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Ehrung für MAZ-Absolventen Pressefotografie

 
In der Publikationsreihe «facetten» präsentieren die Kulturstiftung des Kanton Thurgau jährlich drei- bis viermal Thurgauer Kulturschaffende aller Sparten. Das neuste Doppelheft widmet sich der Fotografie. Darin vertreten sind auch Mirjam Wanner und Meinrad Schade, zwei Absolventen des 1. MAZ Lehrgangs Pressefotografie.

Vom Thurgau nach Amerika oder Polen, nach Island, Brasilien und wieder zurück in die Schweiz: Die elf teils sehr unterschiedlichen Fotografinnen und Fotografen, die in der zweiten Ausgabe von «facetten» ­ einer Doppelnummer ­ mit Beispielen neuerer Arbeiten und Texten der Kulturjournalistin Nadine Olonetzky präsentiert werden, spannen thematisch und gestalterisch einen weiten Bogen. Sie reisen vom Thurgau rund um die Welt und in sich hinein. Sie zeigen mit der Kamera die Sicht auf die äussere Welt, aber auch ins menschliche Innenleben. Sie arbeiten in Farbe und mit Schwarzweiss, mit Schärfe oder Unschärfe und erforschen damit auch die Möglichkeiten und Grenzen der Fotografie.

"facetten" wird jeweils gezielt versandt, die vorliegende Ausgabe an Museen, Sammlungen und Medien(-schaffende), die sich konkret mit aktueller Fotografie beschäftigen. Zudem erhalten die Künstlerinnen und Künstler jeweils eine grössere Anzahl zu ihrer freien Verfügung. Die Reihe stellt somit ein zusätzliches Instrument der Förderung von Künstlerinnen und Künstlern dar, die unsere projektbezogenen Unterstützungen ergänzt.

Mirjam Wanner
Das Hochhaus in Romanshorn könnte ebensogut an der Côte-Azur stehen, das Frauenfelder McDonalds-Restaurant in Miami und das kopfüberhängende Kind in Siegershausen könnte an irgendeiner Turnstange der Schweiz baumeln: Mirjam Wanner, 1971 in Frauenfeld geboren und nach ihrer Ausbildung am MAZ in Zürich als freie Fotografin tätig, porträtierte unter dem Titel «Freie Sicht in den Thurgau» ihren Heimatkanton. Sie zeigt eine Gegend im Zustand zwischen Tradition, Eigenständigkeit und dem Durchschnittsfortschritt, der ganz Europa mit denselben architektonischen Stilen überzogen hat. Nicht Jugenderinnerungen wollte sie auffrischen, sondern mit der Kamera einen neuen Blick auf das ehemals Vertraute tun. Da ist einmal das Klischee vom Bauern- und Mostkanton, mit dem sie sich beschäftigt, ohne der kitschigen Idylle zu verfallen: Sie fotografiert zwar den traditionellen Mai-Tanz auf dem Ottoberg, zeigt jedoch moderne, junge Paare, die sich dem Tanz oder ihrer Romanze hingeben. Dann sind da ihre Landschaftsaufnahmen. Sie beschreiben das heutige Gesicht des Kantons und erzählen von den Lebensbedingungen und den Träumen der Menschen: Strassen und Wohnblocks der Agglomerationen und die Haus gewordenen Amerikanismen, die man von Romanshorn über Hugelshofen bis Frauenfeld antrifft. Und so ist ihr Thurgau-Porträt eine ebenso liebevolle wie kritische Annäherung an diese schweizerische Landschaft und ihrer Menschen am Anfang des 21. Jahrhunderts.

Meinrad Schade
Der Kosovo-Konflikt Ende der 90er Jahre war für die Schweiz eine asylpolitische Herausforderung: Insgesamt nahm die Schweiz 53'000 Flüchtlinge auf, veranlasste aber von Juli 1999 bis August 2000 mit Geldzahlungen als Starthilfe insgesamt 31'844 Kriegsvertriebene zur freiwilligen Rückkehr. Man wertete damals die humanitäre Bewältigung der Kosovo-Krise als Erfolg, sowohl was die Aufnahme als auch was die Zahl der Rückkehrer betrifft. Hinter diesen dürren Zahlen stehen aber menschliche Einzelschicksale, Lebenswege, die von Brüchen und Dramen gezeichnet sind. Vom Oktober 1998 bis Mai 2000 fotografierte Meinrad Schade deshalb die Menschen in den Asylunterkünften der Schweiz, an der Grenze zur Schweiz in Italien und in ihrer Heimat im Kosovo. Schade, 1968 in Kreuzlingen geboren, bildete sich nach einem Biologiestudium in der GAF (Gruppe autodidaktischer FotografInnen) und im Lehrgang Pressefotografie des MAZ zum Fotografen aus und ist heute Mitglied nominé der Zürcher Fotoagentur Lookat. Seine schwarzweiss fotografierte Reportage zeigt Situationen eines Lebens auf der Flucht: Warten auf dem Flughafen Zürich, schlafen, essen in der Asylunterkunft in Ponte Chiasso. Sie zeigt die Leere und Müdigkeit nach der grossen Anstrengung, die Angst und Verlorenheitsgefühle, die den Menschen ins Gesicht geschrieben sind, und sie zeigt die Versuche, etwas Abwechslung und Glück ins zerstörte Leben zu bringen: Fussball zu spielen, trotz kaputtem Goal, den Fernseher anzuschliessen, um das vertraute Fernsehprogramm aus der Heimat empfangen zu können. Meinrad Schade zeigt die Gesichter hinter den Zahlen.

Die Publikation ist im Verlag Niggli, Sulgen/Zürich erschienen und im Buchhandel erhältlich.
www.niggli.ch

 

 

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