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Neue MAZ-Preisträger - und eine Laudatio  
Christoph Schwyzer und Tomas Wüthrich erhielten am 22. November 2001  journalistische Auszeichnungen. Im feierlichen Rahmen wurde Christoph Schwyzer, der die Sommer seine Diplomausbildung am MAZ beendete, für seine Abschlussarbeit "Schlachten im Takt" mit dem BZ-Preis des-Lokaljournalismus ausgezeichnet.
Tomas Wüthrich hat ebenfalls im Sommer den ersten Lehrgang Pressefotografie absolviert. Er wurde für sein Porträt des Bundespräsidenten Moritz Leuenberger ausgezeichnet (Bilder rechts). Wir gratulieren beiden herzlich.
Am Anlass geehrt wurde auch Max Dohner mit einem Spezialpreis für die Aargauer Zeitung.

An Christoph Schwyzer und Max Dohner richtete sich die Laudatio von MAZ-Direktorin Sylvia Egli von Matt:

Lieber Christoph Schwyzer, lieber Max Dohner, sehr geehrte Damen und Herren,
es freut mich speziell, diese Laudatio halten zu können. Sie werden am Schluss verstehen, weshalb diese spezielle Freude.

Es ist Sonntag-Nachmittag im Oktober. Ich lese die für den BZ-Preis eingegangen Texte. Bin bei Nr. 33, lese und lese. Stehe dann auf- öffne die Balkontüre, mein Partner im selben Raum schüttelt den Kopf. Er versteht nicht.

Doch bei mir, da stinkt es nach frischem Blut, nach warmen Eingeweiden, nach Tierurin und -kot. Und in meinem Kopf dröhnt es, es ist laut, ich höre grelle Schreie von Schweinen, rasselnde Ketten, surrende Sägen.

Ich lese "Schlachten im Takt". Christoph Schwyzer, der Autor, versetzt mich mit seiner Reportage über die grösste Schlachtstrasse im grössten Schweinemast-Gebiet der Zentralschweiz buchstäblich ins Schlachthaus.

Ich vernehme sehr detailliert und anschaulich, wie innerhalb von dreissig Minuten aus lebenden Schweinen frische Schweinehälften werden, dass im letzten Jahr in der Schweiz 2,66 Millionen Schweine geschlachtet wurden, dass die Elektrobetäubung momentan etwas vom Besten ist, obwohl es immer noch eine Zapplete gibt. Dass vor allem ausländische Mitarbeiter metzgen, Portugiesen und Jugoslawen, auch Muslime, die kein Fleisch essen. Sie verdienen knapp 4000 Franken im Monat.

Die eigentlichen Schlacht-Schilderungen aus der Reportage erspare ich Ihnen, sonst bleibt womöglich das feine Buffet nachher unangetastet. Und hier können wir ja auch keine Fenster öffnen.

Christoph Schwyzer hat ein aktuelles Thema, das wir gerne aus unserem Bewusstsein verdrängen, umfassend dargelegt. Er hat sehr aufwändig recherchiert. Es war schon recht schwierig, überhaupt Zugang zu einem Schlachthaus zu bekommen. "Ich drehe jedem den Hals um, der gegen das Metzgergewerbe schreibt: Der Herrgot hat uns die Tierli zum essen geben. Und einer muss sie ja töten. Jeder meint, er müsse seinen Senf dazu geben, obwohl keiner etwas davon versteht", sagte ihm ein Metzgermeister.

Christoph Schwyzer lässt sich davon nicht abhalten. Er beobachtet extrem nah, schreibt in einer knappen, unprätentiösen aber präzisen Sprache und liefert dabei ein Maximum an Information. Diese wird unterstützt und verstärkt durch ebenfalls sehr eindrückliche, einprägsame Fotos des Autors.

Was die Jury aber als allergrösste Leistung beurteilt: Christoph Schwyzer moralisiert überhaupt nicht. Keine einzige Wertung ist auf den acht Seiten zu finden.

Dennoch hat diese Arbeit enorm viel Staub aufgewirbelt. Das lokale Metzgergewerbe lief Sturm gegen eine solch "tendenziöse, schlechte Geschichte". Umso wichtiger ist dieser Preis für diese schlicht und einfach saugute Reportage.

Erlauben Sie mir noch zwei kurze Bemerkungen. Zum wiederholten Mal steht ein Journalist des Willisauer Boten auf dem Podest. Ein Beweis dafür, dass Qualität weder von der Grösse noch der Finanzkraft einer Zeitung abhängt, sondern von einem engagierten Team. Joe Zihlmann, der langjährige Chefredaktor und ehemalige Juror des BZ-Preises, schafft es immer wieder, seine Journalisten zu Höchstleistungen anzuspornen. Dafür möchte ich auch ihm hier herzlich danken.

Ebenfalls zum wiederholten mal gewinnt ein Absolvent des MAZ einen Preis. Die ausgezeichnete Reportage ist Christoph Schwyzers Abschlussarbeit, mit der er im Sommer seine zweijährige Diplomausbildung beendet hat. Das freut mich, weil damit der Beweis erbracht wird, dass Aus- und Weiterbildung zentrale qualitätssichernde Elemente sind, dass sich Ausbildung lohnt. Christoph Schwyzer hat einen rechten Teil des Schulgeldes durch die Preissumme zurückgeholt. Er, der ehemalige Primarlehrer, der kaum drei Jahre im Journalismus und auch eine der allerbesten Abschlussprüfungen am MAZ gemacht hat, investiert weiter in seine Bildung. Er studiert an der Uni Heidelberg "Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus. Er wurde ausgelesen und aufgenommen als einer von zehn Studierenden. Ich bin überzeugt, wir werden mehr von Christoph Schwyzer hören.

Der zweite Preis, der Spezialpreis, ist eine Auszeichnung für den Autor und für die Zeitung.  Für Max Dohner und für die Aargauer Zeitung.

Die Jury war begeistert von der vierteiligen Serie am Wochenende im Sommer zum Thema: Schweiz als Insel, Inseln der Schweiz. Ein sehr aktuelles Thema, aber völlig überraschend angegangen.

"Gesetzt, die Schweiz wäre tatsächlich eine Insel: Müsste sie da nicht von ihren Inseln her zu begreifen sein", fragt der Autor in der Einleitung.

Ich lerne das Schnittlauchinseli im Walensee kennen, die Ile d'Ogoz im Lac de Gruyère, die Isole di Brissago im Lago Maggiore und die Lorelei- und Neptuninseln im Urnersee.

Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht: Mir war ausser den Brissago-Inseln keine bekannt. Und auch die werden mir ganz neu gezeigt.

Auf jeweils drei Seiten werde ich an den Ort geführt, vernehme kleine Geheimnisse und treffe Menschen, Insulaner der Gegend. Es sind keine aufregenden Geschichten, sondern Reportagen voller wunderbarer Überraschungen, informativ, sinnlich und anschaulich geschrieben und stilvoll aufgemacht.

Max Dohners Serie ist Ansporn, Bekanntes zu entdecken und zu sehen, dass auch da viel Unbekanntes verborgen liegt. Journalismus im allerbesten Sinne also. Und dies in einer sogenannten Monopolzeitung. Ein sehr hoffnungsvoller Ansatz.

Ich gratuliere beiden Preisträgern ganz herzlich und freue mich auf weitere Texte von ihnen. Und ich danke den beiden Redaktionen, dass sie solche Geschichten ermöglichen.

Bilder: Tomas Wüthrich

 

 

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