| MAZ Forum | |
| Besuch bei NZZ am Sonntag | Montag, 6. Mai 2002 |
| Felix E. Müller am
MAZ-Forum: Die NZZ am Sonntag ist auf Kurs Die Hauptrichtung stimmt, kleine Korrekturen und Anpassungen sind denkbar - das ist das Fazit von Felix E. Müller nach 3 Monaten NZZ am Sonntag. Der Chefredaktor des neuen Blattes stand beim MAZ-Forum Studenten und Absolventinnen Rede und Antwort. Und führte in einem Rundgang durch die Redaktionsräume seines 54-köpfigen Teams an der Zürcher Mühlebachstrasse. Dort zeigte sich, dass nicht nur das Layout, sondern auch die Arbeitsweise anders ist als bei der "alten Tante NZZ": Redaktorinnen und Redaktoren arbeiten im Grossraumbüro. Das wirkt zwar eher moderat als anonym, markiert aber dennoch einen Bruch mit der Falkenstrasse, wo die meisten im eigenen Büro sitzen. Nach Anfangsproblemen - die hauseigene Software tat sich mit den Bildbearbeitungsprogrammen des neuen Layouts schwer - kehrt allmählich Redaktionsroutine ein. Zum Hauptteil des Abends ging es ins Personalrestaurant der NZZ. Gespannt waren die MAZ-StudentInnen darauf, wie Müller Ausrichtung und Philosophie der Zeitung umschreiben würde. Die NZZ am Sonntag wolle sich klar gegenüber dem Thesenjournalismus abgrenzen. Das ging vor allem an die Adresse der Sonntagszeitung. Was die politische Richtung betrifft: bei den für die Schweiz wichtigen Themen - EU-Beitritt und Bankgeheimnis zum Beispiel - vertrete das Blatt die Meinung des Mutterhauses. Seine Redaktion arbeite jedoch unabhängig. Es gebe weder Anweisungen noch Absprachen. In der journalistischen Machart sei das Blatt ohnehin klar als Wochenzeitung konzipiert und damit anders angelegt als die NZZ: der zentrale Bund ist für Müller der "Hintergrund", das Gros der Artikel sei journalistisch so aufbereitet, dass nicht die Gesamtschau im Vordergrund stehe, sondern der Mensch als Individuum. Eine der überraschenden Erkenntnisse des Abends: die Bildredaktion hat sich in einem internen Papier Regeln und Statuten verordnet (eine Kopie davon hat das MAZ bereits angefordert). Und: die Redaktion stemmt die allwöchentlich fast 130 Seiten ohne Produzenten. Müssten Gesicht und Konzept einer Ausgabe in letzter Minute neu gestaltet werden - aus Gründen der Aktualität - dann müsse er selbst Hand anlegen, sagt Müller. Dieser Fall tritt möglicherweise aber nie ein: die Redaktion sei am Überlegen, ob es nicht doch besser wäre, das Blatt mit Produzenten zu machen. An der schlechten und mehrfach beklagten Druckqualität könnten die allerdings auch nichts ändern. Leserinnen und Abonnenten müssen noch eine Weile damit leben: 2004 sei im Druckzentrum Schlieren die neue Druckmaschine parat und damit ein sauberes Erscheinungsbild garantiert, sagte Müller. Bernd Merkel |
Felix E. Müller
|
|
Copyright © MAZ
|