MAZ-Dozenten wagen den Blick in die Sterne
Das Dozententreffen vom 18. Oktober 2007 stand ganz im Zeichen der Zukunft. Die «Zeitung der Zukunft» und die «Zukunft des Journalismus» waren die Hauptthemen. Für Bascha Mika, Chefredaktorin der taz, droht die mediale Klassengesellschaft – wenn die Redaktionen ihre ökonomische und publizistische Unabhängigkeit nicht bewahren.
40 Seiten widmete kürzlich die tageszeitung (taz) in einer Sonderausgabe dem Thema «Zeitung der Zukunft». «Dabei haben wir festgestellt, dass wir Zeitungsmacher ein Luxusproblem haben», sagte Bascha Mika, Gastrednerin vor den versammelten MAZ-Dozierenden. Die breite Öffentlichkeit beschäftige sich gar nicht mit der Krise der Zeitungen. «Dagegen müssen wir etwas tun.» Ein wichtiges Ziel jeder Redaktion müsse ihre ökonomische Unabhängigkeit sein. Sonst würden die Zeitungen von Investoren aufgekauft, die primär an der Rendite und nicht am Inhalt interessiert seien – wie das Beispiel Wall Street Journal zeigt. «Die Kluft zwischen den Zeitungsmachern und jenen, denen die Zeitung gehört, wird grösser», warnte Bascha Mika.
Viele Probleme der Zeitungen sind für die taz-Chefin hausgemacht. «Die fehlende Eigeninitiative, ja die eigene Saturiertheit der Journalistinnen und Journalisten» seien sehr ernst zu nehmen. Mehr Phantasie sei gefordert. Die Nachrichtenflut, die Reizüberflutung, der Hang zum Lokalen und die zunehmende Boulevardisierung seien Herausforderungen, denen sich die Zeitungsmacher stellen müssten. «Wenn dies nicht gelingt, sind wir selber schuld, wenn unser wichtigstes Medium - die Zeitung - den Bach runter geht.»
MAZ-Direktorin Sylvia Egli von Matt prognostiziert ihrerseits eine inhaltliche und nicht eine technische Revolution für den Journalismus. Während ihrer Studienreise in diesem Jahr ist sie mit Exponenten der Zeitungsbranche in den USA, Deutschland und der Schweiz zusammengekommen. Dabei habe sich gezeigt: «Alle Verlage und Redaktionen sind auf der Suche.» Der Tenor aus all den Gesprächen lautet: In Zukunft werden die Redaktionen multimedial aufgestellt sein. Die Journalisten denken multimedial, agieren aber höchstens bimedial. Journalisten stehen vermehrt im Dialog mit den Nutzern. Sie berichten lokal. Sie entwickeln neue Formen, wie sie Geschichten erzählen können. Und sie werden unternehmerischer; Führung und Management werden wichtiger.
Für die rund 50 anwesenden MAZ-Dozierenden lieferten die beiden Referate viel Gesprächsstoff. Gelegenheit für Diskussionen bot das Nachtessen, das Kostgeberei-Koch Simon Kraft zubereitete. Und MAZ-Dozent Heinz Däpp sorgte mit seinen Schnappschuss-Kolumnen für einen heiteren Abschluss.
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