängtes Programm heute. Am morgen bei Zeiten fahre ich auf den Markt und kaufe Stühle und Teppiche, dann mit dem Taxi zurück und mit dem Velo zum letzten Mal zum Radio. Dort die letzte Redaktionssitzung und die grosse Verabschiedung von allen den Leuten, die teilweise gute KollegInnen geworden sind. Ich kriege noch Lob vom Direktor und Chefredaktor für meine Serie über die Schweiz. Das freut mich, für mich ist die Bilanz wirklich positiv, ich habe gelernt wie man Radioreportagen macht und viel erlebt hier bei Kledu. Für Wehmut bleibt aber keine Zeit, ich fahre zum letzten Mal mit dem Velo über die Brücke und dann gleich nochmal mit dem Taxi für letzte Einkäufe zurück in die Stadt. Am Abend muss ich bei den diversen Schneidereien meine Aufträge abholen, was fast überall klappt und sage meinem Grin, den Jungs mit denen ich immer Tee getrunken habe, auf Wiedersehen. Um acht treffe mich dann mit Seni, meinem Kumpel aus Burkina zum Znacht im Restaurant Golden über die Gasse. Auch MC, der Gerant der Herberge Jatiguya, wo ich jetzt ein paar Wochen gehaust habe, kommt mit. Wir verbringen einen gemütlichen Abend bei Poulet, Reis und Sprite. Ich schenke Seni mein Velo, was ihn sehr freut, er ist hier ohne eigenes Verkehrsmittel und kann jetzt günstig in der Stadt rumkurven. Danach muss ich packen, ich habe einen Rucksack, zwei riesige Plastiquadertaschen und eine Beige kleine Stühle. Am Flughafen folgt die Quittung, ich habe 47 Kilo Gepäck, sieben Kilo zuviel, doch auch dafür finden wir eine Lösung, ich wechsle meine letzten Euros in Francs und schon ist das Problem behoben. Au revoir le Mali, pays fascinant et fatiguant, c’était très beau.
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Samstag, 17. Februar
Am Morgen um 7 Uhr komme ich in Casablanca an. Ich habe bis um 15 Uhr Zeit und fahre mit dem Zug in die Stadt. Marokko wirkt nach Mali extrem grün und entwickelt. Die Stadt ist ganz anders als Bamako, sehr europäisch, sehr geordnet, sehr viel Asphalt, sehr wenig Chaos, sehr luftig mit einem eindrücklichen Strand und der dritt grössten Moschee der Welt. Ein Taxichauffeur fährt mich eine gute Stunde lang entlang der der Sehenswürdigkeiten. Danach setze ich mich auf dem schönen Bahnhofplatz noch etwas auf ein Baenklein, es ist angenehm kühl hier, schon fast zu kühl, nach sechs Wochen dreissig Grad. Dann ein prächtiger Rückflug, entlang der marokkanischen Küste, weiter über Gibraltar und dann schlafe ich ein und um 19 Uhr 31 treffen wir in Zürich ein. Es kommt mir ein bisschen irreal vor, der Körper fliegt aber die Seele spaziert nach Hause, sagt mir Shirana, meine Schwaegerin, am nächsten Tag, ein schönes Bild. Ich freue mich aber extrem, als ich meine Kinder und meine Frau sehe, die sich an der Scheibe bereits die Nase flach drücken. Schnell lade ich das voluminoese Bagage auf, bringe es heil durch den Zoll und wir fahren im Exklusiv-nur-fuer-uns-Sammeltaxi zurück nach Hause in den Kreis 5, fast wie in Mali, einfach ein bisschen besser gepolstert.
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Suisse 5MinutesLundi
Suisse 5MinutesVendredi
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Ende ...
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MAZ - aktuell
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